"Das ist unser rettender Engel"

Vittorio Colombo hat endlich seine Lebensretterin gefunden

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Endlich gefunden: Hedwig Schneider (M.) ist die Lebensretterin von Vittorio Colombo. Monika Schmidberger (r.) und Maurizio Cornali waren monatelang auf der Suche nach ihr. Den grauen Schal hatte sie in der Nacht vergessen.

Dachau - Seit sie ihm das Leben gerettet hat, sucht Vittorio Colombo nach seinem "rettenden Engel". Dank eines Zeitungsartikels kann sich der 70-Jährige nun endlich bedanken.

Alles, was er von ihr hatte, war ein grauer Schal. Jenen Schal, den sie ihm unter den Kopf gelegt hatte, als sie ihm das Leben rettete. Danach war die Frau verschwunden - und überließ dem Notarzt die weitere Behandlung. Vittorio Colombo (70) aber, ein Italiener aus Apulien, ging sein rettender Engel nicht mehr aus dem Kopf. Er wollte unbedingt wissen, wer ihn vor dem Tod bewahrt hatte. Jetzt, gut drei Monate später, konnte sich Vittorios Familie in Dachau bei Lebensretterin Hedwig Schneider bedanken - und ihr den vergessenen Schal zurückgeben!

Weil die Lebensretterin damals ihren Namen nicht hinterlassen hatte, kann sich Vittorio Colombo nach erfolgreicher Herz-OP im Dachauer Krankenhaus nicht bei ihr bedanken. "Da es aber sein Herzenswunsch war, haben wir nach ihr gesucht", sagt sein Neffe Maurizio Cornali. Er wendet sich deshalb an die Dachauer Nachrichten und erzählt die Geschichte von seinem Onkel und der Lebensretterin, die ihren Schal vergaß:

Vittorio war im April zu Besuch in Bayern. Seine alte Firma hatte ehemalige Kollegen eingeladen, zur Bauma nach München zu fahren. Eine schöne Gelegenheit, endlich auch seinen Neffen Maurizio Cornali und desssen Ehefrau Monika Schmidberger wiederzusehen.

Vittorio bricht gegen Mitternacht zusammen

Die Arbeitskollegen aus Italien steigen im Gasthaus Pfeil in Bergkirchen ab. Am Abend des 15. April sitzen alle zusammen beim Essen in einem Gasthof, die Stimmung ist ausgelassen. Gegen Mitternacht machen sich Familie und Kollegen auf den Weg zur 700 Meter entfernten Pension. Plötzlich klappt Vittorio zusammen. Die Kollegen schreien: "Kein Puls mehr! Atmet nicht!"

In diesem Augenblick hält ein Auto. Wie durch ein Wunder sitzt eine Krankenschwester am Steuer. Die Frau realisiert sofort die Lage. Sie nimmt ihren grauen Schal, legt ihn unter den Kopf des 70-Jährigen und beginnt mit professioneller Herz-Druckmassage. Als der Notarzt kommt, verabschiedet sich die Frau.

"Wunder, dass er geistig wieder fit ist"

Fünf Tage liegt Vittorio ohne Bewusstsein im Krankenhaus. Dann wacht er auf. "Es ist ein Wunder, dass er auch geistig wieder fit ist. Das verdanken wir nur der Lebensretterin. Die Krankenschwester hat dafür gesorgt, dass die Organe weiterhin Sauerstoff bekommen. Trotz Herzstillstands und Kammerflimmern", sagt Monika Schmidberger.

Mitte Juni liest Hedwig Schneider die Geschichte von Vittorio. Ihr fällt ein ganzer Kieslaster voller Steine vom Herzen. Endlich weiß auch sie: Der Mann hat überlebt. Zuerst ist das alles, was sie braucht, um zufrieden zu sein, ist viel zu bescheiden für Lobesreden. Erst Tage später meldet sie sich doch. Sie möchte dem Italiener die Freude machen, sich bedanken zu können. "Er ist so voller Elan. Das ist unbeschreiblich schön", sagt die Lebensretterin, als sie vor wenigen Tagen mit Vittorio telefoniert.

Christiane Breitenberger

Christiane Breitenberger

E-Mail:Christiane.Breitenberger@dachauer-nachrichten.de

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