"Zuhälter-Schorsch" tötete drei Menschen

Er schlug immer wieder zu: Die kaputte Welt des Frauenmörders

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Georg S. gestand die Tat seinem Anwalt. Im Haus (l), in dem Gordana lebte, wurde die Leiche der Frau gefunden.

Maisach/Deisenhofen - Drei Menschenleben hat Georg S. auf dem Gewissen. Die tz dokumentiert das kaputte Leben des Frauenmörders.

Wo er auftauchte, war der Ärger nie weit. Denn Zeit seines Lebens hat der ehemalige Lohnschlächter und Installateur Georg S. (65) Probleme  immer nur mit den Fäusten gelöst. Drei Menschen­leben hat dieser Mann mittlerweile auf dem Gewissen. Jeder Fall für sich ein einziges Drama. Die tz dokumentiert das kaputte Leben des Frauenmörders Georg S.

Bereits von Jugend an prügelte sich Georg S. erfolglos durchs Leben. Die Mutter hatte ihn im Stich gelassen. Er wuchs bei der Oma auf. In keinem Job hielt er es lange aus. Er soff und zockte sich durch die Nächte. Die erste Ehe scheiterte schnell. Mit 22 war er mit einer Nackttänzerin liiert und tauchte ins Rotlicht-Milieu ab. In der Szene galt der starke Raucher mit der Ringerstatur als Schläger mit vielen Muskeln und wenig Hirn.

Die Szene ächtete den Zuhälter-Schorsch: „Der Depp schlägt die Weiber“, tuschelte man hinter seinem Rücken. 1987 zettelte der damals 36-Jährige auf der Wiesn und später im Lenbachpalast Massenschlägereien mit mehreren Verletzten an. Im Oktober 1994 dann der erste Tote: S. schlug in einem Imbiss am Bahnhof den Schriftsteller Wolfgang A. (57) vom Barhocker. Der starb Tage später. Er hatte sich lediglich nach dem Ursprung einer Narbe in Georgs Gesicht erkundigt. Nach kurzer Flucht stellte sich S. freiwillig und saß wegen Körperverletzung mit Todesfolge drei Jahre im Knast.

Georg S. war stark eifersüchtig

Mit der fröhlichen Friseurin „Georgina“ Gina Wimmer (36) schien sich sein Leben zu stabilisieren. Er zog bei ihr in Berg am Laim ein, arbeitete als Installateur. Seine Eifersucht jedoch machte alles kaputt. Nach diversen Prügelszenen und Morddrohungen warf Gina ihn hinaus. Am 3. Januar 2000 erwürgte Georg S. die Freundin in ihrer Wohnung, floh und stellte sich dann der Polizei. Nach fast 15 Jahren Knast wurde er im August 2015 aus der Sicherungsverwahrung unter Auflagen entlassen. Der Gutachter war zum Schluss gekommen, dass S. nicht mehr gefährlich sei. Ein fataler Irrtum …

Gordana wurde tot aufgefunden.

In der Weihnachtszeit lernte Georg S. in der Oldie-Disco Evergreen am Stachus die lebensfrohe Gordana S. (67) kennen. Die Mutter zweier Söhne lebte in einem Apartment in Deisenhofen bei Maisach (Landkreis Fürstenfeldbruck). Obwohl die Polizei sie gewarnt hatte, gab sie ihrem neuen Freund eine Chance. Die ahnungslose Vermieterin willigte ein, dass er bei Gordana einzog: „Er war sehr höflich, hat sich als arbeitsloser Heizungssanitär-Arbeiter vorgestellt. Ich habe mich für Gordana S. gefreut.“ Am Montag wurde Gordana S. gefunden. Sie lag seit Tagen tot im Bett – erwürgt von Georg S., der sich am Montag bei seinem Anwalt stellte.

Die Vermieterin ist erschüttert: „Der saß in meiner Küche, und ich wusste von nichts. Ich verstehe nicht, wieso so einer wieder frei ­herumlaufen durfte.“

Dorita Plange, Thomas Steinhardt

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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