Gericht lässt Betreiber abblitzen

Richter verhindern Bordell-Ausbau in Dachau

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In Dachau entsteht kein weiteres Bordell, haben die Richter (r.) bei einer Besichtigung vor Ort entschieden.

Dachau - Die Stadt Dachau wehrt sich dagegen zum "Rotlicht-Mekka" zu werden. Bislang wurden die meisten Klagen abgewehrt. Doch nun gibt es wohl keine weiteren Bordelle.

Sieben ist eine heilige Zahl. In Dachau nicht. Da ist die 7 das, was viele Bewohner zum Stoßseufzer bringt: Gott verhüte... Das tut er bisher nicht, obwohl es auf engstem Raum gleich sieben Bordelle gibt. Aber jetzt scheint die Richterschaft die Stadt zu unterstützen – und zwar erstmals, berichten die Dachauer Nachrichten...

Die Etablissements befinden sich im Gewerbegebiet Ost. Die Stadt hat die Nase voll: Dachau, so die einhellige Meinung, dürfe nicht zum Rotlicht-Mekka verkommen. Die vielen Bordelle würden den Grundstücke ringsherum abwerten. Und somit gängeln die Beamten die Betreiber seit vielen Jahren.

Rotlicht-Profis bekamen häufig recht

Und die? Klagen seit Jahren mit Lust, was die Stadt mit Frust quittiert – denn die Rotlicht-Profis kriegen vom Verwaltungsgericht München regelmäßig recht. Im Gewerbegebiet, so die Argumentation, seien Bordelle zulässig. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Eine Domina hat geklagt wegen Existenzgefährdung. Und bekam recht.

Der jüngste Streit sieht anders aus: Das Dachauer Bauamt hatte eine Obergrenze von fünf „Arbeitsplätzen“ und strikte Trennung zwischen Liebesspiel und Ruhezonen festgeschnürt für ein neues Etablissement, an dem Georg T. (53) seit fünf Jahren werkelt. Da widersprach zwar das Gericht noch, aber jetzt will T. die Ruhezonen vergrößern. Die Stadt wies ihn ab, er zog vors Gericht – und jetzt der Interruptus im bisherigen Kläger-Glück: Die Kammer gibt der Stadt recht!

Urteil fällt am Freitag

Am Donnerstag tagte die 11. Kammer des Verwaltungsgerichts auf dem Bordell-Gelände. Nach ausgiebiger Begutachtung ließ der Vorsitzende Johann Oswald durchblicken, dass die Klage voll scheitern wird. Die Begründung ist für T. schwer zu schlucken: Wegen des Umbaus müsse eine komplette Neuaufnahme des Betriebs erfolgen. Dann aber entstehe möglicherweise die von der Stadt befürchtete Abwertung des Gebiets. Die erteilte Baugenehmigung ist heiße Luft. Dass das Haus noch gar nicht eröffnet hat, ist dabei egal.

Das nur für eine Seite befriedigende Urteil soll am Freitag fallen. T. kann sich übrigens vorstellen, der Stadt das Haus als Flüchtlingsunterkunft anzubieten. „Viele Räume und die Duschen und Toiletten sind fertig.“

T. Zimmerly

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