Fast drei Stunden lang Gänsehaut

Konzertkritik: Zucchero in der Olympiahalle

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Extrascharf: Zucchero.

München- Was heißt „Gänsehaut“ auf Italienisch? Ach ja, „Pelle d’oca“, „Haut der Gans“. Hätte man wissen können. Ist aber auch gar nicht so wichtig. Denn: Die Gänsehaut muss man nicht übersetzen können, man muss sie spüren - so wie bei Zucchero.

Beim sensationellen Konzert von Zucchero (61) in der so gut wie ausverkauften Olympiahalle gab’s fast drei Stunden Dauer-„Haut der Gans“. Angetrieben von der besten Band seiner Karriere, predigte der Südstaatler aus der Emilia-Romagna den Blues, als wäre er gleichzeitig von Gott beseelt und vom Teufel geritten. Blues all’arrabbiata. 

Spektakulär sind Konzerte von Zucchero ja immer. Doch diesmal war’s spektakulärer - dank dieser Wahnsinns-Kapelle. Zwölf Mann (und vor allem Frau) spielten um ihr Leben. Darunter die ehemalige Prince-Drummerin Queen Cora Dunham, mit ihren lila Rastas strahlender Blickpunkt, und Ex-Prince-Gitarristin Kat Dyson. Dazu die epochale Backgroundsängerin Tonya Boyd Cannon und Jazzrock-Legende Brian Auger (77) an der Orgel. „In Blues we trust“ stand am Bühnenrand geschrieben. Und wer solche Granaten an seiner Seite hat, hat allen Grund, der Macht, der Pracht und der Herrlichkeit des Blues zu vertrauen.

Zwischendurch verschwand Zucchero und überließ seinen Begleitern die Bühne. Normalerweise ist das eine nette Geste, und alle warten nur darauf, dass der Superstar zurückkommt. Hier sang Tonya eine dermaßen mitreißende Version von B.B. Kings Rock Me Baby, dass niemand mehr Zucchero vermisste. Eine Wundertruppe, und natürlich auch ein Wundersänger.

Der Mann mit dem einen Zylinder bollerte wie ein amerikanischer V8. Er spielte am Anfang erst einmal sein fast komplettes neues Album Black Cat, dessen beste Stücke wie Partigiano Reggiano künftig jede Best-of-Platte zieren werden. Danach die Hits, Baila, Il volo oder Chocabeck, beseelter, kraftvoller denn je. Zucchero extrascharf. Ganz viel Haut der Gans.

Jörg Heinrich

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