„Ein völliger Umbruch!“

Kammerspiele-Zank: Der Kulturreferent hält zu Lilienthal

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Kulturreferent Küppers (l.) hält zu seinem Kammerspiele-Intendanten Lilienthal

München - Die Kündigung der Schauspielerin Brigitte Hobmeier markierte im Zank um die Kammerspiele einen traurigen Höhepunkt. Jetzt hat sich die Stadtrats-CSU eingeschalten - ein Telefonat mit dem Kulturreferenten.

Die Kammerspiele werden derzeit ja gerne als Jammerspiele oder Kummerspiele bezeichnet – die Wogen nach der überraschenden Kündigung der Top-Schauspielerin Brigitte Hobmeier zum Ende dieser Saison schlagen hoch. Und sie glätten sich nach wie vor nicht. „Der Sprengmeister“ titelte die tz über das bisherige Wirken von Hausherr Matthias Lilienthal, der seit Herbst 2015 die Geschicke des renommierten Hauses leitet. Jetzt hat sich auch die Stadtrat-CSU eingeschaltet. Sie will per Dringlichkeitsantrag über das Theater im Kulturausschuss bereits am 24. November informiert werden. Doch sie sieht sich auf den Schlips getreten – warum und ein Gespräch mit dem Kulturreferenten lesen Sie hier.

Der Kulturreferent spricht

Ganz so leer sind die herrlichen Kammerspiele noch nicht, aber fest steht: Die Publikumszahlen sind rückläufig.

Kulturreferent Hans-Georg Küppers’ Stimme klingt am Telefon frisch und munter: „Ja, so was passiert schon mal“, sagt er, angesprochen auf die Kammerspiele-Misere.

Sein Bekenntnis: Nein, niemand hat ihm den Lilienthal empfohlen. „Darum habe ich mich schon selber gekümmert.“ Und so haben ihm die letzten Aufführungen in den Kammerspielen denn auch gefallen. Da ist er in einer krassen Minderheit.

Über eine endgültige Lösung des Intendantenproblems – Lilienthals Vertrag geht bis 2020 – denkt er deshalb auch (noch) nicht nach. „Das war eben ein völliger Umbruch. Es ist eine ganz andere Art, Theater zu machen.“

Aber die gefällt doch kaum jemandem! „Das wird kommen. Bedenken Sie, wie alle am Anfang gegen Johan Simons waren: Kein ­richtiges Deutsch und der nackte Hintern von Benny Claessens! Und beim Abschied haben alle gejubelt. Glauben Sie mir, es wird auch hier so kommen“, gibt sich der Kulturreferent überzeugt.

„Man soll nicht zu schnell urteilen“, fährt er fort. „Ich gebe mir noch ein Jahr. Jetzt sollen erst einmal Hamlet und Kirschgarten in Ruhe erarbeitet werden. Ich bin übrigens sehr einverstanden damit, dass die anstehenden Fragen nicht als Hintergrundgespräch, sondern im Kulturausschuss behandelt werden, und Lilienthal auch.“ Aber, ergänzen wir: erst nach seinem „Hintergrundgespräch“.

Der aktuelle Zank-Stand ums Theater

Werbeplakate der Kammerspiele in der Fußgängerzone. Man ist international.

Die Kammerspiele-Misere hat den Stadtrat (das Haus ist städtisch) geweckt. In einem Brief an den Intendanten Matthias Lilienthal fordert der kulturpolitische Sprecher, Stadtrat Richard Quaas, diesen auf, ein „Hintergrundgespräch“, zu dem Lilienthal den Kulturausschuss für diesen Freitag eingeladen hatte, aufzugeben. Quaas: „Ein ,Hintergrundgespräch‘, so positiv das gemeint sein mag, trifft nicht den Ernst der Situation und sollte nach meiner Ansicht auch unbedingt vermieden werden, damit gleich gar kein ,Geruch‘ von Geheimniskrämerei und der Anmutung eines Hinterzimmergespräches die Runde machen kann. Transparenz und Offenheit ist auch hier das Gebot der Stunde. Ich möchte Sie deshalb dringend bitten, das eingeladene Gespräch abzusagen und die Behandlung im Kulturausschuss, also dem zuständigen Gremium, zur Aufklärung und zur Stellungnahme zu nutzen.“

Offene Worte, die allerdings nur teilweise auf Zustimmung stoßen. Lilienthal will zwar die Kritikpunkte an seinem Haus – erstklassige Akteure suchen das Weite, fühlen sich nicht mehr gebraucht und ihre Kunst nicht geschätzt, dazu Publikumsschwund, mehr Performances, weniger Klassiker – im Kulturausschuss erörtern (siehe Interview rechts), allerdings beharrt er auf seinem „Hintergrundgespräch“, das schon am Freitag stattfindet. Also knapp eine Woche vor dem Ausschuss.

Dies wiederum bringt die CSU auf die Palme. Deren kulturpolitische Sprecher Richard Quaas wetterte gestern: „Meine Kolleginnen, Kollegen und ich nehmen das etwas befremdet zur Kenntnis, weil Sie offenbar schon hier Ihren Standpunkt höher bewerten als unsere terminlichen Einwände und Probleme.“ Quaas selbst könne am Freitag ebenso wie viele Kollegen nicht teilnehmen. Man wollte eigentlich die mögliche Diskussion im Anschluss an den Ausschuss, nicht über die Medien führen. Das ist wohl nun passé. 

Beate Kayser

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