Die Regisseurin über den Kultfilm - und eine kommende Ausstellung

May Spils im Interview: Zur Sache, Chefin!

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Die Regisseurin (Mitte) mit ihren Hauptdarstellern Werner Enke und Uschi Glas. 

München - Das Schwabing der 60er ist Legende, fest dazu gehört May Spils‘ Film „Zur Sache Schätzchen“. Dem widmet die Pasinger Fabrik bald eine Ausstellung. Wir haben mit Regisseurin aus diesem Ablass gesprochen. 

Spricht man von den 68ern, spricht man von Schwabing. Und dem Film, der das damalige Lebensgefühl auf den Punkt brachte. Zur Sache, Schätzchen ist bis heute ein geflügeltes Wort – und der Film der Startschuss für Uschi Glas’ jahrzehntelange Karriere. 

May Spils auf dem Königsplatz. 

Doch was ist eigentlich mit den anderen? Mit Uschis Filmpartner Werner Enke, mit seiner Partnerin, der Regisseurin May Spils? Was weiß man heute noch vom Film, dessen Titel zum geflügelten Wort geworden ist? Die Pasinger Fabrik widmet dem Kultfilm einer Generation ab 1. Dezember eine Ausstellung. Wir begeben uns in den kommenden Wochen auf Spurensuche und beginnen heute mit unserem Interview mit May Spils (75), der Regisseurin. Zur Sache, Chefin!

Frau Spils, die erste Filmszene ist genial und sagt alles. Ein junger Mann lümmelt sich auf dem Bett, Lärm vor dem Fenster: ein Einbruch! Der Mann schaut sich das an–und geht wieder ins Bett. Wie kamen Sie darauf? 

May Spils: Der Enke und ich (Spils spricht ihren Lebenspartner im Verlauf des Interviews immer mit dem Nachnamen an,d. Red.) haben das aus der Zeitung, da gab es einen ganz ähnlichen Fall. Wir haben überhaupt viele Artikel gesammelt, Enke hatte eine riesige Gagmappe. Dass der Film bis heute so leicht wirkt, liegt wohl daran, dass viel Privates eingeflossen ist: wie Enke und ich miteinander umgegangen sind, wie wir gesprochen haben, die Witze … 

Dabei endete der Film in der U-Version tragisch: Der Hauptdarsteller wird von der Polizei erschossen …

Spils: Ja, ursprünglich sollte Enke sterben. Aber dann passierte das Drama um Benno Ohnesorg, und diese Parallele wollten wir nicht ziehen. Es gibt zum Film also zwei Schlüsse. 

Bereuen Sie die „softe Variante“? 

Spils: Nein, das ist der völlig richtige Schluss bis heute. Ich finde, der Film darf nicht böse enden. Auch wenn die Polizeidamals viel aggressiver,strenger und auch unverschämter war. Heute ist das komplett anders. 

Hat es Sie nicht gereizt, die weibliche Hauptrolle zu spielen? 

Spils: Nein. Ich bin besser hinter der Kamera aufgehoben. Die Uschi machte das mit links, für mich wären Regie und Hauptrolle zu viel gewesen. Ich hatte lieber den Überblick, außerdem konnte der Enke stressig sein. Er hat oft rumgemosert und ab und zu auch mal ein Glas Bier zu viel intus gehabt (lacht). 

Waren Sie mit dem Titel glücklich? 

Spils: Ich fand ihn okay, er hat Charme. Enke hingegen fand ihn ganz unmöglich. Immerhin ist er zum geflügelten Wort geworden, der etwa auch im Bundestag die Runde machte. Wobei ich den Titel nicht aufs Bett bezogen hatte, sondern allgemein: jetzt mal los! Der Enke ist ja der klassische Müßiggänger und Alltagsverweigerer im Film. 

Wie sehen Sie den Streifen heute? Hat sich da was geändert?

Spils: Ich finde ihn eigentlich immer noch ganz flott. Er ist komisch, poetisch und melancholisch. Und bei der Szene, wo Enke im Englischen Garten sagt,dassihm die alten Frauenaufder Bankleidtäten, wird mirheute ganz merkwürdig. Weil ich heute selbst da sitzen könnte. Ich laufe durch Schwabing und sehe noch immer unheimlich viele Leute, die ich von früher kenne, am Stock, mit Rollator. Der Blickwinkel wird im Alter milder. Und die Gesundheit wichtiger als früher. 

Als junger Mensch denkt man daran ja auch als letztes … 

Spils: Wir haben geraucht wie die Schlote, getrunken … wir fühlten uns unsterblich. Das ist so, wenn man jung ist. In meinem Alter sterben so viele Freunde. Wissen Sie was? Ich will seit fünf Jahren ein neues Telefonbuch, mein altes quillt über. Viele Nummern sind drinnen von lieben Menschen, die nicht mehr leben. Aber ich bringe es nicht übers Herz, sie auszustreichen. 

Und wenn Sie wirklich mal ein neues Telefonbuch haben? 

Spils: Dann werde ich ein paar Nummern übertragen. Schluss, aus, basta. Das muss einfach so sein

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