Konzertkritik

Marillion in der Muffathalle: Sie sind so frei

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Progrock-Phänomen von der Insel: Marillion

München - Seit zwei Jahrzehnten veröffentlichen die britischen Progrock-Pioniere Marillion ihre Alben auf einem eigenen Label, ohne den Druck einer Plattenfirma im Nacken. Am Donnerstag waren sie in der Muffathalle.

Bei ihrem energiegeladenen, heftig bejubelten Auftritt in der Muffathalle hatten sie Songs aus neun Alben im Gepäck, darunter einige ausufernde Mini-Dramen wie das fast 14-minütige Auftaktstück The Invisible Man oder das knapp 17-minütige Epos The New Kings vom demnächst erscheinenden 18. Studioalbum F.E.A.R.

Die Lieder sind kunstvoll komponiert, mit interessanten Tempowechseln, dynamischen Kontrasten und einem Gespür für schöne Melodien. Und sie sind live eindrucksvoll inszeniert, eingebunden in eine Multimedia-Show mit intelligenten Projektionen und Lichteffekten. Vor allem aber wirken sie quicklebendig und frisch, weil sie mit großer Inbrunst vorgetragen werden: Die vier versierten Instrumentalisten um den Bandgründer und Gitarristen Steve Rothery hängen sich ebenso leidenschaftlich rein wie ihr Frontmann Steve Hogarth (seit 1989).

Gewöhnungsbedürftig bleibt Hogarths nölige Art zu singen, hohe Töne zu pressen und bisweilen zu wimmern wie eine schwindsüchtige Schwalbe. Doch das macht er wett durch sein Charisma, den eindringlichen Vortrag, seinen Mut zum Pathos. Der Mann ist echt eine Schau! Falls seine Stimme eines Tages versagen sollte, steht ihm zweifellos ein neuer Karriereweg offen: als Pantomime.

mac

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