Die Konzertkritik

Viele Kracher und ein paar Längen: Red Hot Chili Peppers in der Olympiahalle

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Anthony Kiedis, hier auf einem Archivfoto.

München - Die Red Hot Chili Peppers gastierten am Dienstag in München in der Olympiahalle. Und sie können es immer noch - unsere erste Kritik. 

So kann man auch Geburtstag feiern. Anthony Kiedis, Jahrgang 62, gönnt sich an seinem Ehrentag eine Verschnaufpause und legt sich auf die schwarze Wand aus Verstärkern. Er hat sich schließlich genug bewegt an diesem Abend. Wie ein hyperaktiver Aerobic-Trainer hüpfte und tänzelte er über die Bühne. Jetzt lässt er die Beine baumeln, während seine Bandkollegen von den Red Hot Chili Peppers das Intro zum Rausschmeißer "Give it Away" anstimmen. Ein letztes Mal gibt sich die Olympiahalle der Energie hin, imitiert die Fitness-Übungen ihres Lieblingstrainers da oben am Mikrofron und lässt sich vom Funk-Rock der Kalifornier die Glieder erwärmen.

Auch nach 33 Jahren auf der Bühne schaffen es die Red Hot Chili Peppers noch mühelos, eine Halle in kollektiven Bewegungsrausch zu versetzen. Schon beim charakteristischen Gitarrenriff von "Can't Stop", mit dem die Band den Abend eröffnete, hielt es in der Olympiahalle niemanden mehr auf den Sitzplätzen. Mit "Dani California" und "Otherside" feuern die Peppers sofort Hitmaterial nach – ein gelungener Start. Kiedis Stimme sitzt auch am Geburtstag, Drummer Chad Smith und Bass-Genie Michael "Flea" Balzary sind ohnehin unantastbar und das Küken der Band, der junge Josh Klinghoffer, fremdelt nicht mehr so wie in den ersten Monaten, als er die undankbare Aufgabe antrat, den eigentlich unersetzbaren John Frusciante zu ersetzen.

Trotzdem hat dieser Abend mit einer der größten Rockbands der Gegenwart auch seine Längen. Vor allem im Mittelteil der Setlist kehrt Beliebigkeit ein. Das liegt nicht an den Live-Qualitäten der vier Musiker, sondern am neuen Material. Das elfte Album "The Getaway" ist leider wenig aufregend. Mit viel Pop und wenig Rock fließen die neuen Stücke vor sich hin. Der Rettungsanker ist häufig Fleas funkige Bassline. Oder die faszinierende Lichtshow, bei der sich bunte LEDs von der Decke wie ein leuchtender Teppich auf und ab bewegen. Schließlich braucht es aber doch die alten Kracher, um das Publikum wieder aufzuwecken. "Suck my Kiss" zum Beispiel. Oder "Californication". Oder "Under the Bridge". Oder "By the Way". Hits haben die Red Hot Chili Peppers wahrlich genug.

dg

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