Erstes Buch veröffentlicht

Miroslav Nemec: Neuland für den Tatort-Kommissar 

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Hat gut lachen: Miroslav Nemec im Interview. Seit 25 Jahren ermittelt er als Kommissar Ivo Batic im Münchner „Tatort“. Und nun schreibt er auch – sein Krimi-Debüt ist seit dieser Woche in den Buchhandlungen zu haben.

München - „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec spricht über seinen gerade erschienenen Kriminalroman „Die Toten von der Falkneralm“.

Zwei Jahre hat es gedauert – von der Idee bis zum fertigen Buch. Jetzt liegt der Roman „Die Toten von der Falkneralm“ (Knaus-Verlag, 256 S.; 19,99 Euro) bei den Buchhändlern, und Schauspieler Miroslav Nemec ist stolz auf sein Krimi-Debüt. Ausnahmsweise muss der Münchner „Tatort“-Kommissar den Toten nicht hinterherhecheln, sondern platziert sie als Autor dort, wo er sie gerne haben mag. In einem Berghotel, durch einen Sturm abgeschnitten von der Außenwelt, erlebt der echte Miro Nemec ein „mörderisches Wochenende“, bei dem er zum Ermittler wider Willen wird.

Seit dieser Woche liegt Ihr erster Kriminalroman in den Buchläden. Was ist das für ein Gefühl?

Ein bisschen kenne ich das schon, weil ich ja bereits meine Biografie „Miroslav Jugoslav“ geschrieben habe. Aber ein Roman ist schon noch eine größere Nummer, und dass ich im September das Münchner Krimifestival eröffnen darf, finde ich natürlich aufregend.

Sie sind Schauspieler und Musiker – wie kamen Sie auf die Idee, einen Krimi zu schreiben?

Ich kenne den Verleger des Knaus-Verlags schon lange. Und bei einem unserer Treffen, bei denen wir Spaziergänge durch die Berge unternommen haben, entstand die Idee einer erweiterten Biografie, die dann über Umwege zur Krimi-Idee führte. Ich fand das Konzept reizvoll, weil ich selbst der Erzähler bin und weil ich mit der Bekanntheit spielen konnte, die mir täglich begegnet, wenn mich die Leute auf der Straße als Batic oder Herr Kommissar anreden. Deswegen gibt es ja auch schon ein Soloprogramm von mir mit dem Titel „Der Nemec hinter dem Batic“.

In „Die Toten von der Falkneralm“ wird also der echte Miro Nemec mit einem Verbrechen konfrontiert. Der Fall ist Fiktion, aber Ihre Gefühle, Gedanken und erzählten Erlebnisse stimmen, oder?

Nicht alle. Es gibt erfundene Geschichten, übertriebene Geschichten und viele Dinge, die tatsächlich stimmen. Letzteres sind hauptsächlich die Sachen, die mit meiner Familie oder mir persönlich zu tun haben. Nach dem Schreiben bekam ich schon Manschetten, weil wenn man’s schreibt, ist es anders, als wenn man es dann später laut liest. Da wirken die Erzählungen manchmal schon recht privat. Deshalb habe ich auch manches wieder rausgenommen.

Was zum Beispiel?

Na ja, Menschen, die mit mir das erste Mal unterwegs sind, sind oft erstaunt, wenn sie merken, wie oft ich auf der Straße angesprochen werde. Wenn man aber diese Erlebnisse im Buch schildert, dann kommt das wahnsinnig eitel rüber, obwohl es tatsächlich passiert. Und das wollte ich nicht.

„Die Toten von der Falkneralm“ ist ein Kammerspiel. Ein Sturm schließt Sie und die übrigen Gäste bei einer Lesung in einem Hotel ein. Haben Sie so etwas schon erlebt?

Ähnliche Situationen. Ich war schon in Sturmnächten auf einem Segelboot. Das hatte auch eine klaustrophobische Komponente. Oder einmal saß ich in einem Flugzeug, das nicht starten konnte, weil das daneben gekapert worden war. Aber die Grundidee ist natürlich an Agatha Christie angelehnt, von der ich ein großer Fan bin. Ähnlich wie bei „Mord im Orient-Express“ ging es mir darum, eine Situation herzustellen, in der sich alles auf einen Ort konzentriert, der eine gewisse Zeit vom Rest der Welt abgeschnitten sein kann.

Beim „Tatort“ gibt es viele Verantwortliche für den fertigen Film – der Roman ist allein Ihr Werk. Wer das Buch kritisiert, kritisiert Sie persönlich. Fürchten Sie sich davor?

Nein, ich fürchte mich nicht. Ich muss einfach auf die Reaktionen warten. Außerdem muss ich widersprechen: Ich bin zwar beim „Tatort“ nicht zuständig fürs Buch, für den Schnitt oder die Regie, aber wenn der „Tatort“ jemandem nicht gefällt, dann sagt er zu Udo und mir: „Ihr habt’s uns nicht gefallen.“ Da übernehme ich doch gerne die Verantwortung für etwas, das meins ist.

Haben Sie in den Drehpausen geschrieben?

In den Drehpausen ist dafür keine Zeit. Es gab aber ein paar kleine Auszeiten in Kroatien. Und im Grunde kommen die Einfälle in allen Lebenslagen. Ich habe ein Aufnahmegerät, das ich intensiv genutzt habe, weil ich gerne spreche. Manches habe ich auch notiert. So entstand eine Stoffsammlung. Und ich hatte jemanden, der das abgeschrieben und in Form gebracht hat. Denn mein Geschäft ist es, Geschichten zu erzählen – das kann ich, und das interessiert mich.

Wie muss man sich den schreibenden Miroslav Nemec vorstellen?

Meistens habe ich drehfreie Vormittage genutzt, an denen meine Tochter im Kindergarten war. Da hatte ich dann die Ruhe, mich an den Text zu setzen. Oder ich kam am späten Abend und in den Nächten zum Schreiben. Als Musiker kenne ich das vom Komponieren – man merkt schnell, ob die Kreativität fließt oder ob nichts geht.

Der vollständige Titel lautet „Die Toten von der Falkneralm – mein erster Fall“. Heißt das, dass ein zweiter folgen wird?

(Lacht.) Das kann man so verstehen, dass es weitergeht – also im kommerziellen Sinne. Man kann es aber auch als das verstehen, was es ist: mein erster Fall. Also der Kommissar Batic, der ich nicht bin, hat im „Tatort“ schon viele Fälle gelöst. Aber für mich, Miroslav Nemec, ist es der erste.

Die Lesung auf dem Münchner Krimifestival von Schauspieler Miroslav Nemec findet am 10. September ab 20 Uhr im Münchner Circus Krone statt. Kartenreservierungen sind per Mail an krimifestival@t-online.de möglich.

Das Gespräch führte Astrid Kistner

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