Konzert-Kritik

Fraktus-Konzert: Entlarvender Kitsch, ehrlicher Applaus

München - Fraktus sind in der Muffathalle aufgetreten. Und auch wenn vieles Ironisches war. Das Schwenken der Feuerzeuge und der Applaus hatten etwas tief Ehrliches. Eine Konzert-Kritik. 

Musik ist nicht ironisch. Es gibt immer den Moment, in dem eine Bassdrum einfach kickt oder eine Melodie den albernsten Texts trägt. Der in komische Länge gezogene Countdown vor dem Auftritt von Fraktus beschwörte noch die Fiktion, dass die Band einst quasi im Alleingang den Techno erfand und dann Jahrzehnte in Vergessenheit geriet. Als die drei angeblichen Pioniere in rostroten Uniformen und grünleuchtenden Helmvisieren die Bühne der Münchner Muffathalle betreten, ist auch der Riesenjubel des Publikums noch eher Spiel. In Wahrheit steht da freilich Studio Braun, die sich Fraktus im Jahr 2012 für den wunderbaren, gleichnamigen fiktiven Dokumentarfilm ausdachten. Nun aber: tatsächlich zweites Album, neue Tour, ohne Story dazu. 

Die Platte „Welcome to the Internet“ gibt das Rollenspiel oft auf, parodiert weniger Stile oder Zeitgeschmack. Das ist eher originärer Studio-Braun-Dadaismus in Elektro, zufällig dem NDW-Nonsens („Maler und Lackierer“, „Schuhe aus Glas“) oder der Kinderreim-Sachlichkeit von Kraftwerk („Musik aus Strom“) verwandt. Live prägt sich am meisten Avantgardist und Optiker Bernd Wand (Jacques Palminger) mit Vocoder-Gesang und DAF-Gedächtnis-Tänzen ein. Torsten Bage (Heinz Strunk) moderiert zwar die Werbeunterbrechung für bandeigenen Erfindungen (etwa eine „Bananensäge“). Aber bei seinen Querflöten-Soli kann er als Musiker kaum anders, als sich wirklich hineinzusteigern. Und dass Dickie „Starshine“ Schubert (Rocko Schamoni) Spaß findet am Spiel mit der Menge, ist merklich nicht Maske. Auch wenn er den Scooter-artigen „Oh-eh-oh“-Wechselgesang ins Absurde treibt, auch wenn Feuerzeug- und Handyleuchten-Schwenken den Kitsch von „Freunde sind Friends“ eher entlarven als unterstützen: Da ist’s doch, das Gemeinschaftserlebnis eines echten Konzerts. Am Schluss hat auch der Applaus nichts Ironisches mehr.

Thomas Willmann

Rubriklistenbild: © Facebook/Fraktus

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