Doro und Co. heizen ein

"Rock meets Classic" in der Olympiahalle - ein wahres Spektakel

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Doro Pesch röhrte die Zuschauer in der Olympiahalle ins Delirium.

München - Manchmal hat man unverschämtes Glück. Wenn man beispielsweise bei Rock meets Classic mitten in einer Gruppe junger Flüchtlinge sitzt. Irgendjemand hatte die berückende Idee, den Burschen westliche Kultur in Form eines Rockkonzerts näherzubringen.

Und obwohl ihnen offenkundig weder die Bands noch die Lieder ein Begriff sind, reagieren sie instinktiv auf das, was da in der fast halbleeren Münchner Olympiahalle passiert. Fast wie ein kollektiver Seismograph erfassen sie, wenn gerade etwas Großartiges geschieht. Im Grunde das ehrlichste und schönste Kompliment für die Künstler auf der Bühne.

Wenn etwa Midge Ure den Ultravox-Klassiker Hymn so leidenschaftlich singt, als ginge es um sein Seelenheil, springt der Funke kulturübergreifend sofort über. Wie Midge Ure, der selbst ernannte „Prinz Schottlands“, ohnehin die Glanzlichter des Abends setzt. Die Musik von Ultravox war ohnehin schon episch angelegt, da passt die orchestrale Begleitung wie die Faust aufs Auge. Das Bohemian Symphony Orchestra Prague ist versiert und fügt sich mühelos an die jeweiligen Klangbilder der auftretenden Bands ein. Wenn dazu die richtigen Songs kommen, ergibt das wirklich bestechende Momente. So, als Kansas-Sänger Steve Walsh Dust in the Wind so schön vorträgt, dass es fast wehtut.

Damit das funktioniert, müssen die Künstler freilich mehr tun, als routiniert Nostalgie zu bedienen. Man kann bei den sieben Sängern leicht erkennen, wer Lust hat, den Auftritt im großen Saal zu genießen. Die kleine Doro Pesch röhrt mit gewaltiger Verve den Saal ins Delirium. Die Herren von Thin Lizzy hingegen sind in Gedanken erkennbar schon bei der Minibar ihres Hotels.

Die neue Idee, die einzelnen Sänger auch miteinander agieren zu lassen, hat Charme. Und dem exzellenten Orchester könnte man statt beliebiger Klassik-Intermezzi ruhig noch mehr Raum in den Arrangements einräumen. Das ist oft spannender als abgenudelte Rock-Gitarrensoli. Welche Wirkung das Orchester entfalten kann, zeigt sich im Finale, als es die eher lauwarmen 80er-Hardrock-Nummern von Europe gekonnt zu Bombast-Opern aufbläst. Da nimmt man dann auch hin, dass Fönlocke Joey Tempest komplett ironiefrei immer noch auf Leder-Macker macht. Es hat Spaß gemacht. 

Zoran Gojic

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