Dachauerin vor Gericht 

Ende eines Martyriums: 35-Jährige stach auf Ehemann ein

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Ihr Verteidiger reicht ihr die Hand: Katarina B. soll auf ihren Ehemann eingestochen haben. Eine Polizistin brachte sie in den Gerichtssaal. Kurz danach schilderte die 35-Jährige, welche Tyrannei sie in ihrer Ehe durchlitt.

Dachau - Sie litt unter der Tyrannei eines alkoholkranken, drogensüchtigen, aggressiven Familienvaters. Vor Gericht schilderte die Dachauerin unter Tränen einen wahren Ausnahmezustand.

Am 2. August, nach einem Tag voller Drohungen, Beleidigungen, Terror, hat die 35-jährige Mutter zweier Kinder auf ihren Mann eingestochen. Vor Gericht schilderte die Dachauerin unter Tränen einen wahren Ausnahmezustand. Katarina B. (35, Name geändert) sitzt auf der Anklagebank, hört der Staatsanwältin zu und weint. Sie senkt den Kopf, so dass die langen schwarzen Haare wie ein Vorhang vor ihr Gesicht fallen – der Haaransatz am Scheitel ist inzwischen grau. Mit einem Taschentuch in der linken Hand wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht, mit der rechten hält sie einen weißen Rosenkranz. Die Anklage wirft Katarina B. vor, dass sie sieben Mal auf ihren schlafenden Ehemann (36) eingestochen hat. Er überlebte knapp. Nun steht B. wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht München II.

Sie schildert ein wahres Martyrium 

Doch dieser Prozess verläuft nicht wie üblich. Es gibt keine Erklärung der Verteidigung, kein formelles Geständnis, kein Leugnen. Was folgt ist die Geschichte der Katarina B. aus Dachau, von Beruf Apothekenhelferin. Ausführlich und unter Tränen berichtet sie den Ablauf des 2. August 2015 - und schildert dabei ein Ehe-Martyrium: die Tyrannei eines alkoholkranken, drogensüchtigen, aggressiven Familienvaters. 

Die Geschichte des 2. August beginnt so: Als sie in der Früh mit den beiden Kindern (9 und 7) aufstand, habe sie ihren Mann mit einer Alkohol-Fahne im Wohnzimmer angetroffen, sagt sie. Er sei dann zur Tankstelle gefahren. „Ich wollte nur raus“, sagt sie - denn sie habe schon wieder Streitereien befürchtet. Doch bevor sie mit den Kindern das Haus verlassen konnte, sei ihr Mann zurück gekommen und habe herumgeschrien. Sie habe ihm gesagt, dass er am Tag zuvor nicht mit den Kindern rausgegangen sei – deshalb wolle sie heute raus. Also nahm sie die Kinder und ging mit ihnen zu einem Fast-Food-Restaurant und auf den Spielplatz. 

Nachbarn riefen die Polizei

Anschließend fuhr sie zu Schwester und Cousine, die zu Besuch in Deutschland war. Der Ehemann habe sie derweil mit SMSen und Anrufen bombardiert, beleidigt und bedroht. Wieder zu Hause sei es „ein einziges Gebrüll“ gewesen. Das jüngere Kind habe deshalb dauernd gewürgt und sich übergeben. Schließlich riefen Nachbarn die Polizei. Die wollte den Mann zwar mitnehmen, die Frau aber war dagegen. Kaum war die Polizei weg, begann ein stundenlanger Streit. „Er dachte, ich hätte die Polizei gerufen. Deshalb ging er auf mich los.“ Sie hätte sich auf einen Stuhl setzen und sich sein Gebrüll anhören müssen: Sie sei an allem Schuld; ihre Eltern sollten endlich aus der Wohnung ausziehen; sie habe ihn mit dem Polizisten, einem Nachbarn, betrogen. „Er hat wild rumgefuchtelt und mir so eine Art Kopfnuss verpasst.“ 

Sie habe nur Ruhe gewollt, und endlich hätten sie sich ins Bett gelegt. Doch dort sei es weitergegangen mit Vorwürfen, Beleidigungen, Bedrohungen. Er habe gesagt, dass sie solches Glück habe, dass sie in Deutschland seien. Die Polizei stehe hier auf ihrer Seite. In Bosnien - seiner Heimat - würde er ihre Eltern töten und ihr „so lange ins Gesicht treten, bis das Blut spritzt“. Sie solle zu Gott beten, dass sie den nächsten Urlaub in Bosnien überlebe. Dort könne er mit ihr machen, was er wolle; dort habe sie nicht so viele Rechte. 

Sie rief den Notarzt für den Ehemann

Dann schildert Katarina B. einen wahren Ausnahmezustand: „Wie im Schnelldurchlauf“ seien Bilder von all den schlimmen Dingen, die passiert seien, an ihr vorübergezogen. Sie habe ihre Eltern schon tot vor dem geistigen Auge gesehen, überall Blut am Boden. „Ich habe gedacht, es zerreißt mich, ich explodiere. Alles in meinem Körper hat gepocht.“ Dann könne sie sich erst wieder daran erinnern, dass sie das Messer wegwarf – und dass das Blut spritzte. Sie rief sofort den Notarzt. Der Ehemann kam ins Klinikum Dachau, wo er notoperiert wurde. Der Prozess dauert an. 

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