Öffentlichkeitsfahndung der Polizei

Auf Foto erkannt: Wie ein Erdinger unschuldig zum Verdächtigen wurde

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Jürgen Freiwald wurde zu Unrecht verdächtigt. Als er sich auf den Fahndungsfotos erkannte, war der Schreck groß.  

Erding – Schwerverbrecher für zwei Stunden: Diese Geschichte kann seit Donnerstag Jürgen Freiwald erzählen. Der Unternehmer und Immobilieneigentümer aus Erding geriet ins Visier der Kripo Erding – und das völlig unschuldig. Wir haben mit ihm gesprochen.

Mit diesen Bildern fahndete die Polizei nach dem vermeintlichen Räuber.

Das Polizeipräsidium Ingolstadt ruderte umgehend zurück und entschuldigte sich, nachdem der 50-Jährige klar gemacht hatte, dass er kein Straftäter ist. Zwei Stunden wurde Freiwald mit Fotos aus einer Überwachungskamera über Online-Medien gesucht. Der Aufruf wurde im Internet vielfach geteilt. Die Posse nimmt am 29. März um 3.28 Uhr in der frisch eröffneten Geschäftsstelle der HypoVereinsbank in Erding-Aufhausen ihren Lauf. Ein Unbekannter knackt einen Geldautomaten und macht reiche Beute. Bilder aus der Videoüberwachung gibt es keine, die hatte der Täter zuvor zerstört.

Die Kriminaler werteten die Bilder aus der Zeit vor der Straftat aus – und lieferte gestochen scharfe Indizien. Zwei Tage vorher, um 18.19 Uhr, hatte ein Mann den Vorraum der Filiale betreten, sich 15 Sekunden umgesehen und war dann unverrichteter Dinge wieder gegangen. Das Fazit der Fahnder: Dieser Mann hat die Bank ausgespäht. Von einem Richter holten sie sich die die Freigabe, die Fotos zu veröffentlichen. Die Pressemitteilung wurde am Donnerstag um 10.39 Uhr ausgesandt.

Freunde und Kollegen entdeckten das Bild im Portal ED live und informieren Freiwald. „Ich bin aus allen Wolken gefallen und sofort zur Polizei.“ Wenig später kann Freiwald schon wieder lachen: „Die haben mich 15 Jahre jünger gemacht.“ Er erklärt sein seltsames Verhalten: „Ich war tatsächlich in der Bank. Ich bin der Nachbar-Eigentümer und wollte mir die neue Filiale ansehen.“

Die Kripo glaubt ihm und lässt ihn laufen. Um 13 Uhr wird der Aufruf einkassiert. „So was habe ich noch nie erlebt“ gesteht Polizeisprecher Peter Beck. „Wir waren uns sehr sicher. Die Bilder waren top. Jetzt aber ist klar: Herr Freiwald ist unschuldig.“

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