Besuch im Hamburger Werk

A350 wird in München stationiert: Stück für Stück zum neuen Airbus

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Airbusmitarbeiter vor einem A350 in Toulouse.

Hamburg/München - Der A350 gilt als spritsparend und leise. Zehn Flieger vom Typ A350-900 hat die Lufthansa bestellt – sie sollen am Drehkreuz in München stationiert werden. tz-Reporter Marc Kniepkamp ist ins Airbus-Werk Hamburg geflogen, um sich die Produktion des A350 genauer anzusehen.

Es ist erstaunlich leise in den Produktionshallen von Airbus in Hamburg-Finkenwerder. Hier, auf einer Insel in der Elbe, werden die vordere und hintere Rumpfsektion des neuen A350 gefertigt – und die Arbeiter verrichten ihre Tätigkeiten fast lautlos. Hier ist Handarbeit gefragt, der Standort wirkt eher wie eine Manufaktur als eine Fabrik.

Marc Kniepkamp hat sich umgesehen.

Im Moment sind bereits 20 Exemplare des Wunderfliegers unterwegs – Ende November soll der erste A350 für die Lufthansa fertiggestellt werden. Lufthansa-Kapitan Martin Hoell wird den ersten Lufthansa-Airbus von Toulouse, wo die Endmontage stattfindet, nach München fliegen. In Hamburg hat der Leiter der Flotte Interkont am Lufthansa-Hub München nun die Gelegenheit, sich die einzelnen Teile des A350 im frühen Stadium anzuschauen.

Airbus mit W-Lan-Empfang an Bord

Der erste Flieger, der an die Lufthansa ausgeliefert werden soll, trägt die Fertigungsnummer MSN 74. Airbus-Techniker installieren an dem Flugzeug gerade eine KU-Band-Antenne, die später für einen tadellosen W-Lan-Empfang an Bord sorgen soll. Im Innern des Rumpfteils sieht man das, was der Passagier normalerweise nicht sieht. Unter der Oberschale sind bereits alle wichtigen Kabel eingebaut. „Die werden außerhalb der Kabine zusammengesetzt und dann in einem Stück unter der Oberschale des Rumpfs installiert“, erklärt Olaf Voss, der Leiter der Strukturmontage bei Airbus.

So viele Kabel stecken in einer Flugzeugkabine.

Damit sind die Arbeiten an Modell MSN 74 schon relativ weit fortgeschritten. Noch nicht ganz soweit ist der zweite Lufthansa-Flieger mit Fertigungsnummer MSN 80. Hier sind die Airbus-Techniker gerade dabei, die Rumpfbauteile zusammenzusetzen und die Halterungen für die Kabel einzusbauen, die dann später unter der Oberschale installiert werden.

12.500 Menschen arbeiten bei Airbus in Hamburg, die Hansestadt ist nach Seattle und Toulouse der drittgrößte Luftfahrtstandort weltweit. Auf dem konzerneigenen Flugplatz kann ein A380 starten und landen. Und von hier werden die Rumpfteile mithilfe des gigantischen Beluga-Transportflugzeuges zur Weiterverarbeitung nach Toulouse gebracht. Beim Besuch in Hamburg kann man am Gesicht von Kapitän Hoell ein wenig Stolz und eine große Portion Vorfreude ablesen. „Klar, ein neues Flugzeug zu fliegen ist immer etwas besonderes“, sagt Hoell zur tz. Als Pilot achtet er natürlich besonders auf das Cockpit, das er für äußerst gelungen hält. „Man merkt, dass der Platz für uns Piloten mit viel Liebe gestaltet worden ist“, so Hoell weiter. Im Cockpit sei mehr Platz als in den Vorgängerflugzeugen und die Ergonomie sei verbessert worden. Allerdings sieht das Cockpit auch komplett anders aus als bei älteren Flugzeugen. „Die Instrumente sind fast komplett weggefallen, eigentlich gibt es nur noch Bildschirme“, sagt Hoell.

Piloten bekommen zweiwöchige Schulung mit Übungen am Simulator

Trotzdem werde der Umstieg für die Lufthansa-Piloten nicht allzu schwierig. Zunächst müssen sie eine zweiwöchige Schulung mit Übungen am Simulator hinter sich bringen, danach folgt eine Linieneinweisung mit insgesamt zwölf Flügen – sechs mit und sechs ohne Ausbilder im Cockpit. „Wer einen A330 fliegen kann, wird auch schnell mit dem A350 klarkommen“, erklärt Hoell. „Wir müssen den Leuten nicht beibringen, das Flugzeug zu fliegen, sondern nur, es zu bedienen“, so Hoell weiter.

Doch nicht nur die Piloten dürfen sich auf mehr Platz freuen, auch die Passagiere können ein wenig mehr Komfort erwarten. Der Clou des A350 ist seine extrabreite Kabine. In der Economy-Class baut die Lufthansa neue, ergonomisch geformte Sitze ein. Zudem ermöglicht der A350 einen angenehmeren Kabinendruck, der vergleichbar mit einem Aufenthalt in einer Höhe von 1800 Metern ist – bisher liegt er bei 2400 Metern. Als Sahnehäubchen solle ein neuartiges Lichtkonzept den Passagieren helfen, ihren Biorhythmus besser auf die Zeit am Zielort einzustellen.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Die Seitenschale des Rumpfs kommt aus Augsburg.

Damit der Flieger abheben kann, braucht er aber noch Flügel. Die oberen Flügelschalen werden bei Airbus in Stade hergestellt, etwa 30 Kilometer vom Airbus-Werk in Hamburg entfernt. In Stade – idyllisch mitten im Alten Land gelegen – haben sie sich auf den Werkstoff Karbon spezialisiert. Das zahlt sich aus, denn die obere Flügelschale des A350 ist das größte jemals aus Kohlefaser-Verbundstoffen hergestellte Einzelbauteil in der zivilen Luftfahrt. Ein Teil ist insgesamt 32 Meter lang und bis zu sechs Meter breit – trotzdem wiegt es nur 2,5 Tonnen. Damit trägt der Werkstofff einen großen Teil zum wichtigsten Verkaufsargument für den A350 bei: Das Flugzeug ist vergleichsweise spritsparend. Er verbraucht2 5 Prozent weniger als vergleichbare Jets – in der hartumkämpften Luftfahrbranche eine wichtige Möglichkeit um Kosten zu sparen. Wichtig für Passagiere wie Flughafenanwohner: Der A350 soll außerdem viel leiser unterwegs sein als bisherige Flieger.

Derzeit können in Stade, wo auch die A350-Seitenleitwerke gebaut werden – 14 Flügelschalen pro Monat gefertigt werden – genügend für eine Produktion von sieben Flugzeugen im Monat.

Bis November muss sich Kapitän Hoell noch gedulden – dann kann er endlich „seinen“ A350 nach München steuern.

Zahlen & Fakten zum Airbus A 350

Länge: 66,80 Meter

Spannweite: 64,75 Meter

Höhe: 17,05 Meter

Rumpfbreite: 5,96 Meter

Flügelfläche: 443 Quadratmeter (so viel wie zwei Tennisplätze)

Sitzplätze: 293

Reisegeschwindigkeit: 0,85 Mach (etwa 1050 Stundenkilometer)

Tankkapazität: 141 000 Liter

Reichweite: etwa 9500 Kilometer

Treibstoffverbrauch: 2,9 Liter/pro Person und 100 Kilometer

Maximales Abfluggewicht: 280 Tonnen

Triebwerk: RollsRoyce Trent XWB-84

Listenpreis: 310 Millionen US-Dollar (derzeit etwa 272 Millionen Euro)

Marc Kniepkamp

Marc Kniepkamp

E-Mail:Marc.Kniepkamp@tz.de

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