Auftritt zu Udo Jürgens‘ Ehren

Pepe Lienhard im Interview: „Ganz Große machen kein Gewese um sich“

+
Spielte auch schon für Joachim Gauck: Musiker Pepe Lienhard tritt im Deutschen Theater in München auf. 

München - Pepe Lienhard kommt nach München, um mit einer Hommage seinem verstorbenen Freund Udo Jürgens zu gedenken. Im Interview spricht der Big Boss auch über Frank Sinatra.

Mit 70 Jahren, da swingt sich Pepe Lienhard wie eh und je durchs Leben - wenn auch nicht mehr auf den Riesen-Tourneen des am 21. Dezember 2014 verstorbenen Freundes und Weggefährten Udo Jürgens. Dafür hat der Mann aus der Schweiz etwa unserem Bundespräsidenten zum Tanz aufgespielt („Herr Gauck hat das sehr souverän und gut gemacht auf dem Bundespresseball und sich danach bei meinem Orchester und mir bedankt.“). Im Deutschen Theater gastiert er kommenden Montag mit Swing-Klassikern und einer Hommage an Udo Jürgens. Was der Bigband-Boss der tz über seine nicht nur instrumententechnisch atemberaubende Karriere erzählt.

Herr Lienhard, Sie haben in Ihrer Karriere etwa Frank Sinatra begleitet. War der Sprung zu Udo Jürgens nicht ein Sprung nach unten?

Pepe Lienhard: Wirklich nicht! Gut, am Anfang, als das Angebot von Udos Management kam, war Udo Jürgens für mich noch ein Schlagerfuzzi. Aber das hat sich sehr schnell geändert. Udo Jürgens war nicht nur ein wunderbarer Freund, sondern ein toller Musiker. Wir haben 37 Jahre lang zusammengearbeitet, und ich bewundere etliches an ihm.

Einige Beispiele?

Udo Jürgens.

Lienhard: Udo konnte wunderschöne, süffige Melodien schreiben. Seine Musik geht weit, weit über den Schlager hinaus, auch textlich. Dann hat er eine extreme Performance geliefert, voller Leidenschaft und Intensität. Und, ganz wichtig: Er hatte stets Respekt vor seinem Publikum. Udo war sehr demütig gegenüber seinem Erfolg. Wer glaubt schon, dass er mit 25 einen Hit hat und mit 80 immer noch riesige Hallen füllt? Bei Udo kamen immer neue Fans hinzu. Das waren nie Rentnerkonzerte wie etwa bei James Last - die waren auch schön -, sondern immer neu.

Immer neu waren ja auch die Tourneen. Wie viel Vorbereitungen steckten da drin?

Lienhard: Wir haben stets von vorn angefangen. Rund ein Jahr vor dem geplanten Tourstart saßen wir tagelang zusammen, haben die Stücke diskutiert und die Arrangements. Seine großen Hits hat Udo ja als Medley verpackt, weil er immer seine neuen Songs vorstellen wollte. Stillstand gab es nicht, Udo war extrem professionell.

Stört es Sie nicht, als fabelhafter Musiker mit toller Band immer in der zweiten Reihe gespielt zu haben?

Lienhard: Das ist unser Job! Ich habe das nie als Abstieg empfunden. Auch die Bands von Sinatra oder Quincy Jones spielten die zweite Geige. Das ist selbstverständlich. Und für mich war es ein Glücksfall, Udo kennen­gelernt zu haben. Er war im deutschsprachigen Raum der Größte, und ohne ihn hätte ich die Band nie und nimmer so lange halten können.

Was hat Udo Jürgens eigentlich privat gehört?

Lienhard: Viel Klassik, und beim Jazz habe ich ihn auf dem Laufenden gehalten. Deutschen Schlager hörte er nicht.

Wen wünschen Sie sich für Udo Jürgens auf der Wolke?

Lienhard: Gilbert Bécaud, Charles Aznavour und Frank Sinatra. Gilbert und Udo hatten eine gesunde Konkurrenz, sie waren ähnlich - aber sie hatten auch Spaß zusammen. Mit Frank würde sich Udo wahrscheinlich am besten verstehen. Sie würden entspannt auf der Wolke abhängen, herunter­schauen und sich über Musik und Frauen unterhalten.

Wer würde was trinken?

Lienhard: Udo ein gutes Glas Rotwein - wie wir es am Abend vor seinem Tod noch taten -, und Frank, ganz klar, einen Whiskey.

Wie haben Sie Frank Sinatra eigentlich kennengelernt?

Frank Sinatra.

Lienhard: In Monte Carlo, 1983. Frank hatte seinen eigenen Dirigenten dabei, ich spielte Saxofon und war entsprechend nervös. Am Donnerstag war die erste Probe angesetzt, zwei Tage später Konzert. Und wer sitzt beim ersten Einspielen ein paar Meter entfernt? Frank Sinatra! Er hat sich alles kritisch angehört, ein paar künstlerisch kompetente Vorschläge gemacht - und ich dachte mir das, was ich immer wieder feststelle: Die wirklich Großen machen kein Gewese um sich. Sie nehmen ihren Job und ihre Kollegen ernst.

Wann war Ihnen eigentlich klar, dass Sie Bigband-Leiter werden wollen?

Lienhard: Sehr schnell. Auf dem Pausenhof habe ich angeschafft, wer was zu holen hat. Das Führen wurde mir in die Wiege gelegt. Mit neun hatte ich die erste Kinderband, mit elf bekam ich ein Saxofon, mit zwölf habe ich eine Dixieband gegründet. Mit 15 kam dann mein Schlüsselerlebnis.

Das da wäre?

Lienhard: Ein Konzert von Quincy Jones. Frech wie ich war, besorgte ich mir hinter der Bühne gleich noch ein Autogramm. Mit 17 hatte ich dann meine erste Amateur-Bigband.

Als Bigband-Boss braucht man ja eine gewisse elegante Lässigkeit - als ob das alles selbstverständlich wäre …

Lienhard: Wie beim klassischen Dirigenten läuft fast alles in den Proben ab. Ein Unterschied: Wenn der Beat erst einmal läuft, dann schnurrt er durch. Bei Rhythmuswechseln gebe ich natürlich Einsätze vor, beim Abschlag am Schluss oder bei Einsätzen oder Synkopen. Die würden die Trompeten auch ohne mich machen, aber erstens sieht‘s gut aus, und zweitens ist das auch ein Respekt gegenüber den Musikern. Viele große Klassik-Dirigenten leiten sehr ökonomisch, weil das Orchester genau weiß, was es zu tun hat. Ich empfinde etwaige Pult-Ruderer geradezu als lächerlich. Die so tun, als würde die Welt zusammenfallen, wenn sie nicht einen weit ausladenden Einsatz geben.

Interview: Matthias Bieber

Am Montag swingt die Hütte

Swing live mit einer Hommage an Udo Jürgens heißt es am kommenden Montag, den 14. November, im Deutschen Theater. Pepe Lienhard, seine berühmte Bigband, Sänger und Entertainer beginnen um 19 Uhr und präsentieren neben Udo-Songs Swing-Klassiker von u. a. Count Basie, Glenn Miller, Benny Goodman oder Quincy Jones.
Tel. 54 81 81 81.

auch interessant

Meistgelesen

Guns N' Roses kündigen München-Show an - War's das für Rockavaria?
Guns N' Roses kündigen München-Show an - War's das für Rockavaria?
Sommernachtstraum 2017: Diese Bands und Künstler sind dabei
Sommernachtstraum 2017: Diese Bands und Künstler sind dabei
Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten
Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten
Garretts Geigen-Feuerwerk in der Olympiahalle
Garretts Geigen-Feuerwerk in der Olympiahalle

Kommentare