Darum heißt ein Huhn Angela Merkel

Top-Autor Jonasson im Gespräch: 47 Jahre bis zum Buch-Debüt

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Autor Jonas Jonasson.

München - Es dauerte 47 Jahre bis der schwedische Bestseller Autor Jonas Jonasson sein erstes Buch veröffentlichte. Im Interview spricht er darüber, warum es so lange dauerte und ein Huhn namens Angela Merkel.

Der schwedische Bestseller-Autor Jonas Jonasson (55, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand) gastiert bei uns, um aus seinem neuesten Buch zu lesen. Das tz-Interview, in dem’s auch um ein Huhn namens Angela Merkel geht.

Herr Jonasson, 47 Jahre bis zum Debüt „Der Hunderjährige …“. Warum dauerte das so lange?

Jonas Jonasson : Ich wusste immer, dass ich Autor bin. Aber ich wusste auch, dass ich noch nicht bereit war. Es fehlte mir an Lebenserfahrung und Selbstvertrauen.

Was änderte sich?

Jonasson: Mit 47 hatte ich schon eine Menge durchgemacht. Gutes und Schlechtes. Ich konnte meine Geschichte jetzt so schreiben, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Beim Schreiben bin ich jetzt zu 100 Prozent ich.

Mussten Sie schon einmal aus dem Fenster steigen?

Jonasson : Ich würde jedem raten, es zumindest ein Mal zu versuchen.

Das müssen Sie erklären.

Jonasson: Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Schloss. Aber wenn Sie aus dem Fenster steigen, landen Sie in einer Hütte im Wald. Sind Sie jetzt ein Verlierer, weil Sie nicht mehr in einem Schloss wohnen? Zur Hölle, nein! Vielleicht lebt in der Nachbarshütte die interessanteste Person, die Sie jemals getroffen haben. Und am Ende des Tages merken Sie, dass es sich gelohnt hat. Es geht um Perspektivwechsel. Aber Sie werden das nie erfahren, wenn Sie es nicht probieren.

Einer Ihrer persönlichen Fenstersprünge war, als Sie an Burnout erkrankten.

Jonasson: Ja. 16 Stunden am Tag in meiner Medienagentur, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr lang. Das ist nur etwas für junge Leute. Ich habe es nicht kommen sehen. Von diesem Tag an habe ich drei Jahre lang in einer Blase gelebt.

Hat Ihnen Schreiben geholfen, das zu überwinden?

Jonasson: Nein. Das waren drei Dinge: die Geburt meines Sohnes, der Verkauf der Agentur und ein Umzug in die Schweiz.

Und dann veröffentlichten Sie Ihr erstes Buch. Doch den Erfolg konnten Sie nicht wirklich genießen. Warum?

Jonasson: Als mein Sohn zwei Jahre alt war, ging die Ehe mit seiner Mutter in die Brüche. Es war eine Familientragödie. Gerichte in der Schweiz und in Schweden sprachen mir das Sorgerecht zu. Der Kampf um meinen Sohn war damals das Wichtigste für mich. Während all der Zeit verkaufte ich 14 Millionen Bücher, ohne es zu bemerken. Es war irreal.

Ist Ihnen Ruhm wichtig?

Jonasson: Ich bevorzuge es, nicht berühmt zu sein. Menschen haben Probleme, zwischen Liebe zu einer Person und Liebe zu ihrer Arbeit zu unterscheiden. Ich habe schon oft gehört: ‚Jonas Jonasson, ich liebe dich.‘ Ich sage dann immer: ‚Danke‘, aber was ich sagen sollte, ist: ‚Nein, Sie lieben nicht mich, weil Sie mich ja gar nicht kennen. Aber offensichtlich lieben Sie meine Arbeit, und dafür bin ich dankbar.‘“

Sie meiden also das Rampenlicht?

Jonasson: Ich bin schon zu Hunderten Events auf der ganzen Welt eingeladen worden und zu keinem einzigen gegangen. Nicht, weil ich die Leute nicht respektiere, sondern weil ich mich daheim am wohlsten fühle. Unter meinem Eichenbaum auf meiner kleinen Insel.

Die kleine Insel Gotland, wo Sie mit Ihrem Sohn leben. Wie findet er Ihre Bücher?

Jonasson: Er ist neun Jahre alt und sehr stolz auf mich. Er sagt, er liebt den Hundertjährigen, aber jedes Mal, wenn ich ihm beim Zubettgehen daraus vorlese, schläft er sofort ein.

Stimmt es eigentlich, dass Sie eine kleine Hühner­farm besitzen?

Jonasson: Leider nicht mehr. Vor einiger Zeit hat der Fuchs den Kampf gewonnen. Er hat sie alle geholt, aber ja, ich hatte einige. Alle hatten Namen berühmter Persönlichkeiten. Ich hatte sogar eine Henne, die Angela Merkel hieß.

Wie kam es denn dazu?

Jonasson: Sie ist eine großartige Politikerin und eine große Humanistin. Sie hätte 2015 den Friedensnobelpreis verdient gehabt. Aber wie immer überraschte uns das norwegische Komitee. Meine Hennen benannte ich immer nach Personen, die Gutes getan haben.

Und die Hähne?

Jonasson: Das Gegenteil. Einer meiner Hähne hieß beispielsweise Kim Jong-Il.

Zurück zu Ihren Büchern. Was ist das Wichtigste an Ihren Hauptfiguren?

Jonasson: Mark Twain hat mal gesagt: „Die Angst vor dem Tod ist eine Folge aus der Angst vor dem Leben. Wer vollkommen erfüllt lebt, ist auch bereit, zu gegebener Zeit zu sterben.“ Ich würde ­sagen, dass die Mehrheit meiner Charaktere das Leben feiert. Auf die eine oder andere Art und Weise.

Und was macht Sie persönlich glücklich?

Jonasson: Ein Sieg meines Fußballteams, des schwedischen Drittligisten Öster. Vermutlich das beste Team der Welt, aber in den vergangenen 30 Jahren vom Pech verfolgt. Warum sonst spielen sie in der dritten Liga, in einem Land, in dem schon die erste Liga totaler Schrott ist (lacht)?!

Geben Sie uns abschließend einen kleinen Hinweis zu Ihrem nächsten Buch?

Jonasson: Es geht immer um einer Reise. Eine mentale und physische Reise. Es ist eigentlich das Beste, was ich bisher geschrieben habe.

Eigentlich?

Jonasson: Ich muss es nur noch schreiben (lacht).

Interview: Dominik Laska

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