Premierenkritik

Mackie Messer erobert den Circus Krone

München - Das Gärtnerplatztheater zeigt im Circus Krone die „Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill halbkonzertant. Hier ist unsere Premierenkritik. 

Mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ brachte das Münchner Gärtnerplatztheater am Sonntag die erste Neuproduktion der Spielzeit 2016/17 auf die Bühne, diesmal in der Ausweichspielstätte Circus Krone. Etwas ungewöhnlich ist der Ort ja schon: Einige Besucher kauften noch Popcorn und knusperten während der Vorstellung fröhlich vor sich hin. Plötzlich der Auftritt der Darsteller, die sich vorher geschickt unters Publikum gemischt hatten, und schon saßen sie alle vor dem Orchester wie die Hühner auf der Stange. Los ging es mit dem wohl berühmtesten Song der „Dreigroschenoper“, der „Moritat von Mackie Messer“.

Die Musik von Kurt Weill für Brechts bekanntes Werk um den Banditen Macheath, genannt Mackie Messer, um dessen geschäftliche Rivalen und vor allem amouröse Verwicklungen hat einige Ohrwürmer parat. Andreas Kowalewitz leitete das Orchester mit großem Feingefühl durch die Musik mit Elementen aus Jazz, Tango und kleinen Seitenhieben auf Oper und Operette. Trotz Verstärkung, Geräuschkulisse und trockener Zirkusakustik saß hier wirklich alles perfekt.

Hobmeier spielt mit laszivem Reiz

Zwischen den Songs führten abwechselnd die Darsteller durch die Handlung, jedoch nicht als unbeteiligte Erzähler, sondern in ihrer jeweiligen Rolle. Zum Schießen komisch, wie Polly (Nadine Zeintl), eine von Macheaths Frauen, mit verächtlichem Unterton von Jenny, Mackies Ex-Geliebter, spricht. Dass die konzertante Aufführung entpolitisiert ist und nur von Lichteffekten (Michael Heidinger) lebt, tut weder der Klasse der Songs noch der schauspielerischen Leistung der Darsteller einen Abbruch. Allerdings liegt genau hier das Hauptproblem: Manche Charaktere werden von Schauspielern, andere von ausgebildeten Opernsängern, wieder andere von Musicalsängern geformt. Dadurch ergab sich schauspielerisch wie sängerisch ein Ungleichgewicht, das einzeln nicht unbedingt auffiel, in den Ensembles hingegen teilweise störend war. Zeintl warf sich mit vollem Körpereinsatz in ihre Rolle der in Mackie verliebten, aber gar nicht so naiven Ehefrau Polly. Doch das Eifersuchtsduett mit Lucy, der zweiten Ehefrau von Mackie, verlor durch die Paarung ihres dünnen Soprans mit dem vibratoreichen Mezzosopran von Anna-Katharina Tonauer einiges seiner Komik.

Brigitte Hobmeier spielte die Spelunken-Jenny mit laszivem Reiz und verführte so überzeugend Maximilian Mayers Mackie, dass dieser zwar stimmlich mit schönem, gut geführtem Tenor mithalten konnte, gestalterisch aber der intensiven Darstellung Hobmeiers nichts entgegenzusetzen hatte. Erwin Windegger und Dagmar Hellberg gaben die auch aus Geschäftsgründen rachsüchtigen Eltern von Polly sehr überzeugend, toll ebenso Christoph Filler als berechnender Polizeichef Brown. Alles in allem ein unterhaltsamer, kurzweiliger Opernabend!

Anita Svach

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