Familienvater (50) stürzt in den Tod

Flugzeug-Absturz von Jesenwang: Rätsel um das zweite Opfer

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Ralf H., ein erfahrener Pilot, starb zusammen mit einer Frau in den Trümmern des Ultraleichtflugzeugs.

Jesenwang - Das schreckliche Leichtflugzeug-Unglück von Jesenwang stellt die Polizei vor ein Rätsel: Noch immer ist eines der beiden Opfer nicht identifiziert.

Sonne pur, sommerliche Temperaturen, kaum Wind: Beste Bedingungen herrschen am Wochenende für die kleinen Flieger, die vom Flugplatz Jesenwang (Kreis Fürstenfeldbruck) starten. Flughafenchef Max Walch Junior ist am Samstag kurz vor 21 Uhr auch noch draußen. Er steht auf dem Vorfeld, als plötzlich eine Maschine rund 800 Meter vom Platz entfernt in Schwierigkeiten gerät. Vor seinen Augen stürzt der Ultraleichtflieger mit der Kennung D-MMUC Richtung Boden. Zuvor hat der Pilot offenbar eine sehr enge Kurve bei geringer Geschwindigkeit gedreht.

Walch muss beobachten, wie die Maschine aus etwa 60 Metern Höhe sich drehend auf den Boden zurast und aufschlägt. Kurz danach steigt eine Rauchsäule auf. „Eigentlich wusste ich, dass es nicht gut ausgegangen sein kann“, sagt ein bedrückter Max Walch am Sonntag dem "Fürstenfeldbrucker Tagblatt".

Trotzdem war er in einer gewissen Hoffnung mit dem Einsatzfahrzeug des Flugplatzes zum Absturzort gerast, um das Allerschlimmste zu verhindern. „Ich wusste, wer in der Maschine sitzt.“ Als er mit seinem geländegängigen Jeep vor Ort ist, sind schon einige Bürger des nahen Dörfchens Pfaffenhofener da. Das Feuer im Motor- und Fahrgastraum ist schnell gelöscht. Doch für die beiden Insassen kommt jede Hilfe zu spät. Die beiden müssen sofort tot gewesen sein, berichtet Hans Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Der Pilot hatte am Samstagabend bereits einen Rundflug gemacht und war schon am Flugplatz gelandet. Aber offenbar wollte er die optimalen Bedingungen dieses Abends nutzen. Er drehte eine Platzrunde, eine zweite gleich hinterher. Dabei passierte die Katastrophe, möglicherweise ausgelöst durch Motorprobleme.

Die Identität der beiden Todesopfer gibt der Polizei indes teilweise noch Rätsel auf. Bei einem der Verunglückten handelt es um Ralf H. (50) aus dem Kreis Augsburg, einem sehr erfahrenen Piloten, der früher bei der deutschen Luftwaffe in New Mexico (USA) stationiert war. Bei dem zweiten Opfer des Unglücks ist sich die Polizei noch nicht sicher, möglicherweise hatte seine Ehefrau Ralf H. auf dem letzten Flug begleitet. Zur Klärung der Identität des zweiten Opfers müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Es dauerte Stunden bis die Feuerwehr das abgestürzte Flugzeug so abgesichert hatte, dass die Fachleute von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie ein Gutachter des Bundesamtes für Flugunfalluntersuchung sich dem Wrack nähern konnten. Der Rettungschirm des Flugzeugs war nicht ausgelöst worden. Es bestand daher die Gefahr, dass er aufgehen und Einsatzkräfte verletzen könnte.

Am Sonntag herrschten am Flugplatz rein äußerlich betrachtet wieder beste Flugbedingungen, wieder ein Traumtag. Doch der Flugbetrieb hielt sich in Grenzen, wie Max Walch berichtete. „Die Stimmung ist heute sehr gedrückt. Ich möchte so etwas nie wieder sehen müssen.“

Den Flugplatz Jesenwang gibt es seit 1963. Gegründet wurde er vom Vater des jetzigen Betreibers Max Walch Senior. Die 400 Meter lange Start- und Landebahn benutzen heute vor allem Ultraleichtflieger. Die erste Maschine dieses Flugzeugtypes startete 1985 in Jesenwang. 

Thomas Steinhart, Jam

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