Konzertkritik aus dem Oly-Stadion

"Macca" schreit und verbindet die Generationen

Paul McCartney Olympiastadion München
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Paul McCartney verzückte mit seinen Balladen das Münchner Publikum im Olympiastadion.

München - Nach 50 Jahren kehrt einer der Beatles nach München zurück. Und dabei macht Paul McCartney das, was er am besten kann: Balladen singen. Sein Auftritt im Münchner Olympiastadion.

Die bayerische Poliziei war sich sicher, dass es bei diesem Konzert zu Ausschreitungen kommen wird – erhöhte Vorsicht dringend geboten, wenn Paul McCartney und Kollegen in der Stadt sind. Das Publikum, so die Ordnungshüter, sei potenziell gewalttätig.

So war das, 1966, als die Beatles zum ersten und einzigen Mal in München spielten. Popmusik war fester Bestandteil von Randale und jugendlicher Rebellion gegen die Eltern und sonstige miefige Institutionen. Fünfzig Jahre später ist Paul McCartney wieder mal in München – aber an diesem Freitagabend sind die Kinder mit ihren Eltern und Großeltern da, um im Münchner Olympiastadion einem gediegenen Konzert zu lauschen, das überwiegend aus Songs besteht, die zum Weltkulturerbe zählen. Das weite Rund ist immerhin gut gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft. Die Konkurrenz ist mit der zeitgleich stattfindenden Fußball-EM-Eröffnung wohl zu stark.

Drei Generationen jubeln, als „Macca“, 73, mit Bass und blauem Sakko die Bühne betritt, immer noch mit jugendlichem Elan und Spitzbuben-Charme. "Servus München!", ruft er. "Ich werde versuchen, ein bisschen Deutsch zu sprechen." Das hält er durch - mit

„A Hard Day’s Night“ macht den Anfang - die Magie der jungen Beatles ist das zwar nicht mehr, aber ihr wichtigster lebender Vertreter legt sich ins Zeug. Im Bühnenhintergrund laufen Szenen dieser einzigartigen Künstlerkarriere. Bei „Can’t buy me Love“ spielen auf der Videowand sogar die jungen Beatles virtuell mit.

Die heutige Band trifft den Sound der Klassiker genau, sie rockt ungestüm durch „Helter Skelter“ genauso wie sie „Four-FiveSeconds“, dem 2015er-Hit mit Rihanna und Kanye West einen dezent zeitgemäßeren Sound verpasst. Der Meister selbst kann immer noch mächtig schreien (hat aber in den Höhen Probleme). Berühmt ist McCartney freilich für seine Balladen, und er spielt sie – fast – alle: „Here, There And Everywhere“, „Yesterday“, „Maybe I’m Amazed“ und im Mittelteil des Konzerts, nur zur Akustikgitarre, „Blackbird“. Der anrührendste Moment: Als er, nur mit Ukulele, "Something" von seim Kumpel George Harrison anstimmt.

Den Schlusspunkt setzt wie immer das Medley von der LP „Abbey Road“ – mit „The End“. Der Rest ist Jubel – fast wie 1966. Schon damals hatte sich die Polizei geirrt. Keine Gewalt, nur grenzenloses Glück.

Johannes Löhr

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