Königs-Jet auf Münchner Flughafen gepfändet

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Diese Boeing 737 des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn ist auf dem Münchner Flughafen gepfändet worden.

München - Wenn's ums Schuldeneintreiben geht, kennt ein bayerischer Insolvenzverwalter keine Gnade: In München wurde jetzt das Flugzeug des thailändischen Kronprinzen gepfändet.

Auf der Hülle der königlichen Boeing 737 klebt der Kuckuck! Kronprinz Maha Vaji­ralong­korn sitzt jetzt erst mal auf bayerischem Boden fest, die Maschine steht versiegelt auf einem Wartungsvorfeld des Airports und darf nicht starten!

Kurioses zwischen Himmel und Erde

Kurioses zwischen Himmel und Erde

Hindergrund der spektakulären Aktion ist ein Streit um Schulden der thailändischen Regierung bei der ehemaligen Augsburger Walter Bau AG, die 2005 pleite ging. Laut Insolvenz­verwalter Schneider war die Dywidag (die 2001 mit der Walter-Bau fusionierte) an Bau und Betrieb einer 26 Kilometer langen Mautautobahn zwischen Bangkok und dem Flughafen Don Muang beteiligt. Doch bezahlt hat der thailändische Staat den Auftrag nie. Eine Forderung von mehr als 30 Millionen ist laut Schneider noch offen. Und da die thailändische Regierung bisher immer wieder auf Zeit gespielt habe und auch das Einschalten der Bundesregierung erfolglos geblieben sei, habe er sich nun – quasi als letztes Mittel – entschlossen, die Maschine des Kronprinzen pfänden zu lassen. Geschätzter Wert: 50 bis 75 Millionen Euro.

Abgesegnet hat die Pfändung übrigens das Kammergericht Berlin. Zuvor hatte bereits ein Schiedsgericht die Ansprüche der Walter Bau bestätigt. Trotzdem war der Pfändungs-Coup nicht ganz einfach. In detektivischer Kleinarbeit recherchierte das Büro des Insolvenzverwalter die Flugroute des 58-jährigen Kronprinzen, der glücklicherweise häufig in Deutschland unterwegs ist. Erst kürzlicht, so berichtete die Financial Times Deutschland, war er mit 40-köpfiger Gefolgschaft in Dresden gelandet, um dort die berühmte Porzellanmanufaktur zu besuchen.

In München könnte sein Aufenthalt länger dauern, obwohl inzwischen die diplomatischen Drähte heiß glühen. Denn in Thailand ist man geschockt. „Es muss sich um ein Missverständnis handeln. Die Behörden meinen, die Maschine gehöre der thailändischen Regierung, aber in Wirklichkeit gehört sie Ihrer Königlichen Hoheit, dem Kronprinzen. Wir hoffen, dass die Angelegenheit so schnell wie möglich bereinigt wird“, meinte ein Sprecher in Bangkok.

Der Fall bleibt spannend. Aber Insolvenzverwalter Schneider ist sich seiner Sache recht sicher: Es ist bereits die zweite Maschine, die er pfänden lässt. Im Oktober 2005 stoppte er ein libanesische Maschine auf dem Flughafen Istanbul. „Die thailändische Regierung hätte also gewarnt sein müssen“, meint man in seinem Neu-Ulmer Büro. Und freut sich diebisch über den Prinzen-Coup.

WdP

Das Leben der Thai-Könige

Hier sehen Sie das thailändische Königspaar mit dem derzeitigen „Wahl-Münchner“ Maha Vajiralongkorn. Der Kronprinz hat drei Geschwister und ist der Hahn im Korb. Eine Schwester ist älter als der 1952 geborene Thronfolger, zwei sind jünger. Er ist bereits zum dritten Mal verheiratet. Aus erster Ehe stammt eine Tochter, aus der zweiten vier Söhne und eine Tochter. Aus der derzeitigen Lebensgemeinschaft ist bisher ein Sohn hervorgegangen, der heute sechsjährige Prinz Dipangkorn Rasmijori – er steht auf Rang zwei der Thronfolge nach seinem Vater.

Maha Vajiralongkorn ist bei weitem nicht so beliebt wie seine Eltern. Zum einen, weil er eine Militärkarriere gewählt hat, zum anderen wegen seines wechselhaften Privatlebens. Der General, Admiral und Luftwaffenchef wird wohl einmal über 65 Millionen Einwohner herr­schen – und über ein Land, das zu den führenden der südostasiatischen Wirtschaft zählt. Thailand wurde zuletzt immer wieder von Auseinandersetzungen geprägt – etwa von gewaltsamen Ausschreitungen zwischen separatistischen Malayen und der Zentralmacht.

Walter-Bau: Pleite nach 140 Jahren

Die Augsburger Walter Bau AG, für deren Gläubiger der Neu-Ulmer Insolvenzverwalter Werner Schneider jetzt versucht, Schulden einzutreiben (siehe oben), zählte zu den größten und traditionsreichsten deutschen Baukonzernen. Doch im Jahr 2005 ging die über 140-jährige Erfolgsgeschichte jäh zu Ende. Nachdem eine Finanzierungslücke von 200 Millionen Euro entstanden war, stellte der Konzern am 1. Februar beim Amtsgericht Augsburg den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenz­verfahrens.

Walter Bau war weltweit in sämtlichen Baubereichen tätig. Zuletzt beschäftigte der Konzern über 9000 Mitarbeiter, weit über 6000 davon allein in Deutschland. Im Jahr 2004 betrug die Bauleistung 3,283 Milliarden Euro. Nach der Pleite kaufte der ehemalige Firmenchef Ignaz Walter (75), der bis 2005 Vorstandschef des Konzerns war, übrigens die alte Firmenzentrale im Zwangsversteigerungsverfahren zurück.

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