Nach Brand in Hofolding

Sie hat alles verloren: Riesige Welle der Hilfsbereitschaft

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„Was das Feuer nicht zerstört hat, hat sich das Wasser geholt“, sagt Lydia Jaensch in ihrem zerstörten Wohnzimmer.

Hofolding - Durch einen Brand hat Familie Jaensch aus Hofolding alles verloren. Geblieben sind Fotos, Schmuck und die Gewissheit: Auf die Hofoldinger ist Verlass. Die Gemeinde organisierte der Familie eine Wohnung und die notwendige Einrichtung. Für Lydia Jaensch (51) ist klar: „Hofolding ist ein Ort mit Herz.“

Eine einsame Lampe an der durchnässten Zimmerdecke, eine angebrochene Flasche Rotwein auf dem verwüsteten Fußboden und ein Teppich, überzogen mit lilagrauen Schimmelsporen. Viel mehr ist nicht übrig. Lydia Jaensch schüttelt ungläubig den Kopf. Die 51-Jährige steht inmitten von all dem, was vor nicht allzu langer Zeit noch ihr gemütliches Wohnzimmer war.

Zigarettenkippe löst Brand aus

Lydia Jaensch (51) mit ihrem Sohn Maximilian (19) und dessen Freundin Lea. Die jungen Leute sind bei der Feuerwehr und haben aus dem brennenden Haus noch einige Erinnerungsstücke gerettet.

Keine drei Wochen ist es her, da hatte Jaensch genau in diesem Zimmer zu Mittag gesessen, als die Flammen im Stockwerk über ihr um sich griffen (wir berichteten). Sie war allein zu Hause, bemerkte das Feuer jedoch noch rechtzeitig und alarmierte die Feuerwehr.  Brandauslöser war vermutlich ein Zigarettenstummel in einem Mülleimer auf dem Balkon der Untermieter im ersten Stock. Wenig später stand die gesamte obere Etage des zweistöckigen Hauses in der Hofoldinger Fichtenstraße in Flammen.

Löschwasser schießt durch die Decke

Das Obergeschoss hatten die Jaenschs an eine junge Familie vermietet. Dachstuhl und Obergeschoss zerstörte das Feuer komplett, während die Wohnung der Familie Jaensch im Erdgeschoss dem Löschwasser zum Opfer fiel, das die Feuerwehr im Kampf gegen die Flammen einsetzte und das durch die Decke schoss.

Sohn und Freundin stürmen ins Haus und retten Erinnerungsstücke

„Was das Feuer nicht zerstört hat, hat sich das Wasser geholt“, sagt Lydia Jaensch. Und geholt hat sich das Wasser so ziemlich alles, was die vierköpfige Familie besaß. Lediglich zwei Fotoalben und etwas Schmuck konnten Sohn Maxi und seine Freundin Lea – beide sind bei der Feuerwehr – noch retten. Sie waren in das brennende Haus gestürmt, um zumindest eine Handvoll Erinnerungsstücke vor der Zerstörung durch die Wassermassen zu bewahren.

Nur noch Bauruine

Heute erinnert die Wohnung eher an eine über Jahre verwahrloste Bauruine. Von der einstigen Gemütlichkeit ist nichts mehr zu spüren. Couch, Betten, Esstisch – all das, was die Wohnung einmal zu einem Zuhause gemacht hat, ist mittlerweile verschwunden. Ein Entrümpelungstrupp hat die durchtränkten Habseligkeiten ausgeräumt und containerweise abtransportiert. Zurückgeblieben ist viel Leere und ein kalter, penetranter Gestank, eine Mischung aus verbranntem Plastik und Chemie. Wohnen kann hier niemand mehr.

800.000 Euro Schaden

Die Schäden am Haus sind irreparabel. Es muss abgerissen werden. „Das tut einfach weh. Immerhin das Elternhaus meines Mannes“, sagt Lydia Jaensch. „Da blutet einem doch das Herz.“ Nach dem Tod der Schwiegereltern hatte die Familie die Wohnung im Parterre erst kürzlich für viel Geld renoviert. Hier, in der Hofoldinger Fichtenstraße, sahen Lydia Jaensch und ihr Mann Hauke ihre Zukunft.

Das Elternhaus ihres Mannes in der Fichtenstraße muss nach dem Brand Ende September abgerissen werden.

Die erschütternde Bilanz des Brandes: Rund 800 000 Euro Schaden, unzählige verbrannte und ertränkte Erinnerungen – und schwere Existenzängste. „Für mich ist die Welt untergegangen“, sagt Jaensch. „Ich dachte nur: Jetzt können wir einpacken, das war’s.“

Welle der Hilfsbereitschaft

Der Schock währte allerdings nur kurz. Denn was Familie Jaensch schon wenige Stunden nach dem Unglück entgegenschlug, war eine Welle aus Hilfsbereitschaft und Empathie.

Innerhalb kürzester Zeit organisierten die Hofoldinger eine Wohnung für die Familie, direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das Haus stand seit Januar leer, sollte eigentlich bald abgerissen werden. Für die Einrichtung steuerte die ganze Gemeinde etwas bei. Stühle und Esstisch brachte ein ortsansässiger Innenausstatter vorbei, Freunde halfen mit Sofa, Teppich und Kleidung aus. „Auf einmal lagen zwei nagelneue Bettdecken und eine Flasche Wein samt Gläsern vor der Tür – von wem, weiß ich nicht“, erzählt Lydia Jaensch und strahlt. „Diese Hilfsbereitschaft war der Wahnsinn.“

Dorfgemeinschaft fängt Familie auf

Dabei seien es nicht nur Sach- und Geldspenden gewesen, die ihr in dieser Zeit Halt gegeben haben. Hier ein freundlicher Blick, da eine kurze Umarmung: „Das hilft unglaublich viel.“ Lydia Jaensch fällt es schwer, ihre Dankbarkeit in Worte zufassen. „Ich weiß auch gar nicht, wie ich mich für das alles bedanken soll.“ Zu viel habe ihre Gemeinde für sie in den vergangenen Tagen und Wochen getan. „Wenn es einem schlecht geht, lernt man die Leute erst richtig kennen.“ Für Jaensch ist klar: „Hofolding ist ein Ort mit Herz.“

Jaenschs bauen ihr Haus wieder auf

Wegziehen steht für Lydia Jaensch und ihren Mann daher auch gar nicht zur Debatte. „Wir bauen das Haus wieder genauso auf, wie es vor dem Brand war.“ Die Versicherung übernimmt die Kosten, und wenn alles gut läuft, können die Jaenschs schon an Ostern wieder in ihr neues altes Zuhause einziehen.

Die alten Mieter können gerne wieder einziehen

Auch die Wohnung im Obergeschoss wollen sie wieder vermieten, gerne an die junge Familie. Die könne schließlich nichts dafür, dass sich die Zigarette im Müll entzündet hat. „Wir hegen da keinen Groll, sowas kann passieren“, sagt Lydia Jaensch und fügt lachend an. „Vielleicht ist das Ganze ja ein guter Grund, mit dem Rauchen aufzuhören."

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