Es steht den Plänen der Stadt im Weg

Wie ein Gallier: Grafinger kämpft für sein Elternhaus

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Darum geht’s: Das Elternhaus von Robert Haimerl (r.) mit Wohn- und Geschäftsraum ist der Grafinger Innenstadtplanung im Weg. Haimerl ist grundsätzlich verkaufsbereit, sagt aber: „Das Angebot muss besser werden.“

Grafing - Das kleines Wohn- und Geschäftshaus von Robert Haimerl steht den großen Innenstadt-Plänen Grafings im Weg. Der Mann leistet Widerstand.

„Dann lassen wir es halt so wie es ist. Dann bleibt das das kleine gallische Dorf.“ Das, was Robert Haimerl, der Grafinger Meister für Orthopädische Schuhtechnik hier beschreibt, ist sein Elternhaus in der Rotter Straße. So kann es bei der Bauleitplanung einer Kommune gehen: Das kleine Gebäude samt Wohnung und Geschäftsräumen steht einem großen Vorhaben im Weg, nämlich dem neuen Wohnquartier auf dem alten Wildbräu-Gelände. Doch Haimerl ist nicht bereit, das Grundstück abzutreten - jedenfalls noch nicht. „Das Angebot muss besser werden“, sagt er entschlossen. Und hat sich dafür mit dem großen Bauträger K-Team angelegt.

Worum geht’s? Der Grafinger Bauausschuss wird sich heute Abend mit der gesetzlich vorgeschriebenen Erschließung des größten Bauquartiers befassen, das die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten angepackt hat. Wohn- und Geschäftsräume auf 6500 Quadratmetern Grundstücksfläche - und das mitten in der Stadt. Dazu notwendig wird eine Linksabbiegespur, samt Querungshilfe und Mittelinsel für den Fußgängerverkehr, dort wo jetzt schon ein Zebrastreifen ist, den viele Schüler nutzen. Die Rotter Straße wird nach dem Bau der Ostumfahrung ortseinwärts wesentlich mehr Verkehr aufnehmen müssen, als das momentan der Fall ist. Keine Linksabbiegespur - keine gesicherte Erschließung - keine Genehmigung.

Eine schnelle Lösung „ist momentan noch nicht absehbar“, bestätigt der Grafinger Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Für den Bebauungsplan bedeute das ein „Vollzugshindernis“, räumt er ein. Geprüft wird jetzt eine andere Lösung. Man könne die Rotter Straße innerorts ein bisschen nach Norden verschwenken, auf die Parkplätze vor der Kirche, so der Grafinger Bauamtsleiter. Die befänden sich im Eigentum der Stadt. Im Endeffekt geht es um etwa acht Quadratmeter, die Haimerl gehören, der eigener Auskunft nach in den vergangenen Wochen und Monaten arg mit der Grafinger Gerüchteküche zu kämpfen hatte. „Das war grob geschäftsschädigend“, sagt er. In einem Brief an Ärzte und Krankenkassen habe er dementiert, dass er sein Geschäft aufgeben müsse. „Da hat es geheißen, der Haimerl muss verkaufen, aber ich muss überhaupt nicht verkaufen.“ Und sein Geschäft führe er ganz normal weiter, betont er. Haimerls Kritik gilt der Art, wie hier mit ihm „umgegangen“ worden sei. Auch zu zwei Unterlassungsklagen kam es schon.

Fadi Krikor, einer der beiden Geschäftsleiter der K-Team Bau & Immobilien sieht die Entwicklung nicht so pessimistisch. „Das ist sehr positiv, was da läuft“, sagt er zum Verhandlungsfortgang. Die zentrale Frage sei aber immer: „Mit welchem Aufwand?“ Schließlich komme das K-Team für die Kosten auf. Wenn Haimerl seinen Grund nicht verkaufe, „dann ist es halt so“. Es sei an der Stadt, „mit der notwendigen Sorgfalt zu planen. Das geht nicht von heute auf morgen“, spielt Krikor die Zeitkarte.

Aber auch Haimerl pokert weiter. Er verweist darauf, dass der im Bebauungsplan auf seinem Grundstück vorgesehene Gebäuderiegel eine Lärmschutzfunktion habe für die einmal dahinter liegende Wohnbebauung. Diesem Argument begegnet Fadi Krikor mit dem Gegenargument, dass es in „Grafing Grundstücke gibt, wo es noch lauter ist“. Ein zusätzliches Problem ergibt sich dadurch, dass der geplante Gebäuderiegel an der Rotter Straße um drei Meter weiter südlich zu liegen kommen soll - um eben Platz zu schaffen für die Linksabbiegespur. Haimerls Haus stünde dann zu weit vorne. „Eine Korrektur der Baukörper kommt nicht in Frage“, so Niedermaier. Ausgang offen.

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