Konzertkritik

Massive Attack in der Tonhalle: Soundtrack zur Flüchtlingskrise

München - Eindrucksvoll haben Massive Attack aus Bristol mit fünfköpfiger Band und ihren Gastkünstlern am Sonntag ihre legendäre Musik mit politischen Botschaften verknüpft. Ein überwältigender Abend.

Von der Insel Lesvos blickt die junge Frau mit dem Kind auf dem Arm in die Tonhalle. Der Sound zur Katastrophe hat eine dichte Bassline und eine sehnsuchtsvolle Stimme. „Girl, I love you but your loving, it‘s gone“, falsettiert Horace Andy. Eindrucksvoll haben Massive Attack aus Bristol mit fünfköpfiger Band und ihren Gastkünstlern wie Deborah Miller oder den Young Fathers am Sonntag und Montag ihre Musik mit politischen Apellen verknüpft. In Videoprojektionen arbeiten sich die Trip-Hopper an Krieg und Flucht ab. Bisweilen ist das so überwältigend, dass der Sound zur Begleitmusik der Katastrophe gerät. Zu Jupiter gibt‘s banale Gespräche von Drohnenpiloten zu lesen - vermutlich. Dann flimmern fantastische Nationalflaggen, die Staaten mischen und Namen von Global Playern, die als Mitverursache von Hunger gesehen werden. Zwischen den Herzschlägen von Teardrop zerbricht Martina Topley-Bird mit ihrer filigranen Stimme fast. Das kathartische Angel kommt weniger laut und weniger leise daher als auf der legendären „Mezzanine“-Platte, dafür wird durchgehend geheadbangt. Denn bei einigen Stücken schweigt die Leinwand erholsame Minuten, die Sänger sind durch einen Spot von oben in göttliches Licht getaucht. Nach zwei bedrückend schönen Stunden blitzen die Flucht-Fotos von Giles Duley nochmal auf: Auch die junge Frau mit dem Kind fleht wieder um Hilfe. Ob der verstörenden Intensität dieses Abends ist wegschauen unmöglich.

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