Konzertkritik

Jamie Cullum begeistert auf dem Tollwood

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München - Bei seinem Tollwood-Auftritt vor zwei Jahren hielt es schon bald niemanden mehr auf den Sitzen – darum hat man diesmal gleich von vornherein auf die Bestuhlung verzichtet. Gut so!

Tasten-Tausendsassa Jamie Cullum erweist sich bei seiner fulminanten Rückkehr in die Musik-Arena wieder als begnadeter Entertainer, der das Publikum mühelos in kürzester Zeit zur Raserei bringt.

Der energiegeladene Engländer vereint eine schier unfassbare Menge an Talenten in seinem 1,64 Meter kleinen Körper: Er ist ein phänomenaler Pianist und Improvisator, ein hervorragender Songschreiber und ein charismatischer Sänger, dessen rauer, volltönender Bariton direkt in die Eingeweide fährt.

Geschickt wechselt er zwischen elektrisierenden eigenen Liedern und aufregenden Neuinterpretationen von Klassikern wie Burton Lanes „Old Devil Moon“ oder Stephen Sondheims „Not While I’m Around“. Zusammen mit vier brillanten Multi-Instrumentalisten swingt und groovt der 36-jährige Wuschelkopf, was das Zeug hält – und wirbelt dabei munter alle möglichen Stile durcheinander: Cole Porters „Love For Sale“ wird bei ihm zu einer düsteren, heftigen Trip-Hop-Nummer, Rihannas „Don’t Stop the Music“ verwandelt er in einen lässig-lasziven Laid-Back-Schmeichler. Seine zerbrechliche, mit Hirn und Herzblut vorgetragene Version des Udo-Jürgens-Liedes „If I Never Sing Another Song“ rührt zu Tränen.

In seinen charmanten Ansagen erzählt er etwa, dass er seinen ersten Auftritt außerhalb Großbritanniens vor 15 Jahren in Murnau hatte. Zwischendurch benutzt er seinen Mund als Beatbox und seinen Yamaha-Flügel als Perkussionsinstrument – und fetzt über die Bühne wie ein Duracell-Häschen auf Speed. So entfacht der Jazz-Derwisch einen wahren Tanzflächenbrand: Die Fans singen, klatschen, tanzen und hüpfen begeistert mit – und bringen schließlich mit ohrenbetäubendem Jubeln und Trampeln das Zelt schier zum Einsturz.

Marco Schmidt

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