tz und Münchner Merkur

Mit Wepper und May: Krimifestival im Pressehaus

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Die Alte Rotation wurde zum Verhörzimmer. Von links die Killer-Akteure Fritz Wepper, Michaela May und Detlef Bothe (r.) mit Profiler Stephan Harbort (2.v.r.)

München - Hier, wo einst die Druckerschwärze für dunkle Akzente sorgte, gab es am Donnerstag Blicke in die Abgründe der Seele. In der Alten Rotation von tz und Münchner Merkur wurde im Rahmen des Münchner Krimifestivals eine neue TV-Serie vorgestellt: Protokolle des Bösen.

„Das Sterben ist verlängert worden, nicht das Leben“, sagt Michaela May in der Rolle der Marianne Löhr kurz und resigniert. Sätze zum Fürchten, wenn man bedenkt, wer sie spricht: eine Krankenschwester, die mindestens sechs Schwerkranke ermordet hat. Keine Frage: In der Alten Rotation unseres Pressehauses konnten am Donnerstag zart besaitete Gemüter schon ins Rotieren kommen, aber andererseits war’s einfach zu packend, zu schaurig-schön, um nicht fasziniert zu sein von den Mördern, die unter uns weilten – oder besser: den Top-Schauspielern, die in die Rolle von wahren Tätern schlüpften. Das Prinzip des neuen TV-Serienformats auf dem Sender A&E: Verhörprotokolle des ¬Profilers Stephan Harbort mit Serienmördern werden von Harbort als er selbst und wechselnden deutschen Akteuren nachgespielt, die in die Rolle der schwarzen, gestrandeten Seelen schlüpfen. Und das mit Leidenschaft, wie man anhand von zwei Filmen der Reihe sehen konnte. Alle Folgen, alle Termine lesen Sie in den Kästen unten. Die erste Folge wird am 24.9. ausgestrahlt. Es ist eine Gratwanderung, die A&E hier macht – klar, das Ganze braucht Grusel-Kitzel. Aber an den beiden unreißerischen Halbstündern konnte man sehen, dass man wirklich Einblicke in die Schattenseiten menschlicher Seelen erhalten kann, in die so unterschiedlichen gescheiterten Existenzen. Das Publikum – gefesselt, ganz ohne Handschellen. Wozu auch die Atmosphäre der Halle beitrug, die die Akteure wie Michaela May („tolle Location, wie geschaffen für Lesungen“) und Detlef Bothe („fantastisch, gute Energie“) über den grünen Klee lobten. Und der Profiler selbst? Fühlt der sich nicht überrollt von den Profi-Mimen? „Anfangs hatte ich schon Bedenken – aber alle waren zufrieden. Inklusive mir“, lacht Stephan Harbort. Weitere Folgen? Kann gut sein, A&E ist mit Harbort im Gespräch. Drehzeit pro Folge: gerade mal ein Tag. Essenz.

Das sagen die Akteure über ihre Killer-Rollen

Michaela May: Die 64-jährige Münchner Star-Schauspielerin verkörpert Marianne Löhr („Der Todesengel“) – eine Krankenschwester, der sechs Tötungsdelikte an Schwerstkranken nachgewiesen werden konnte. Ihr Motiv sei nicht Mitleid gewesen, sondern Allmachtsfantasien. Urteil: lebenslänglich. May: „Die Beweggründe und Aussagen dieser Frau erfordern ein sensibles Einfühlen und die Suche nach einer möglichst glaubhaften Darstellung, eine Erforschung all ihrer Lebensumstände. Eine so realistische Situation gibt es in fiktiven Filmen nie. Das hat mich gereizt, Marianne Löhr zu spielen.“ (8.10., 21.50 Uhr auf A&E)

Uwe Ochsenknecht: Der Münchner Schauspieler und Sänger (60) spielt Daniel Küster, dessen Leben von Drogen, Alkohl und Gewalt geprägt war. Mit 21 Jahren erwürgte Küster drei Rentnerinnen und raubte sie dann aus. Motiv: Geld für seinen Drogenkonsum. Nach 20 Jahren hinter Gittern kam er frei und mordete erneut. Urteil: lebenslänglich und Sicherheitsverwahrung. Ochsenknecht: „Für mich ist es wichtig zu wissen, dass diese Texte tatsächlich von der Person, die diese Morde begangen hat, gesagt wurden. Das macht die Darstellung der Person nicht unbedingt einfacher, weil zum Beispiel manche schreckliche Situation völlig emotionslos wiedergegeben wird. Das sind Facts, und die muss man umsetzen.“ (24.9., 21.50 Uhr, A&E)

Sven Martinek: Der Magdeburger Schauspieler (52) ist als Frank Kuhlmeyer zu erleben, der mit 27 bereits acht Haftstrafen abgesessen hatte. Nach der letzten Entlassung 2001 begann dann seine Mordserie. Beim letzten Mord stach er sein Opfer mit dem Messer nieder, um es dann lebend aufzuhängen. Drei Tage nach der letzten Tat wurde er gefasst. Er zeigt bis heute keine Reue. Martinek: „Die Rolle ist eine große Herausforderung. Diesen Mann für mich griffig zu machen, ihn nicht zu spielen, sondern wahrhaftig für einen Moment er zu sein, das ist mein Anspruch an mich und die Rolle. In dessen Welt einzutauchen, ist für mich eine emotionale Achterbahnfahrt.“ (1.10., 21.50 Uhr, A&E)

Detlef Bothe: Der Braunschweiger (51) ist Schauspieler, Kameramann, Regisseur, Produzent und Drehbuchschreiber. Er verkörpert den Sexualmörder Johann Fischer, der in der DDR zu lebenslang verurteilt wurde und nach dem Mauerfall amnestiert wurde. Er beging erneut drei Vergewaltigungen und Morde, später ließ er drei weitere Frauen laufen – warum, weiß niemand. Urteil: lebenslänglich. Bothe: „Die Intensität des Kammerspiels, das die Interview-Szenen von Protokolle des Bösen auszeichnet, schafft für einen Schauspieler traumhafte Bedingungen. So etwas wird einem selten angeboten.“ (15.10., 21.50 Uhr auf A&E)

Fritz Wepper: Der Münchner Schauspieler (75) brilliert als Joachim Stein. Er ermordete brutal zwei Frauen, auf seiner Flucht noch einen Mann und verletzte später im Gefängnis zwei Mithälftlinge lebensgefährlich. Bis zu seinem Tod 2003 saß er in Sicherungsverfahrung. Kriminalist Harbort erinnert sich: „Es war das einzige Gespräch mit einem Serienmörder, in dem mich das sprichwörtliche Böse förmlich angesprungen hat.“ Wepper: „Die Darstellung dieses Mörders und Psychopathen ist eine der größten Herausforderungen meiner bisherigen schauspielerischen Laufbahn. Seine Taten gehören zu den schlimmsten, die man sich vorstellen kann. Kein Autor, den ich kenne, kann solch authentisches und zugleich unglaubliches Material vorlegen.“ (22.10, 21.50 Uhr, A&E)

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