Für genervte Autofahrer

Feuerwehr verteilt "Beschwerdeformular"

+
Die Feuerwehr sperrt für einen Umzug eine Straße ab (hier in Hohenlinden) und muss sich dafür nicht selten beschimpfen lassen.

Ebersberg - Ulrich Proske ist Feuerwehrkommandant in Ebersberg. Eigentlich ist er ein besonnener Mann. Doch jetzt ist ihm der Geduldsfaden gerissen. Proske will es nicht länger hinnehmen, dass er und seine Männer bei Straßenkontrollen regelmäßig beschimpft werden. Er reagiert.

Am Freitagabend war es mal wieder soweit. In Ebersberg beginnt das Volksfest mit dem Wiesneinzug der Honoratioren vom Marienplatz zur Pfarrer-Grabmeier-Allee. Proske (42) und elf seiner Männer haben die Innenstadt pflichtgemäß abgesperrt - auf Anweisung der Stadt, im Benehmen mit dem Landratsamt Ebersberg, weil auch eine Staatsstraße betroffen ist. Autofahrer müssen warten - zwischen zehn und 15 Minuten. Und das stinkt einigen ganz gewaltig.

Auch Michael Schulte-Langforth regt sich auf. Er droht den Floriansjüngern, er werde sich am Montag bei Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) beschweren. Ironie am Rande: Dieser zieht just in diesem Moment lederbehost an der Seite seiner Gattin gen Volksfestplatz.

Jetzt muss man wissen, dass Schulte-Langforth nicht irgendwer ist. Der Veterinär sitzt für die Grünen im Stadtrat. Von der Beschwerde wollte er am Montag nichts mehr wissen. Er lasse die Sache „im Sande verlaufen“, sagte er auf Anfrage der Ebersberger Zeitung.

Davon will wiederum die Feuerwehr nichts wissen. Sie hat ein nicht ganz ernst gemeintes „Beschwerdeformular“ entwickelt, das sie künftig jedem genervten Autofahrer in die Hand drücken will. Darin heißt es unter anderem: „Eigentlich sollte statt uns die Polizei hier stehen, doch dank des bayerischen Innenministers und seiner Personalpolitik ist die bayerische Polizei nicht in der Lage, solche Veranstaltungen zu betreuen“. Proske spricht von einem gesellschaftlichen Problem. Er sagt, dass der Respekt vor den ehrenamtlich tätigen Feuerwehrmännern abhanden gekommen sei. Wüste Beschimpfungen seien bei Straßensperren an der Tagesordnung. Seine Männer würden eigens „vergattert“, in jedem Fall ruhig zu bleiben und nicht auf Provokationen zu reagieren.

Wie weit manche Autofahrer in ihrem Zorn gehen, hat Proske am eigenen Leib erfahren müssen. Weil einem Mann die Absperrmaßnahmen gehörig gegen den Strich gingen, fuhr er dem Ebersberger Kommandanten mit seinem Wagen von hinten in die Beine.

Josef Riedl, 3. Bürgermeister, der derzeit im Ebersberger Rathaus die Geschäfte führt, springt der Feuerwehr zur Seite. „Wenn keine Festzüge mehr veranstaltet werden können, ist die Gemeinschaft in Gefahr“. Wenn man nicht mehr für kurze Zeit eine Straße sperren dürfe, werde es keinen Stadtlauf, kein Sommernachtsfest, aber auch keine Fronleichnamsprozession mehr geben, so der CSU-Mann, der auch dem Ebersberger Volksfestverein vorsteht.

Proske hofft in jedem Fall auf „mehr Verständnis der Verkehrsteilnehmer“. Seine Kameraden und er stünden schließlich nicht zum Spaß in ihrer Freizeit auf der Straße.

Michael Acker

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Kommentare