Das schüttelt und rührt 007

Münchner Symphoniker zelebrieren James Bond

Die Münchner Symphoniker gaben sich sportlich und jagten mit James Bond durch die Filmmusikgeschichte – Am Pult nicht mit Chefdirigent Kevin John Edusei (oben), sondern mit Christian Schumann.

München - Liebesgrüße vom Gasteig! Für zwei Abende quartierte sich der britische Geheimdienst MI6 in der Philharmonie ein, um unter dem Motto Jagd auf 007 James-Bond-Musik von John Barry bis Adele zu zelebrieren.

Der junge Dirigent Christian Schumann bewies mit den Münchner Symphonikern, dass er nicht nur einen Goldfinger, sondern zwei goldene Händchen für großartige Filmmusik hat. Die Philharmonie wurde zum Kopfkinosaal – so verblüffend nah kam das Orchester dem bombastischen Bond-Sound.

Die stechenden Bläsersätze, das „Dum di di dum dum“-Gitarrenriff – Monty Normans James Bond Theme ließ gleich zu Beginn keinen Zweifel daran zu, dass direkt unter dem Gasteig die Themse fließt, fließt sie nicht?

Doch der 33-jährige Commander Schumann begnügte sich nicht mit bloßen Kopien – was bei späteren Bond-Hits von den Wings (Live And Let Die) bis Madonna (Die Another Day) ohnehin nicht funktioniert hätte. Zumal sich Shirley Bassey, Nancy Sinatra, Paul McCartney oder Carly Simon leider entschuldigen ließen.

Stattdessen bot die Bond-Jagd großes Kino für Ohren und Augen, grandios remixte Filmszenen auf der Leinwand über dem Orchester, von Livemusik begleitet – wie früher im Stummfilm, nur opulenter. Jetzt entsteigt Ursula Andress im Itsy-Bitsy-Bikini den Fluten, zum Entzücken von Daniel Craig. Da zockt Mads Mikkelsen (Casino Royale) mit Sean Connery am Pokertisch. Und da will Beißer Richard Kiel sein rostfreies Edelstahlgebiss partout in den Hals von Gert Fröbe schlagen – armer Auric Goldfinger! Bond ganz alt, Bond ganz neu, nobody does it netter.

Einige der turbulentesten Verfolgungsjagden, Pierce Brosnan im T-55-Panzer durch Sankt Petersburg driftend (GoldenEye), Craig über den Dächern Istanbuls (Skyfall), liefen minutenlang im Original über die Leinwand – und man hätte schwören mögen, dass sie nie so dramatisch, so mitreißend waren wie mit der Münchner Orchesterbegleitung.

Diese Musiker – und die Sänger Tertia Botha und Dennis LeGree – waren jeden Moneypenny wert.

Jörg Heinrich

Jörg Heinrich

E-Mail:onlineredaktion@tz.de

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