Konzertkritik

Suicidal Tendencies bei Rockavaria: Das Gegenteil von Metal

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Suicidal Tendencies brachten die Massen zum Pogen.

München - Suicidal Tendencies lieferten auf dem Rockavaria 2016 wieder ein starkes Stück ab. Vor allem Sänger Mike Muir bleibt in Erinnerung. Die Konzertkritik.

Um das, was Mike Muir und seine Bande (musikalischer) Schwergewichte da auf der Bühne treiben zu verstehen, muss man einen Blick auf das Kalifornien der Achtziger werfen: Skateboarding ist der neue heiße Scheiß und die Gründungs-Riege der Suicidal Tendencies tut beinahe nichts anderes. Außer sich zu überlegen, was für ein Soundtrack zum neuen Extremsport passen würde. Klar, schnell und adrenalingeladen musste es sein, hart und laut. Also kombinieren sie schnellen Punkrock mit der Schärfe von Funk und der Härte von Metal – Skatepunk ist erfunden und wird von der Band weiter zum Skatecore entwickelt. Mit von der Partie ist zwischenzeitlich übrigens ein gewisser Robert Trujillo, der in diesen Tagen den Tieftöner bei Metallica bearbeitet.

Seine Kumpels pflegen – nach einer vorübergehenden Trennung in den Neunzigern – fröhlich weiter das Genre, das sie geprägt haben. Was für eine Wucht das Ding immer noch hat! Anfangs steht zwar zu befürchten, dass nur ein eingeschworener Fankreis vor der Bühne zum Konzert bleibt. Power Wolf sind noch nicht ganz runter von der Bühne, da jagen Suicidal mit "You can't bring me down" nicht nur einen Genre-Hit von 1990 von der Bühne, sondern auch eine ganze Brigade Metaler aus dem Stadion. Irgendwie auch kein Wunder: Nicht nur die Inhalte stellen sich im Skatepunk ein klein wenig anders dar als im Power Metal. Auch die Musik: Hartes Punkrockschlagzeug, akkurat gedroschene Gitarrensalven und leidenschaftlich gebrüllte Texte - näher an Rap als an Gesang. (Die Klassiker bleiben sie nicht schuldig: War Inside My Head, How will I Laugh Tomorrow, Trip At The Brain - alles da.) Apropos Gesang: Mike Muir, der Bandana-gekrönte Banden-Chef und einzig verbleibendes Gründungsmitglied, sieht man sein Alter zwar an - um die Energie, mit der er über die Bühne springt, dürften ihn aber so manche Gleichaltrigen beneiden. Die rechte Stadionhälfte feiert die Skatecore-Legenden zu Recht. „Ich löse die Suicidal lieber zwei Jahre zu früh auf, als zwei Minuten zu spät", hat Muir 1995 gesagt. Gut, dass er sich eines Besseren besonnen hat.

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Christoph Ulrich

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