Welttour - Zwischenstation München

Die Scorpions live in der Olympiahalle: "Rock'n'Roll forever"

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Die Rockband Scorpions um Sänger Klaus Meine.

München - Die Scorpions rockten am Mittwoch die Olympiahalle wie ein Hurrikan. Seit 50 Jahren lebt die Band ihre Musik und geht nun auf große Welttournee.

Wir sind jetzt mal historisch und rechnen das Alter der drei Kern-Skorpione zusammen. Frontmann Klaus Meine (67, dabei seit 1969) und die beiden Gitarristen Matthias Jabs (das Küken mit 60, dabei seit 1979) und Rudolf Schenker (67, seit 1965 dabei) bringen es zusammen auf 194 Lenze. Die Summe zurückgerechnet, landen wir im Jahr 1822. Da hat Beethoven gerade seine letzte Klaviersonate op. 111 auf den Markt gebracht. Der war übrigens taub.

Womit wir mittendrin sind im Konzert, das in jeder Hinsicht gepflegt und gewissenhaft über die Bühne ging. Und von der Lautstärke her eher gesittet. Die ersten Fans werden unruhig, als es um 21 Uhr noch nicht losgeht. Zehn Minuten später fällt der Vorhang, und es geht frisch voran mit Altem und Neuen. Klaus Meine nimmt nach den ersten Song-Set die Sonnenbrille ab und blickt verklärt ins Oval, mit 11 000 Fans gut gefüllt. Plaudert von der Frühzeit und Schwabinger Auftritten. „Es war ein langer Weg. Aber hei, wir sind immer noch hier!“, sagt der Rock-Nicht-Rentner. Und dann geht die Reise zurück in die 70er. Gut, Speedy’s Coming kommt nicht mehr gar so atemlos und Steamrock Fever nicht mehr so schmutzig daher wie einst.

Doch peinlich oder betulich wird’s nie an diesem Abend. Eher ein wunderbares Treffen mit alten Freunden, die es zu Weltstars gebracht haben. Klaus Meine ist gut bei Stimme, klettert auch nach 90 Minuten noch ordentlich in die Höhe, die gelegentlichen Ruhepausen hinter der Bühne dürfen drin sein. Vor allem, wenn man so elegant raussegelt. Leadgitarrist Matthias Jabs lächelt und spielt seine Riffs wie eh und je mit größter Gelassenheit und unverschämter Coolness, und Kollege Rudolf Schenker, der ja meistens nur Akkorde setzen darf - aber das mit Verve -, gibt den Irrwisch wie eh und je.

Send Me An Angel um kurz vor zehn, alle vorne auf dem Steg im akustischen Gefühls-Gewand. Wie, der Refrain klingt völlig verschrägt? Egal. Passiert auch Top-Könnern.

Gediegen bleibt’s mit Wind Of Change, erdigen Rockern ein Graus, aber dennoch der vielleicht größte Hit der Band dank Glasnost und Mauerfall. Die Halle geht ganz gut mit. Und überhaupt: Da gleich nach dem Windwechsel mit Druck und Nachdruck bewiesen wird, dass We Are A Rock’n’Roll Band sind, wird wieder mehr geschrien denn mitgesungen. Und dann - dann beginnen die Skorpione so richtig zu stechen. Schnell, laut, rotzig und gnadenlos. Schlagzeuger James Kottak zieht nicht nur gern obenrum blank, zeigt seinen (Bier?-)geformten Körper, seine Tattoos und vor allem seine Schlagkraft und Doublebass-Technik. Jupp, das rockt! Big City Nights und ganz am Schluss, natürlich Rock You Like A Hurricane. Pflicht erfüllt, ab unters Sauerstoffzelt! Und so bleiben die Scorpions die beste Adresse für in Würde altern mit Musik, Charme und Können. Ein Phänomen. 50 Jahre frisch und froh, Scorpions, macht weiter so.

Matthias Bieber

Matthias Bieber

E-Mail:Matthias.Bieber@tz.de

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