Seine Suche bewegte viele Menschen

Dachauer findet seine  Lebensretterin – dank Facebook

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Hermann Grösch und sein Schutzengel: Melanie Völkl traf den 68-jährigen Dachauer in ihrem Lokal, dem Citypub. Mit dabei: das weiße Hündchen Cooper.

Dachau - Hermann Grösch hat seine Lebensretterin gefunden. Nach einem Herzinfarkt auf der Straße war er auf der Suche nach der „jungen, blonden Frau“, die ihn sofort zum Arzt gebracht hatte.

Jetzt konnte Hermann Grösch seinen Schutzengel wiedertreffen und sich bedanken. „Ach, da ist ja der junge Mann.“ Melanie Völkl (35) lacht, als sie den 68-jährigen Hermann Grösch in ihrem Lokal „Citypub“ am Dachauer Bahnhof herzlich empfängt. Hermann Grösch überreicht ihr einen Blumenstrauß, legt die Hand über die seiner Lebensretterin und drückt diese fest. „Vielen Dank, dass wir kommen konnten und uns kennenlernen können“, sagen Hermann Grösch und seine Frau Maria-Rita fast gleichzeitig und strahlen vor Freude. Obwohl sich der 68-jährige Dachauer und die Lokalbesitzerin erst zum zweiten Mal treffen, sind sich die beiden gleich vertraut.

Die erste Begegnung der beiden Dachauer war dagegen völlig ungeplant und sehr ernst: Der 68-jährige Herzpatient hatte in der Goethestraße in der Nähe des Lokals der Familie Völkl einen Herzinfarkt (wir berichteten). Melanie Völkl war dort gerade mit dem Auto unterwegs, als ihr der Rentner auffiel, der nach Luft schnappte. Sie merkte sofort, dass mit dem Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite etwas nicht stimmte „Er war völlig rot angelaufen. Zuerst dachte ich, dass er vielleicht zu viel gegessen hatte. Aber ich wollte lieber einmal nachfragen.“ Obwohl der 68-jährige Rentner die Hilfe von Melanie Völkl erst ablehnte, blieb diese weiter standhaft. „Eigentlich wollte ich sofort den Notarzt rufen. Aber Herr Grösch meinte, dass das nicht unbedingt nötig ist - wie die Männer eben so sind“, grinst sie.

Trotzdem überzeugte die Dachauerin Hermann Grösch, ihn zu seinem Hausarzt in die Münchner Straße zu fahren. Im Nachhinein hat sie genau die richtige Entscheidung getroffen, denn es war fünf vor zwölf für den Herzpatienten. Nur wenige Minuten später brachte ihn ein Krankenwagen in das Dachauer Krankenhaus.

Melanie Völkl weiß, dass schnelle Hilfe in lebensbedrohlichen Lagen unbedingt notwendig ist. Denn ihr Mann erlitt während ihrer Geburtstagsparty vor etwa fünf Jahren einen Schlaganfall, und auch ihr Vater hatte vor einem Jahr eine Gehirnblutung. „Ich weiß, dass es in solchen Situationen einfach um Minuten geht. Deswegen habe ich auch bei dem jungen Mann hier nicht lange gezögert“, witzelt sie.

Natürlich hatte die Gastronomin zunächst eine kleine Hemmschwelle, Hermann Grösch anzusprechen, die überwand sie aber schnell. „Ich beobachte die Leute um mich herum und sehe, wenn es jemanden nicht gut geht. Dann frage ich lieber einmal zu viel nach, als zu wenig“, sagt Melanie Völkl.

Wenn die selbstbewusste Dachauerin nicht nachgefragt hätte, würden die Eheleute Grösch und Völkl jetzt wohl nicht zusammensitzen. Umso erleichterter ist der 68-Jährige, dass er seinen Schutzengel wiedergefunden hat. Denn Hermann Gröschl wollte sich nach seinem Krankenhausaufenthalt sofort bei der unbekannten Lebensretterin bedanken. Er wandte sich deswegen an die Dachauer Nachrichten und startete damit die Suche nach der „jungen blonden Frau mit weißem Hündchen“. Der Zeitungsbericht und der Beitrag im Internet und auf Facebook erreichte viele Menschen - unter anderem die gesuchte Helferin Melanie Völkl. „Ich habe mich wirklich so gefreut, das Foto zu sehen. Mich hat’s wie einen Blitzschlag getroffen, dass der Mann wieder lachen kann.“

Denn nach dem aufregenden Vorfall musste die Dachauerin täglich an Hermann Grösch denken und grübelte, ob es dem Rentner nun gut gehe. Jetzt sitzen die „junge, blonde Frau“ und die Gröschs bei Kerzenlicht mit einem Glas Pils und Wasser zusammen, das „kleine, weiße Hündchen“ Cooper liegt ruhig unter dem Tisch.

„Die Kette der helfenden Hände hat einfach super funktioniert. Ich bin froh, dass Sie sich gegen meinen Mann durchgesetzt haben“, sagt Maria-Rita Grösch lächelnd. Daraufhin antwortet die Lebensretterin Melanie Völkl gerührt: „Ich wünsche mir, wenn’s mich mal erwischen sollte, dass auch jemand an meiner Seite ist und mir beisteht.“

Anna Schwarz

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