Unbekannte entfachen "Shitstorm"

12.000 Hass-Kommentare wegen "Wintermarkt" am Flughafen

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Seit 2006 heißt der Markt am Flughafen "Wintermarkt".

München – Nicht der Wintereinbruch, sondern ein so genannter „Shitstorm“ hat am Wochenende den Flughafen stark beschäftigt. Der Auslöser ist banal: ein Wintermarkt im Münchner Airport Center.

Allein die Bezeichnung wurde nun zur Zielscheibe anonymer rechtsextremer Gruppen, die dem Flughafen „Namensverunstaltung“ vorhielten. Fast 12.000 Kommentare verfassten Facebook-Nutzer auf der offiziellen Flughafen-Seite. „Die unflätigsten Beleidigungen haben wir gelöscht“, sagt Flughafen-Sprecher Ingo Anspach.

Der Name besteht schon seit 2006

Der Wintermarkt am Flughafen wurde am vergangenen Wochenende eröffnet: 46 Verkaufsstände, eine Eislauffläche und 450 Tannenbäume sollen die Flughafen-Gäste in Weihnachtsstimmung versetzen. Der Flughafen nimmt auf seiner Facebook-Seite ausführlich Stellung zu den Hass-Botschaften. Unter anderem wird dort erklärt, dass der Markt schon seit  2006 nicht Advents- oder Weihnachtsmarkt, sondern Wintermarkt heißt. Offizielle Begründung: Er werde schon eine Woche vor dem 1. Advent geöffnet und dauere auch länger als normale Adventsmärkte – diesmal bis zum 27. Dezember.

Doch solche Erklärungen verfangen bei den Absendern der Hass-Botschaften nicht. Der eine lästert über die „unsinnige Namensverunstaltung“, der andere schreibt: „Ich finde Euch zum Kotzen, so in die Knie zu gehen“. Ein Kommentator bezeichnet sich als „Vielflieger“ und kommentiert die Bezeichnung „Wintermarkt“ wie folgt: „Ihr könnt sicher sein, dass ich von einem Flughafen, der Deutsches Brauchtum so in den Schmutz zieht, niemals fliegen werde.“

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, Martin Neumeyer (CSU), den Begriff „Wintermarkt“ kritisiert – dadurch würden einmal mehr „christliche Traditionen“ aus der Öffentlichkeit verbannt, schrieb er damals.

Die Hass-Flut wurde gesteuert

Die Hass-Kommentar-Flut vom Wochenende war kein Zufall, sondern bewusst gesteuert. Dazu surften Unbekannte auf der Woge des Erfolgs, den derzeit die so genannte Anonymous-Bewegung erlebt. Das anonyme Hacker-Kollektiv hatte nach den Anschlägen von Paris angekündigt, einen Cyber-Krieg gegen den Islamischen Staat zu starten, um den Einfluss des IS auf soziale Medien zu verringern.

Trittbrettfahrer wie die Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ nutzen die Popularität von Anonymous aus – „auf der Seite wird Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht, Russland glorifiziert, mit Pegida sympathisiert und gegen die angebliche „Lügenpresse“ gewettert“, schrieb „Spiegel-Online“ unlängst. Genau über diese Plattform ist jetzt auch gegen den Wintermarkt des Flughafens massiv Stimmung gemacht worden.

Lesen Sie hier: Falsche Anonymous-Seite auf Facebook - das steckt dahinter

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