Krailling in Trauer: „Nichts wird mehr, wie es war“

Krailling - Betroffenes Schweigen, Tränen und Worte, die trösten wollen, aber nicht können: Mit einem ökumenischen Trauergottesdienst haben Freunde und Bekannte Abschied von den ermordeten Schwestern Chiara und Sharon genommen.

Ihre Gesichter drücken Angst, Bestürzung und Mitleid aus. Dicht gedrängt sitzen am Dienstagabend rund 400 Kinder und Erwachsene auf den Kirchenbänken in der katholischen Pfarrkirche Sankt Elisabeth in Planegg, viele stehen in den Gängen. Ihre Blicke richten sie nach vorne, zum Altar. Vor einem Gesteck aus rosa und weißen Blumen stehen zwei Kerzen. Eine für Sharon, eine für ihre Schwester Chiara. Die Mädchen, elf und acht Jahre alt, waren in der Nacht auf Donnerstag in ihrem Zuhause in Krailling (Kreis München) ermordet worden. Die Mutter fand sie tot in der Wohnung. Knapp 50 Hinweise sind inzwischen eingegangen, noch immer ist der Täter auf freiem Fuß. Obwohl verwertbares Genmaterial am Tatort sichergestellt wurde, planen die Ermittler vorerst keinen Massen-Gentest.

Krailling gedenkt der beiden Mädchen

Krailling: Trauergottesdienst für Sharon und Chiara

Freunde, Verwandte, Bekannte der Familie, aber auch Unbeteiligte, die Trost spenden wollen, kommen am Dienstagabend zum Trauergottesdienst ins benachbarte Planegg, viele haben Blumen mitgebracht. Mütter nehmen ihre Kinder fest in den Arm, manche trocknen die eigenen Tränen mit einem Taschentuch. „Ihr Tod hat uns alle wie ein schwerer Schlag getroffen“, sagt Pfarrer Anicet Mutonkole. „Wir trauern mit großer Betroffenheit.“ Der Gottesdienst sei ein Zeichen der Solidarität für die Angehörigen der beiden ermordeten Mädchen. Ministranten sprechen aus, was viele denken:

„Trauer lebt in unseren Herzen. Sie nicht mehr miteinander erleben zu können, erfüllt uns mit Schmerz.“ Den „Wunsch nach Vergeltung“ spricht die evangelische Pfarrerin Katarina Freisleder an. „Wir fühlen uns ohnmächtig und hilflos“, sagt sie.

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Andächtig und nachdenklich verfolgt die Trauergemeinde jedes ihrer Worte, als könnte sie Antworten geben, die das Leid mindern. „Wir sind fassungslos angesichts von so viel Hass und wilder Raserei“, klagt die Pfarrerin und macht den Hinterbliebenen Mut: „Dort, wo wir Sharon und Chiara in unseren Herzen in Erinnerung behalten, dort werden sie ewig leben.“ Alle Anwesenden verbinde das tiefe Bedürfnis, in Frieden im Würmtal leben zu können.

Dass der Alltag vieler Gemeindebürger derzeit von Ängsten bestimmt ist – das kann Kraillings Bürgermeisterin nachvollziehen. „Wir suchen nach dem Warum“, sagt Christine Borst. Ihre Stimme bebt, als sie sagt: „Unserem beschaulichen Würmtal ist seine Unbeschwertheit unsanft entrissen worden. Nichts wird mehr, wie es war.“ Jedem Bürger werde seine Machtlosigkeit bewusst. „Endgültige Sicherheit gibt es nicht.“ Man sehe, dass sich Schicksalsschläge auch dort zutragen könnten, wo man es nicht vermute. Borst: „Ich hoffe, dass unsere Wunden bald vernarben.“

Unter den Trauergästen ist auch Innenminister Joachim Herrmann. Er verspricht, Polizei und Mordkommission würden alles dafür tun, den Täter dingfest zu machen. „Solange er nicht gefasst ist, hat mancher Ängste, dass so etwas noch einmal passieren könnte“, sagt er. „Unsere Gedanken sind bei den Eltern und deren Angehörigen.“ Mit Kerzen verlassen die Trauergäste Sankt Elisabeth. Einige gehen schweigend fort, andere suchen die Gemeinschaft, die gerade in diesen Tagen Halt gibt. Halt, um die Trauer zu ertragen.

Corinna Erhard

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