Millionenschaden im Robertobeach-Club

Angeklagter beteuert: Ich bin kein Feuerteufel!

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Hat Edilson Cesar P. (r.) den Brand gelegt?

Aschheim – In der Nacht auf den 9. Februar 2015 brannte die Beachvolleyball-Halle in Aschheim bis auf ein verkohltes Gerippe herunter. Schaden: Gut zwei Millionen Euro. Am Dienstag, 26. Januar, war der erste Prozesstag gegen den mutmaßlichen Brandstifter.

Betreiber Robert Finkel stand vor den Trümmern seiner Existenz. Die Ermittler kamen zum Ergebnis, dass der portugiesische Hilfskoch Edilson Cesar P. (23) des Robertobeach-Clubs die gläserne Volleyball-Halle des Aschheimer Eventparks abgefackelt hat. Seit April 2015 sitzt er in Untersuchungshaft und muss sich nun vor dem Landgericht München I verantworten. Dort bestritt er  die Brandstiftung.

Angeklagter gibt nur Diebstähle zu

Die Anklage der Staatsanwaltschaft listet vier Punkte auf. Die ersten drei Vorwürfe gibt P. zu: So hat er 250 Euro aus der Registrierkasse und 784 Euro aus dem Tresor gestohlen sowie mit einer Eisenstange das Fenster zum Bürocontainer eingeschlagen, wobei ein Schaden von 500 Euro entstand.

Zwei Brandherde

Auferstanden aus Ruinen: Die neue Halle steht im Rohbau wieder. Geschäftsführer Robert Finkel schaut auf das Werk. Er soll im Prozess aussagen.

Vehement bestreitet er jedoch den anschließenden Einbruch in die Halle, wo er 200 Euro gestohlen und Feuer gelegt haben soll. Sowohl im Tresen-Bereich im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss im Bereich der Couch soll er einen Brand entfacht haben. Beide Brandherde wuchsen sich zu einem Vollbrand aus. In der Küche soll er auch noch eine Dose mit Brennpaste unterhalb eines Papierrollenhalters entzündet haben, wodurch jedoch kein eigenständiger Brand entstand.

Verteidiger Ingo Julius Schaberl betonte, dass die Anklage wegen Brandstiftung „nur auf Indizien“ beruhe. Die Ermittler hätten Blut von Edilson Cesar P. im Bürocontainer gefunden, weil er sich beim Einbruch die Hand aufgeschnitten habe. Doch der Angeklagte habe lediglich wieder in die Halle gelangen wollen, um Geld zu holen.

Angeklagter gibt ständig neue Versionen

Edilson Cesar P. selbst schildert die Sache so: Er habe mehrere Schlüssel aus dem Container geholt und versucht, die Halle aufzusperren. Doch als keiner der Schlüssel passte, sei er wieder gegangen. Wegen seiner Schnittwunden an der Hand habe er einen Notarzt gerufen, doch die Rettungskräfte hätten nicht ausmachen können, wo er sich befindet. Darum habe er ein Taxi gerufen und sich im Klinikum rechts der Isar die Wunde nähen lassen. Anschließend sei er heim, habe gebadet und sich ausgeruht.

Richter skeptisch

Am nächsten Tag will P. dann völlig ahnungslos zur Beachvolleyball-Halle gefahren sein, um dem Chef seine Krankschreibung wegen der Wunde an der Hand zu bringen. „Da war alles abgebrannt.“ Daraufhin habe er sich entschieden, die Krankschreibung doch nicht auszuhändigen, „weil der Chef sonst gefragt hätte, wo ich mich verletzt habe“. Sie hätten dann nur übers Feuer gesprochen. Er habe Angst gehabt, dass er mit dem Feuer in Verbindung gebracht werde.

Der Vorsitzende Richter befand, dass die Aussagen von P. „widersprüchlich“ seien. In einer Zeugenbefragung und drei Beschuldigtenvernehmungen hatte dieser jeweils verschiedene Versionen präsentiert. „Heute haben wir wieder eine neue Variante.“ Der Prozess dauert an.

Nina Gut

Nina Gut

E-Mail:gericht@merkur.de

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