Zum Geburtstag

Robert Redford wird 80: Strahlemann und Sturkopf

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Hollywood-Star Robert Redford bei einem Besuch in München im Jahr 2001.

Los Angeles - Kaum zu glauben: Der US-amerikanische Weltstar, Regisseur, Festivalgründer und Umweltschützer Robert Redford wird heute 80 Jahre alt. Wir gratulieren.

Heute, das darf man vorhersagen, werden Zeitungen auf allen Kontinenten Robert Redford anlässlich seines 80. Geburtstages würdigen. Auch in diesem stolzen Alter ist er ein präsenter Weltstar, den jeder kennt, der weiß, was ein Kino ist. Und das ist an sich ein echtes Wunder. Denn Redford hat sein gesamtes Leben lang sein Glück und seine Karriere sabotiert. In dem kalifornischen Strahlemann steckt ein skeptischer Sturkopf, der nichts lieber tut, als sein Schicksal herauszufordern. Er misstraut seinem Erfolg, seinem guten Aussehen, seinem Talent. Seit jeher. Vielleicht weil er immer unverschämt viel Glück hatte – was jeden intelligenten Menschen nachdenklich machen würde.

„Der große Gatsby“ war Robert Redford 1974; hier mit Mia Farrow als Daisy Buchanan.

Es beginnt schon in der Jugend. Redford wird in einfache Verhältnisse ohne künstlerische Ambitionen hineingeboren. Aber in der richtigen Stadt: Los Angeles. Er sieht gut aus, hat Charisma und ist fotogen. Wie gemacht also für die Filmindustrie, doch Redford haut ab. Ohne Geld oder Fremdsprachenkenntnisse stromert er Mitte der Fünfziger durch Europa, vorgeblich um Kunst zu studieren. Tatsächlich wohl eher aus reiner Abenteuerlust. Und diese Reise habe ihn geprägt, das erzählt er immer wieder. Die Freundlichkeit der Menschen, die vielen verschiedenen Kulturen beeindrucken ihn. Auch in München macht er damals Halt und freut sich über die Leute, die mitten im Winter auf den Straßen feiern und ihm Drinks spendieren. Es ist gerade Fasching, wird er später schwer verkatert erfahren.

Dass die Menschen in Deutschland wenige Jahre nach Kriegsende so nett zum ehemaligen Feind sind, die verbündeten Franzosen hingegen fast feindselig, das gibt ihm zu denken. Er merkt, dass er nichts über die Welt, Politik und Geschichte weiß. Bis auf die Knochen abgemagert, kehrt er in die USA zurück, will nun doch Schauspieler werden und beginnt, sich politisch zu engagieren. 1969 wird er mit dem Edelwestern „Zwei Banditen“ über Nacht zum Superstar und Sexsymbol. Redford ist beunruhigt und flüchtet in die Berge Utahs, ist mitunter für Wochen nicht zu erreichen und widmet sich dem Hausbau und seiner Familie.

In „Picknick mit Bären“ ist 2015 der alte Robert Redford (li.) mit Nick Nolte unterwegs.

In Hollywood verwünschen sie den Eigenbrötler und laufen ihm doch nach. Redford macht sich einen Namen als Stinkstiefel, der grundsätzlich nie das tut, was man von ihm erwartet. Dennoch wird er eine große Nummer. Womöglich sogar genau deswegen. Die Siebzigerjahre werden ein einziger Triumphzug, auch weil Redford oft Mut hat und auf unbequeme Projekte wie „Die Unbestechlichen“ oder „Die drei Tage des Condor“ setzt. Er riskiert oft viel dafür und fällt oft auf die Nase. Aber er ist eben auch ein notorisches Glückskind und landet immer wieder Riesenerfolge. 1980 holt er mit seinem Regiedebüt „Ordinary People“ gleich einen Regie-Oscar und inszeniert weiter kluge, ungewöhnliche und immer wieder sehr beliebte Filme wie „Der Pferdeflüsterer“.

Das Geld investiert er in Land in Utah, um zu verhindern, dass es kommerziell genutzt wird, dazu in ein mittlerweile weltberühmtes Festival für unabhängig produzierte Filme und einen Fernsehkanal für Dokumentationen. Der passionierte Porschefahrer ist häufig hoch verschuldet, Anfang des Jahrtausends steht er vor der Insolvenz. Aber Widerstand stachelt Redford an, er bleibt dran und liefert 2013 mit „All is lost“ eine seiner besten Leistungen überhaupt ab. Er hat seit geraumer Zeit Frieden mit dem Altern gemacht, aber es war ein zähes Ringen. In den Neunzigerjahren kommt es öfter mal zu unschönen Szenen mit Kameramännern, wenn es um Brennweiten und Beleuchtung geht, die ihn alt aussehen lassen. Redford hat das überwunden und ist nun mit diesem fantastisch verwitterten und dennoch attraktiven Gesicht eine Ikone des Kinos.

Mit Auftritten in Blockbustern wie „Captain America“ verhindert er heutzutage die Pleite und widmet sich ansonsten seinen Umweltprojekten. Ein unbequemer politischer Kopf ist er geblieben und – jeder, der ihn einmal getroffen hat, kann es bestätigen – eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit. Möge er noch lange widerborstig und unberechenbar bleiben. Solche Männer werden immer gebraucht.

Zoran Gojic

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