Deutschland sucht den Klassik-Superstar

Musikwettbewerb der ARD in München startet

+
Das Tuuli Quintet mit chinesischen, finnischen, lettischen und spanischen Bläsern.

München - Vorhang auf und Ohren frei! Ab Montag geht der Internationale Musikwettbewerb der ARD in seine 63. Runde.

Und auch heuer können Sie wieder gratis oder für wenig Geld die Klassik-Stars von morgen hören – hier, wo etwa Sol Gabetta, Jessye Norman oder Thomas Quasthoff ihre Karriere starteten. Deutschland sucht den Klassik-Superstar!

Bis 2016 ist die Zukunft dieser renommierten Einrichtung in München gesichert, teilte der Künstlerische Leiter Axel Linstädt am Donnerstag mit. Das Budget liegt am unteren Limit von 740 000 Euro. Weniger gehe nicht, so Linstädt, der froh ist, dass der BR immer wieder bei Engpässen aushelfe.

Und die gibt es natürlich auch heuer. Schließlich werden ab Montag neben Klavier, Cello und Bläserquintett auch die Perkussionisten geprüft, und die brauchen bis zu 100 Instrumente! Gerade das Genre des Schlagwerks, sagt das Jurymitglied Wilfried Hiller, habe sich „in den vergangenen 50 Jahren unglaublich entwickelt. „Das, was ich vor Jahrzehnten als Abschlussprüfung spielen musste, ist heute ein Aufnahmestück.“

International: Das ist dieser Contest wahrhaftig, an dem junge Musiker aus fünf Kontinenten teilnehmen. 89,8 Prozent aller Bewerber kommen aus dem Ausland, die meisten aus Süd­korea, wo von 117 Bewerbern 52 den Weg nach München antreten dürfen. Es folgt Deutschland mit 51, Frankreich mit 32 und Japan mit 31 Preisverdächtigen. Damit bei der Vorauswahl nicht getrickst wird, bekommen die insgesamt 40 Juroren keine Namen, sondern nur Nummern. Dann hören die Fachleute aus jeder Kategorie – darunter Philippe Entremont (Klavier), Daniel Müller-Schott (Cello), Peter Sadlo (Schlagzeug) und Wolfgang Meyer (Bläserquintett) – die eingesandten Bänder ab und filtern aus.

Amüsante Randnote: Der Sound der zugesandten Einspielungen reicht von professionellem Tonstudio bis zu knarzendem Wohnzimmer. Damit die Chancen der Musiker – unabhängig von ihrer finanziellen Situation – halbwegs gleichgewichtig sind, kümmert sich ein eigener BR-Tontechniker darum, die hervorragenden Bänder etwas schwächer zu machen und die schlechten etwas besser, erklärt Leiter Linstädt.

Das Geheimnis des Erfolgs begründet der Chef so: „Es gibt viele Preise, die höher dotiert sind als der ARD-Musikwettbewerb. Aber wo hat man schon die Chance, mit dem besten Orchester Deutschlands – neben den Berliner Philharmonikern – und einem der besten Orchester der Welt zu musizieren?“ Den BR-Symphonikern nämlich. Das sei eine tolle Visitenkarte für die weitere Karriere.

Der ARD-Wettbewerb meldet einen Anstieg der Bewerbungen um sagenhafte 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und 50 Prozent mehr Zulassungen. Die Preisgelder betragen heuer insgesamt über 170 000 Euro.

Ab dem Semifinale (Artikel unten) gibt’s einen Live-Videostream unter www.ard-musikwettbewerb.de, das Preisträgerkonzert am 19. September wird vom Fernsehen aufgezeichnet. Ab 1. September gibt’s täglich auf ­Radio BR-Klassik Infos in Allegro, Leporello und Piazza. Und jetzt: Vorhang auf, Ohren frei!

M. Bieber

Alle Termine und Orte zum diesjährigen Musikfestival

Klavier: 1. und 2. Durchgang vom 4. bis 9. 9., Carl-Orff-Saal (Gasteig) ab 10 Uhr. Semifinale 11. 9. ab 16 Uhr mit dem Münchener Kammerorchester (MKO) im Prinzregententheater, Eintrittskarte. Finale 14. 9. um 16 Uhr mit den BR-Symphonikern, Herkulessaal.

Cello: 1. und 2. Durchgang vom 2. bis 7. 9. ab 10 Uhr, BR-Studio 1 (Rundfunkplatz), Semifinale am 9. 9. ab 16 Uhr mit dem Münchener Kammerorchester, Prinze. Finale am 12. 9., 18 Uhr (Herkulessaal).

Schlagzeug: Die beiden Durchgänge vom 1. bis 5. 9. ab 11 Uhr in der Musikhochschule, Semifinale 7. 9. ab 16 Uhr (Großer Saal, Arcis­str.), Finale 10. 9. um 18 Uhr mit den BR-Symphonikern (Herkulessaal).

Bläserquintett: 1. und 2. Durchgang 2. bis 7. 9. ab 11 Uhr, Semifinale am 10. 9. um 12 und 17 Uhr (Musikhochschule), Finale am 13.9. ab 16 Uhr (Prinze).

Die Durchgänge 1 & 2 sind kostenlos, alle übrigen Konzerte kosten zwischen 6 und 34 Euro, Karten-Tel. 54 81 81 81. M.B.

Aus ihnen wurden Weltstars

Der ARD-Musikwettbewerb war schon für viele Künstler der Startschuss zu einer glänzenden Klassik-Karriere. Das vielleicht prominenteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die 32-jährige argentinische Ausnahme-Cellistin Sol Gabetta, die 1998 einen dritten Preis erhielt. Der deutsche Super-Schlagzeuger Peter Sadlo konnte sich 1985 über einen ersten Preis freuen. Und die japanische Mozart-Spezialistin Mitsuko Uchida, eine der führenden Pianistinnen der Welt, nahm 1966 einen dritten Preis mit nach Hause.

Weitere Hochkaräter in Kategorien, die heuer nicht geprüft werden, sind u. a. die Sänger Francisco Araiza, Thomas Quasthoff und Jessye Norman, der Dirigent Christoph Eschenbach, der Trompeter Maurice André.

auch interessant

Meistgelesen

Sommernachtstraum 2017: Diese Bands und Künstler sind dabei
Sommernachtstraum 2017: Diese Bands und Künstler sind dabei
Konzertkritik: Xavier Naidoo bringt Bar-Atmosphäre in Olympiahalle
Konzertkritik: Xavier Naidoo bringt Bar-Atmosphäre in Olympiahalle
Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten
Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten
Verdacht: Findet das Rockavaria 2017 überhaupt statt?
Verdacht: Findet das Rockavaria 2017 überhaupt statt?

Kommentare