Neues Theater im Zentrum?

Marstall: Jetzt spricht der Resi-Intendant

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Martin Kusej.

München - Kunstminister Ludwig Spaenle  hat Pläne, den Marstall zu einem vollwertigen Theater auszubauen – mit sogar zwei Bühnen. Dazu soll das Residenztheater, das bisher den Marstall als Experimentierbühne und Lagerräume nützt, ein Ausweichquartier erhalten.

Der Vorstoß des Ministers stößt – natürlich – bei Resi-Intendant Martin Kušej (55) auf rege Zustimmung. Aus gutem Grund.

Kušej über …

… das Probenraum-Dilemma und die mögliche Zukunft in Steinhausen:

Es sind für uns im täglichen Theaterbetrieb zwei massive Defizite spürbar: Nachdem wir die provisorischen Probebühnen in der Emma-Ihrer-Straße wegen des Baus des neuen Justizzentrums aufgeben mussten, haben wir mit unseren neuen Probebühnen in der Schwere-Reiter-Straße wieder nur eine provisorische Lösung mit Containerhallen. Die Probenarbeit – Schauspiel ist insbesondere auch eine körperliche Arbeit – ist dort in den Sommer- und Wintermonaten oftmals kaum zumutbar. Wir wünschen uns eine dauerhafte Lösung für die Probensituation und brauchen einen Raum für die Arbeit, die das Junge Resi mit seiner Theaterpädagogik leistet.

Hinzu kommt die Situation unserer Werkstätten, die mit einer gesamten Nutzfläche von 1985 m² für die Arbeit für unsere drei Spielstätten Residenztheater, Cuvilliéstheater und Marstall einfach zu klein sind. Das wird bei Betrachtung der Werkstätten anderer Theater deutlich – so hat das Staats­theater Nürnberg eine Werkstättengröße von ca. 4200 m² und unser Nachbar, die Bayerische Staatsoper, ca. 7500 m². Auch fehlt uns eine Montagehalle, sodass Montagearbeiten durch Schlosserei oder Schreinerei oft im Malsaal durchgeführt werden müssen.

Das neue Gebäude in Steinhausen soll ein Proben- und Werkstättenzentrum sein, das erstens sowohl die provisorische Situation unserer Probebühnen in Containerhallen als auch zweitens den Platzmangel unserer Werkstätten behebt. Dafür ist es drittens notwendig, eine Logistik zu entwickeln, in der die einzelnen Gewerke sich sinnvoll zuarbeiten können, um wirtschaftlich optimale Arbeitsprozesse zu ermöglichen.

… die Notwendigkeit eines neuen Probengebäudes fürs Staatstheater – auf einer Skala von 1 bis 10.

Für uns hat das neue Proben- und Werkstättenzentrum eine sehr hohe Priorität – 10. Diese Baumaßnahme in Steinhausen ist nicht nur für einen zukunftsfähigen laufenden Betrieb notwendig, sondern auch Voraussetzung für den Umbau des Marstalls zu einem Theaterbau mit zwei Bühnen für Residenztheater und Bayerische Staatsoper.

… die Idee zweier Bühnen im Marstall für Bayerische Staatsoper und Bayerisches Staatsschauspiel

Der mit der Sanierung verknüpfte Ausbau des Marstalls zu einem Theater mit zwei Bühnen, die von uns und der Bayerischen Staatsoper paritätisch genutzt werden, begrüßen wir. Damit nutzen wir die einmalige Situation in München und stärken die „Theaterinsel“ mit den Münchner Kammerspielen, Bayerischer Staatsoper und Residenztheater in der Innenstadt.

… die Chancen

Ich bin optimistisch, dass wir den Bau des Proben- und Werkstättenzentrums und die Sanierung des Marstalls weiter vorantreiben und umsetzen können, da wir mit Minister Spaenle und auch meinem Opernkollegen Klaus Bachler an einem Strang ziehen. Die Notwendigkeit des Proben- und Werkstättenzentrums als Voraussetzung für moderne und effiziente Produktionsabläufe ist unstrittig. Mit der Sanierung des Marstalls haben wir die einzigartige Chance, ein Schauspiel- und Musiktheaterareal in der Innenstadt zu schaffen und München als Zentrum für europäische Theaterkultur noch deutlicher zu positionieren. 

Matthias Bieber

Matthias Bieber

E-Mail:Matthias.Bieber@tz.de

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