Felix Rodewaldt

Münchner macht Tape Art: Die Kunst zu kleben

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Auf der Stufe zum Erfolg: Felix Rodewaldt verleiht dem Treppenhaus des Clubs „Hearthouse“ ein Fischgrätenmuster.

München - Felix Rodewaldt ist Künstler. Mit Malerei oder Skulpturen hat der 27-Jährige Münchner allerdings wenig im Sinn. Rodewaldt macht „Tape Art“, zu deutsch „Klebeband-Kunst“. Was dahinter steckt und was ihn antreibt, das hat er im Gespräch mit dem Münchner Merkur verraten.

Hypnotisch: Im Dachstuhl-Büro der Berliner Firma Soundcloud klebte lange Zeit dieses Rodewaldt-Werk.

Bei manchen Künstlern ist es der Bleistift, andere schwören auf ihre Pinsel. Felix Rodewaldt hat eine andere Allzweckwaffe: Klebeband. Wo andere sich schon schwer tun, ein Paket sauber zuzukleben, schafft es der 27-Jährige, mit PVC-, Krepp- oder Gewebeband ganzen Wänden eine weitere Dimension zu verleihen. Er beklebt sie großflächig und denkt sich dafür immer wieder neue Muster aus. „Mit meiner Kunst verändere ich den Raum und schaffe Bewegung“, sagt Rodewaldt. Seine Werke sind oft kunterbunt, mindestens jedoch zweifarbig, und bestehen fast immer aus geometrischen Mustern. „Ich kann schlecht malen“, erklärt er und lacht. Bei Tape Art stehe ein mathematischer Aspekt im Vordergrund, das komme ihm entgegen. Seinen Kunden gefällt’s. Unter anderem hat Rodewaldt schon Aufträge vom Bezahlsender Sky, der Messe Bauma oder der Stadt bekommen.

Kreuz und quer: Zusammengesteckt ist diese Installation, hier bei einer Ausstellung im spanischen Barcelona.

Dabei arbeitete der ehemalige Student der Kunstakademie München ursprünglich in einem ganz anderen Medium. Früher machte er sogenannte „Stencils“, also Graffiti, das mit Hilfe von Schablonen gesprüht wird. „Das hat mit meinem Patenonkel angefangen“, erinnert sich Rodewaldt und lacht. „Er hat mich gefragt, ob ich ein Porträt des berühmten Jazz-Gitarristen Django Reinhardt auf seinen Kombi sprühen könnte.“ Konnte er. Und die Liebe zur Graffiti-Kunst war geweckt. Irgendwann sei dort für ihn aber die Luft raus gewesen, so Rodewaldt. „Es war Zeit für etwas Neues.“

Zu dieser Zeit, im Jahr 2009, arbeitete er gerade an seiner „Probewand“ für die Kunstakademie. „Das müssen dort alle Studenten nach dem ersten Semester machen, als Probe ihres Könnens.“ Da sei ihm die Idee gekommen: Wieso nicht kleben?

Felix Rodewaldt fackelte nicht lange. Er kontaktierte das Allgäuer Klebeband-Unternehmen Monta und schlug ein gemeinsames Projekt vor. „Das fanden sie gut. Sie mochten die Idee, dass ich mit dem Band als solches, das sonst oft als Wegwerf-Produkt angesehen wird, Kunst schaffen wollte.“ Monta stellte ihm eine Kiste zur Verfügung, voller Klebematerial in den verschiedensten Farben und Breiten. Und Rodewaldt sammelte seine ersten Erfahrungen mit Tape Art. Das Diplom der Kunstakademie hat er seit Februar in der Tasche. Seine Abschlussarbeit war übrigens nicht Tape Art. In den Parkettboden eines leer stehenden Raumes in der Akademie schliff er ein hypnotisches Kreismuster, einem Fingerabdruck nicht unähnlich.

Abgefahren: Eine von Rodewaldt verschönerte Planierraupe. Zu sehen auf der Messe „Bauma“.

Heute ist die Klebekunst sein Beruf. An Auftraggebern mangelt es ihm nicht. Zuletzt beklebte Rodewaldt den Aufgang zum „Hearthouse“, einer Kreuzung aus Club und Bar am Lenbachplatz. Dessen Treppenhaus war zuvor schmucklos und dunkel – wenig einladend also. Rodewaldt wusste Abhilfe zu schaffen. Heuer ziert ein schwarz-weißes Fischgrätenmuster die Wände des Treppenhauses. 2,5 Kilometer Klebeband hat er dafür gebraucht, und mehr als nur ein paar Nächte Arbeit. „Letztens habe ich von 16 bis 6 Uhr gewerkelt“, sagt der 27-Jährige. Bei der Arbeit höre er gerne Musik. „Querfeldein, zur Zeit vor allem elektronische Musik.“

Rodewaldt ist selbstständig, muss also vom Internetauftritt bis zur Bestellung der Materialien alles selbst machen. „Das finde ich nicht schlimm“, sagt er. „Ich habe meinen Spaß dabei.“ Allein von der Freude könne er aber natürlich nicht leben. Konkret will sich der Klebekünstler zu seinem Honorar nicht äußern, er arbeite halt von Auftrag zu Auftrag. Und viel wichtiger als das Geld sei ihm ohnehin, sich treu zu bleiben. „Wenn ich etwas machen soll, was mir überhaupt nicht gefällt, sage ich halt einfach nein.“

Zur Graffiti-Szene habe er nach wie vor gute Kontakte, verrät Felix Rodewaldt. „Einige Freunde von mir, die Graffitis machen, nutzen meine Tape-Arbeiten als Grundlage für ihre Stencils.“ Daher betrachtet er seine eigenen Werke auch immer ein wenig als farbige Schablone für die Arbeiten seiner Künstler-Freunde.

Sabrina Höbel

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