Rätsel um das Motiv

Gipfelkreuz-Hacker schockt Isarwinkel - Hass auf Christen?

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In zwei Teile zerhackt. So fand man später das Gipfelkreuz, das vor vier Jahre erst erneuert worden war.

Ein unbekannter Mann sorgt derzeit für Angst, Schrecken und Verunsicherung auf den Gipfeln: Schon zwei Kreuze soll er mit einer Axt umgehauen haben, Der Verdacht: Wut auf christliche Symbole.

Es ist eine Geschichte, die zornig macht. Diese Geschichte, die sich Ende Juli auf dem Prinzkopf abgespielt hat. Ein Mann, Mitte dreißig und athletisch, steigt hinauf auf den Gipfel. Gegen 20.45 Uhr steht er vor dem Kreuz, zieht eine scharfe Axt aus seinem großen Rucksack und hackt es um. Seitdem liegt es in der Wiese, und im Isarwinkel sind zurecht alle wütend auf den Unbekannten. Ein Leser schrieb dazu dem Tölzer Kurier: „Nun werden schon Gipfelkreuze umgeschlagen. Es muss sehr viel Wut und Hass vorhanden sein, um christliche Werte mit der Axt zu zerschlagen.“

Ein Ehepaar aus Gaißach hat den oberkörperfreien Mann zunächst aus 200 Meter Entfernung gesehen und später mit dem Feldstecher beobachtet. Die beiden waren zur Tatzeit auf der Ludernalm, um das Vieh zu hüten. Das machen sie schon seit Jahren. „Wir haben etwas hacken gehört und wussten in dem Moment nicht, woher es kam“, sagt die Frau. Sie und ihr Mann blickten hinauf Richtung Prinzkopf und trauten ihren Augen kaum. „Das Gipfelkreuz war weg.“ Sie beobachteten den Mann dann weiter, vermutlich sah er auch die beiden. „Der hat komische Laute heruntergeschrien. Richtig gebrüstet hat er sich.“ Ihr Mann berichtet, „dass der Krawall machte und herumgesprungen ist.“ Danach sei er auf der anderen Seite zum Lärchkogel-Hochleger hinuntergestiegen. Die Viehhüterin erinnert sich: „Allein hätte ich Muffensausen gehabt, der hat sich aufgeführt wie ein wildes Tier.“

Das Almgebiet liegt zwischen Sylvensteinsee und Tirol und wird von Landwirten aus dem Isarwinkel bewirtschaftet. Darüber thront der Prinzkopf. Das Kreuz hat der damalige Hirte vom Lärchkogel im Jahr 1982 mit Spezln aufgestellt. 2012 wurde es erneuert. „Es war in die Jahre gekommen“, sagt Georg Heiß aus Lenggries, der beide Male geholfen hat.

Der Unbekannte, gute 1,90 Meter groß und dunkelhaarig, marschierte nach der Tat zu der Alm am Hochleger, die unter anderem Kaspar Schmidtner bewirtschaftet. „Er zog sich dort um, weil es anfing zu regnen“, berichtet der Landwirt. In diesem Moment schlug der Schäferhund Simmerl vom Hirten Michi derart an, dass dieser den Fremden nicht in die Alm ließ. So, wie es eigentlich um die Uhrzeit – es war gegen 21.30 Uhr – Brauch gewesen wäre. „Der Simmerl hat aus Angst richtig gefletscht, das hat der noch nie gemacht“, sagt Schmidtner. „Das war wohl lebensrettend.“

Das Gipfelkreuz am Prinzkopf ist nicht das erste, das umgehackt wurde. Das Kreuz an der Dudl-Alm im Längental steht ebenfalls nicht mehr. „Es muss um Pfingsten gewesen sein, wir haben erst festgestellt, dass es umgehackt wurde, als wir die Weide an der Alm hergerichtet haben“, berichtet Ina Gerg aus Schlegldorf, deren Familie die Alm bewirtschaftet.

Kaspar Schmidtner ist sich inzwischen sicher, „dass der Mann was gegen das Christentum hat“. Bei der Polizei, die wegen Sachbeschädigung ermittelt, sind bisher keine Hinweise eingegangen. „Es ist eine dubiose Tat“, sagt Josef Mayr von der Polizeiinspektion Bad Tölz. Ähnliche Vorfälle seien nicht bekannt. Georg Heiß will jedenfalls wieder ein Kreuz am Prinzkopf aufstellen. „Der Zimmerer meint, wir können das abgehackte reparieren“, sagt der Lenggrieser. Bei den Almbauern bleibt indes ein ungutes Gefühl.

Susanne Weiß

Susanne Weiß

E-Mail:onlineredaktion@tz.de

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