Ein Moosburger hat den Horror erlebt

Bombendrohung in Flugzeug: "Mir kam nur eines verdächtig vor ..."

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"Haben Sie etwas Verdächtiges?" Die Polizei hat jeden einzelnen Passagier in einem abgesperrten Sicherheitsbereich am Hamburger Flughafen durchgecheckt - und verhört. 

Moosburg - Der Moosburger Leon Wolf saß in der Maschine von München nach Hamburg, für die es eine Bombendrohung gegeben hatte. Klar wurde das dem 17-Jährigen erst durch einen Funkspruch am Boden. 

Als der Moosburger Mechaniker Leon Wolf am Sonntagabend in einer Air-Berlin-Maschine hoch über Deutschland schwebt, hat er noch keine Ahnung, welcher Gefahr er zu diesem Zeitpunkt ausgesetzt war. Im Flugzeug wird gemütlich Kaffee serviert, am Boden des Zielflughafens Hamburg rollen sämtliche Sicherheitskräfte an. Höchster Alarm! Bombendrohung! Das „Islamische Kalifat Europa“ hatte gegen 18 Uhr per E-Mail mitgeteilt, dass sich Sprengstoff in dem Airbus A320 befinden soll, der um 17.35 Uhr in München gestartet ist. Die Sicherheitskräfte stufen die Drohung als "glaubwürdig" ein. Acht Crewmitglieder und 170 Passagiere sind an Bord.

Leon Wolf war an Bord der Maschine von München nach Hamburg und ahnte in der Luft noch nicht, dass es eine Bombendrohung gab.

Einer davon ist der 17-jährige Leon Wolf aus dem Landkreis Freising. Er kennt diesen etwa einstündigen Flug gut, als Anlagenmechaniker für Brandschutz muss er mehrmals im Jahr zu seiner Berufsschule in den hohen Norden reisen. An diesem Sonntag kommt ihm zunächst nichts verdächtig vor. Er weiß auch nicht, dass wegen seiner Maschine der Flugverkehr in Hamburg kurzzeitig unterbrochen wird. Erst, als die Maschine am Flughafen nicht an das übliche Gate rollt, sondern sich einer Sonderposition nähert, wundert er sich. Er blickt aus dem kleinen Flugzeugfenster heraus und sieht bereits Blaulicht. Viel Blaulicht. "Ich habe mir noch gedacht: Komisch, wenn etwas kaputt gegangen wäre, dann wäre da doch nicht so viel Polizei." 

Stewardess sagt: Bitte verlassen Sie so schnell wie möglich das Flugzeug

Richtig mulmig wird Leon Wolf dann, als die Fluggasttreppen andocken und die Stewardess durch den Lautsprecher sagt: "Bitte verlassen Sie so schnell wie möglich das Flugzeug." "Da war mir klar, dass irgendetwas nicht stimmt, es wurde total hektisch und auch bei den anderen Passagieren ging das Gemurmel los", erinnert sich Leon Wolf im Gespräch mit unsererOnlineredaktion. Er schnappt sich noch sein Handgepäck und wird sofort durch den Gang geschoben.

Auf dem Rollfeld warten Busse auf die nichtsahnenden Evakuierten. Leon Wolf steigt in eines der Fahrzeuge ein und hört im Funkgerät eines Polizisten etwas knacken, das nach "Sprengstoff" klingt. Der 17-Jährige fragt nach und erhält die erschreckende Antwort: In der Maschine, in der er bis eben saß, befindet sich möglicherweise ein Bombe. "Da wird einem schon anders, bisschen Angst ist in der Situation wohl auch normal", sagt der Moosburger. Alles in allem seien aber alle ruhig geblieben. "Die Polizei hatte das gut im Griff."

Zurück auf sicherem Boden? Leon Wolf hat erst auf dem Rollfeld erfahren, welche dramatischen Szenen sich am Hamburger Flughafen abgespielt haben. 

Ab jetzt läuft alles wie in einem Hochsicherheitstrakt. Die Passagiere kommen in einen abgesperrten Bereich am Flughafen. Keiner darf raus, bis er von oben bis unten samt Handgepäck durchleuchtet ist und verhört wurde. Auch Leon Wolf fragen die Beamten aus: "Ist dir etwas aufgefallen?" "Hast du etwas beobachtet?" Er kann nicht weiterhelfen, ist aber furchtbar erleichtert, als er endlich durch die Sicherheitskontrolle durch ist - weg von der Bombe. Zwei Stunden hat die ganze Prozedur gedauert. Bombe? Fehlanzeige.

Gott sei Dank. Denn immerhin muss Leon Wolf schon bald wieder in den Flieger - diesmal zurück nach München. 

Kathrin Garbe

Kathrin Garbe

E-Mail:kathrin.garbe@merkur.de

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