Heim in den Krieg

Er soll nach Afghanistan abgeschoben werden

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Hadi Arefi soll nach Afghanistan abgeschoben werden, wo jeden Tag Dutzende Menschen sterben.

München - Hadi Arefi hat Deutsch gelernt, sich integriert und Arbeit gefunden. Jetzt soll der 23-Jährige nach Afghanistan abgeschoben werden. Dass in dem Land ein Bürgerkrieg tobt, interessiert die Behörden nicht.

Zwei junge Afghanen, die in beziehungsweise bei München leben und arbeiten, sollen in ihre Heimat abgeschoben werden. Dass dort Krieg herrscht, hält die bayerischen Behörden nicht davon ab.

„Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt. Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein.“ So warnt das Auswärtige Amt Deutsche vor einem Aufenthalt in dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land. Voriges Jahr stieg die Zahl der getöteten Zivilisten dort um 25 Prozent, 1600 wurden schon im ersten Quartal umgebracht.

Dorthin sollte Hadi Arefi (23) aus Dachau am 29. Januar abgeschoben werden. Im Flugzeug ritzte er sich vor Verzweiflung mit der Armbanduhr die Pulsadern auf, der Pilot weigerte sich, ihn mitzunehmen! Der nächste Termin steht aber bevor. Hadi arbeitet bei einer Wäscherei, hat sich selbst Deutsch beigebracht und kickt in seiner Freizeit bei einer Jugendmannschaft der BayernLB, wo er auch schon gegen jüdische Teams antrat. „Ein netter junger Mann, der sich hier total integriert hat“, lobt sein Trainer Olaf Butterbrod.

Hadis ganze Familie lebt nicht mehr in Afghanistan, wo die Taliban rücksichtslos junge Männer zwangsrekrutieren. Auch Hamid Sidzade (22), der im Augustiner Bräu in der Neuhauser Straße in der Küche arbeitet und in Höhenkirchen lebt, soll nach Afghanistan abgeschoben werden.

Alexander Thal vom bayerischen Flüchtlingsrat schlägt Alarm: „Insbesondere Abgeschobene aus westlichen Staaten sind in Afghanistan in Gefahr, als Spione des Westens von den Taliban verfolgt oder Opfer des boomenden Geschäfts mit Entführungen zu werden.“ Tatsächlich ist die Bundeskonferenz der Innenminister darum auch derzeit dabei, die Sicherheitslage in Afghanistan neu zu bewerten, weshalb SPD-regierte Bundesländer ihre Abschiebungen nach Afghanistan gestoppt haben. Stefan Frey vom bayerischen Innenministerium erklärt: „Wir handeln nach der gültigen Einschätzung der Sicherheitslage.“ Am Montag ruft der Flüchtlingsrat um 17 Uhr zu einer Demo für Hadi und Hamid vor dem Innenministerium am Odeonsplatz auf.

Johannes Welte

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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