Zu Besuch in Verona

Zucchero im Interview: Auf der Zuckerseite des Lebens

Zucchero beim Interview mit tz-Reporterin Sarah Brenner.

Verona - Zucchero wird Ende Oktober auch wieder in München zu sehen sein. Wir haben den italienischen Schmuserocker aber jetzt schon mal in Verona besucht und zum Interview getroffen.

Die Sterne glühen, die Luft brennt – vor freudiger Erwartung. Die Menge stampft, singt und schreit. „Sugar, Zucker, Zucchero“, hallt es von den Rängen der kolossalen Arena di Verona. Alles für Zucchero (61), der am 29. Oktober auch wieder in der Münchner Olympiahalle, zu sehen sein wird (Karten bei Münchenticket, Tel. 089/54 81 81 81). Wir haben den italienischen Schmuserocker bei seinem Konzert in Verona besucht, um mit ihm zu reden – über sein Leben als (Rock-)Star und über seine Faszination für Hüte.

Sie sind seit über 45 Jahren im Geschäft. Was hat sich verändert?

Zucchero: Ich bin ruhiger geworden. Das Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Zeug habe ich hinter mir gelassen. Mittlerweile lebe ich auf einem Bauernhof in der Toskana – mit ein paar Kühen, einem Gemüsegarten und einem Weinberg.

Was brauchen Sie zum Glücklichsein?

Zucchero: Eigentlich nicht viel. Meine Familie, meine Freunde und meine Musik. Meine Devise lautet: Weniger ist mehr. Wir sollten endlich damit anfangen, mit dem, was wir haben, zufrieden zu sein.

Das sagt sich einfach, wenn man erfolgreich ist …

Zucchero: Das stimmt. Aber auch ich habe Zeiten erlebt, in denen es mir nicht so gut ging. Es hat zum Beispiel sehr lange gedauert, bis ich die Scheidung von meiner damaligen Frau verarbeitet habe. In solchen Phasen begreift man, wie nichtig alles Materielle ist.

Während dieser Zeit sind einige Ihrer größten Hits entstanden …

Zucchero: Ja, Senza una donna und Miserere – das Duett mit Luciano Pavarotti. Aber das zeigt doch, dass in allem auch etwas Positives steckt.

Das klingt sehr weise – eine Eigenschaft, die das Alter mit sich bringt?

Zucchero: Jein. Ich bin zwar schon 61, fühle mich aber nach wie vor wie 45. Ich glaube, dass mich vor allem mein Großvater geprägt hat. Optisch genauso wie mental.

Inwiefern?

Zucchero: Mein Großvater war kein Mann großer Worte. Trotzdem habe ich immer zu ihm aufgeschaut. Er war riesig, hatte einen langen Bart und immer einen Hut auf dem Kopf. Mittlerweile besitze ich selbst über 350 Hüte aus aller Welt.

Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?

Zucchero: Das ist schon so lang her, dass ich es gar nicht mehr so genau weiß. Aber ich glaube, ich war neun Jahre alt, als ich mein erstes Instrument gelernt habe. Das mit dem Singen war eher Zufall.

Zufall?

Zucchero: Ich habe schon früh damit angefangen, in verschiedenen Bands zu spielen. Eines Tages hatten wir einen Auftritt, doch der Sänger kam nicht. Da ich der Einzige war, der sich die Texte merken konnte, bin ich kurzerhand eingesprungen und dabei geblieben. Der Sänger hatte noch an demselben Abend die Kündigung auf dem Tisch.

Interview: Sarah Brenner

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