Konzertkritik

The Libertines im Zenith: Ein bisschen Rock'n'Roll

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Pete Doherty (l) und Carl Barat hier beim Libertines-Konzert auf dem Lollapalooza Festival in Berlin im September 2015.

München - Dass Konzerte der britischen Skandalrocker „The Libertines“ ausverkauft sind, ist oft eine Sache von Minuten. Manchmal waren sie auch schon genauso schnell vorbei. So war das Konzert in München.

Entsprechend schwingt der Freude, dass die legendäre Indie-Brit-Rock-Band wieder tourt, immer auch ein wenig Spannung mit, was dieses Mal passieren wird. Zwar ist zu lesen, dass Pete Doherty seinen Dämonen „Heroin, Kokain und Alkohol“ abgeschworen hat. Aber unbesehen will man das nicht glauben.

Die Münchner haben im vollen, wenn auch um ein Drittel verkleinerten Zenith, erlebt, dass was dran sein muss. Dort traten „The Libertines“ in Originalbesetzung auf - mit spektakulärer Lichtshow und sehr präsenter, disponierter Doppelspitze. Und obwohl der eine der beiden kongenialen Libertines-Köpfe, Pete Doherty, mit seinen „Babyshambles“ und der andere, Carl Barât, mit seinen „Dirty Pretty Things“ großartige Alben hervorgebracht haben, ist ein Libertines-Konzert etwas völlig anderes. Wie die großen Songwriter-Duos der Rockgeschichte, Jagger/Richards, Lennon/McCartney oder auch Tyler/Perry, pflegen auch Doherty/Barât ein durchaus ambivalentes persönliches Verhältnis zueinander - ihr musikalisches Zusammenwirken aber ist einmalig.

Zum Problem des Abends wurden nicht die Drogen, sondern der berüchtigte Zenith-Sound: Libertines-Songs bestehen aus einem eigenwilligen Gefüge von mehrstimmigem Gesang und zwei allenfalls leicht angebratenen Lead-Gitarren, die leicht angeschmutzte, aber scharf gesetzte Harmonien erzeugen. Wenn nun die Bass Drum alles übertönt und der Bass alles überdröhnt, funktioniert dieses Rezept nicht. Nach einer guten halben Stunde (!) änderte sich das zum Glück und zu den wilderen und rüpeligeren Nummern stellte sich plötzlich echtes Libertines-Gefühl ein. Vor allem die Doherty-dominierten Songs zogen - ihnen wohnt etwas unbestimmt kneipenhaftes inne, das sich im Nu auf das Publikum überträgt.

Am Ende gab’s doch noch ein bisschen Rock’n’Roll: Doherty pfefferte erst seine Akustik-Gitarre in die Kulisse, anschließend schleuderte er seine E-Gitarre ins Publikum. Ob sie ein glücklicher, hoffentlich unverletzter Fan mit nach Hause nehmen konnte oder ob sie der eilig hinterher hechtende Roadie zurückerobern konnte, ist nicht bekannt.

Christoph Ulrich

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