Uraufführung von "Kaiser und Galiläer"

Im Passionstheater: So läuft Stückls Glaubenskampf

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Christian Stückls Inszenierung von "Kaiser und Galiläer" konzentriert sich vor allem auf den Glaubensstreit.

München - In diesem Jahr lädt Christian Stückl im Passionstheater zu seinem neuen Stück "Kaiser und Galiläer". Dabei geht es vor allem um den Glaubensstreit.

Nun schon im sechsten Jahr tritt Christian Stückl (54) zu Vorstellungsbeginn auf die Bühne des Passionstheaters, um die Gäste des Oberammergauer Sommerspecials zu begrüßen. Das berühmte Domizil der Passionsspiele sollte eben nicht nur alle zehn Jahre zum Leben erwachen. Einheimische und Touristen genießen diese junge Tradition, die Laien-Darsteller aus dem Dorf auch. Deswegen fordert Stückl, im "Normalberuf" Intendant des Münchner Volkstheaters, heuer alle zusammen so richtig heraus. Freitagnacht hatte Henrik Ibsens unbekanntes Stück Kaiser und Galiläer Premiere (drei Stunden inklusive Pause). Schmunzelnd erklärte Regisseur Stückl zu Beginn, dass das Werk seit 1906 nicht mehr aufgeführt worden sei. Man erlebe "eine Uraufführung".

Christian Stückl.

Ibsen (1828–1906) hatte ab 1864 fast zehn Jahre in die Geschichte um den historischen Kaiser Julian (331–363) investiert, der als Herrscher vom christlichen Glauben abfiel und wieder die griechisch-römischen Götter verehrte. Der norwegische Dramatiker schuf mit Kaiser und Galiläer ein riesiges Historien-Panorama aus zwei Stücken zu je fünf Akten. Ihn interessierten der Glaubenssucher und -zweifler. Christian Stückl hat dieses Thesendrama ideengeschichtlich wohlüberlegt und theaterpragmatisch weise gekürzt. Trotzdem bleibt es ein Opus. Bei der Premiere ist das gut gegangen, wie der begeisterte Schlussbeifall bewies.

Glaubensstreit als zentrales Thema

Die Inszenierung für Oberammergau konzentriert sich vor allem auf den Glaubensstreit. Heutzutage ohnehin aktuell. Das Spannende bei Ibsen ist, dass er tödlichen Fanatismus auf beiden Seiten zeigt, außerdem Heuchler, Wendehälse und Nutznießer.

Für dieses Denkspiel um den Glauben hat Ausstatter Stefan Hageneier auf Schwarz- Weiß gesetzt. Über ein fassadenartiges Kulissengerüst ist weiße Leinwand gespannt, in der Mitte prangt das Christus-Zeichen. Später wird Julian dieses provisorische Christentum-Tuch herunterreißen. Die Musik-Fraktion kommt im Übrigen mit der Akustik zurecht, die Darsteller mit dem Mikroportsystem nicht. Hoffentlich spielt sich das noch ein, denn bei der Premiere herrschte doch Schreierei vor, weil die meisten sprachen, als hätten sie eben kein Mikro vor dem Mund. Das beeinträchtigte den Eindruck arg, den die Leistung der Laien machte. Natürlich spürte man die Premierennervosität. Aber sie waren so sensibel bis imponierend intensiv, dass man sich durchaus fragte, ob es Profis besser gemacht hätten.

Weitere Vorstellungen am 15. und 16. sowie vom 21. bis 23. Juli. Infos unter www.passionstheater.de

Simone Dattenberger

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