Interview

Münchner Sängerin Ami: „Meine Stimme ist mein Geschenk“

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Sie bringt eine neue, spannende und vielversprechende Farbmischung in die Musik: Die Münchnerin Ami, die jetzt ihr zweites Album veröffentlicht hat.

München - Gerade mal 20 ist Amira Warning – und doch schon fast ein alter Hase im Musikgeschäft. Jetzt ist „Seasons“, das zweite Album der Münchnerin, erschienen. Trotz nachdenklicher Texte und mitunter melancholischer Musik ist Ami, wie sie sich als Künstlerin nennt, eine fröhliche Gesprächspartnerin, die oft lange nachdenkt, bevor sie antwortet.

Aktuell ist deutschsprachige Popmusik sehr erfolgreich. Sie singen Englisch. Haben Sie je darüber nachgedacht, das zu ändern?

Das ist tatsächlich gerade ein Thema. Ich habe eben zum ersten Mal ein Lied auf Deutsch aufgenommen. Es war bislang einfach so, dass ich dachte, mit deutschen Texten legt man sich fest, während englische Lieder einem mehr Möglichkeiten offen lassen. Aber es beschäftigt mich auf jeden Fall. Ich würde jetzt nichts ausschließen.

Wie oft hören Sie, dass Ihre Stimme sehr nach Tracy Chapman klingt?

Oft. Ich mag ihre Musik sehr. Meine Eltern haben sie häufig gehört, als ich jung war. Es freut mich, wenn die Menschen Ähnlichkeiten sehen, denn die Frau ist der Hammer.

Sie exponieren Ihre Stimme ja ähnlich furchtlos und flüchten sich nicht in überladene Arrangements.

Ich glaube, in meiner Musik ist meine Stimme die größte Stärke. Deswegen haben wir sie bewusst in den Vordergrund gestellt. Meine Stimme ist mein größtes Geschenk.

Sind die Menschen überrascht, wenn Sie live auftreten, weil Sie jünger sind, als Sie klingen?

Es gibt öfter den Moment, dass ich zu singen anfange, und alle denken: „Uups?“

Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie eine besondere Stimme haben?

Das war so mit 16. Da habe ich bemerkt, dass es mir Spaß macht. Ich bin zum ersten Mal in ein Studio, und Schritt für Schritt ging es dann in Richtung Sängerin.

"Meine Songtexte sind wie ein Tagebuch für mich"

Ihr Vater Wally Warning ist selbst Musiker. Hat er Sie unterstützt oder wollte er verhindern, dass Sie diesen Weg einschlagen?

Dadurch, dass mein Vater selber diesen Weg gegangen ist und glücklich damit ist, war klar, dass mich meine Familie unterstützt.

Fragen Sie ihn um Rat?

Bei einigen Dingen. Bei anderen tue ich etwas gegen seinen Rat, weil ich glaube, dass ich manche Erfahrungen selber machen muss, obwohl sie vielleicht in dem Moment nicht angenehm sind.

Viele Menschen in Ihrem Alter wissen nicht, was sie machen sollen, während Sie schon voll eingespannt sind ins Berufsleben. Vermissen Sie etwas?

Mir ist schon sehr bewusst, dass das, was ich gerade mache, eine einzigartige Gelegenheit ist. Ich wäre doch bescheuert, wenn ich sagen würde: Ich mache lieber ein bisschen Urlaub und finde mich selbst.

Sie wirken wie ein fröhlicher Mensch, aber Ihre Texte sind melancholisch. Wie passt das?

Es ist oft ein Verarbeiten von Dingen, die einen beschäftigen. Und das hat häufig einen traurigen Beigeschmack. Die Texte sind im Grunde eine Art Tagebuch für mich.

Wie wichtig ist Ihnen Kontrolle über Ihre Musik?

Ich arbeite ja mit meinem Vater und dem vertraue ich. Aber ich bin natürlich immer mit dabei. Ich sage, wenn mir etwas gut gefällt oder wenn ich etwas nicht gut finde. Und ich merke gerade: Je mehr man weiß, desto unabhängiger kann man sein. Und das ist wahnsinnig wichtig als Künstler. Man badet aus, was schiefläuft, und deswegen muss man auch lernen „Nein“ zu sagen, wenn einem etwas nicht gefällt.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

Konzerttermine:

Ami spielt am 17. Juni im Münchner Milla (Karten unter Telefon 089/ 54 81 81 81).

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