"Raucher werden in Juden-Karree gestellt"

Nazi-Vergleich: Radio-Moderator "Matuschke" empört Publikum

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Matthias Matuschik alias Matuschke beim Flussfestival.

Wolfratshausen - Radiomoderator Matthias Matuschik ("Matuschke") stand am Samstag mit grandiosen Musikern auf der Flussbühne in Wolfratshausen. In Erinnerung bleibt vielen Zuhörern aber wohl eine unsägliche Gegenüberstellung, zu der sich der 50-Jährige hinreißen ließ.

Bei einer Zwischenmoderation Matuschiks traut der eine oder andere Festivalgast an der alten Floßlände seinen Ohren nicht. Der gebürtige Weidener erklärt den anwesenden Rauchern, dass sie ihre Glimmstängel nur abseits der Bühne anzünden dürfen. Und ergänzt, dass er persönlich total verärgert darüber sei, dass Raucher in abgesperrte Bereiche, in ein „Rechteck für asoziale Menschen“ abgeschoben würden. Sozusagen in ein „Juden-Karree“, stellt der 50-Jährige fest. Dann stehe man dort sozusagen „mit schwarzer Armbinde mit gekreuzten Zigaretten drauf“. Mit diesen Ausführungen entlässt er das Publikum in die Pause.

Tags darauf distanziert sich Marion Klement, Kulturmanagerin der Stadt Wolfratshausen, von Matuschiks Raucher-/Juden-Aussagen. Sie war am Samstag beim Flussfestival und habe gedacht: „Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt.“ Klement unterstellt dem Moderator, „unüberlegt“ gewesen zu sein: „Ich weiß, dass Matthias Matuschik sehr bissig sein kann in seiner Moderation und als Kabarettist – ich weiß aber auch, dass er kein Faschist ist, sondern die Dinge kritisch und sehr überspitzt betrachtet.“ Nein, „passend“ sei diese Art von Moderation nicht, räumt sie ein.

Festival-Veranstalter ist nicht begeistert

Auch Festival-Veranstalter Günter Wagner, der am Samstagabend ebenfalls vor Ort war, ist von Matuschiks Zwischenmoderation nicht begeistert. „Das haben wir als Veranstalter aber nicht in der Hand. Wir gehen davon aus, dass ein bekannter BR-Moderator wie er weiß, was er sagt“, so Wagner in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. „Die Künstler haben in der Gestaltung der Moderation ihre Freiheit.“

Auf Nachfrage zeigte sich Matthias Matuschik am Tag nach seinem Ausrutscher selbstbewusst. Die „Juden-Karree“-Metapher sei ein Auszug aus seinem Kabarettprogramm „Heilige Scheiße“, mit dem er seit gut zwei Jahren rund 100 Mal bayernweit aufgetreten sei. „Da hat sich noch nie jemand auf den Schlips getreten gefühlt“, betont Matuschik. Er habe das Thema Rauchen am Samstagabend in Wolfratshausen spontan einfließen lassen, weil er mitbekommen habe, „dass die Leute ständig vom rauchfreien Zeltdach rüber zum Biergarten gelaufen sind“. Das habe ihn – obwohl selbst Raucher – gestört.

Der 50-Jährige legt Wert auf die Feststellung, „dass dieser Auszug aus meinem Comedyprogramm alles andere als anti-jüdisch ist, sondern ich damit überspitzt darstellen möchte, dass heute wieder Menschen, die anders sind, stigmatisiert werden.“ Für Matuschik ist das Satire – und die darf ja laut Kurt Tucholsky alles.

Dennoch gibt der Radiomoderator zu: „Es tut mir leid, wenn das anders verstanden wurde. Es war nicht meine Absicht, einen Keil in dieses schöne Festival zu schlagen. Ich bin kein böser Mensch.“

Andrea Weber, Carl-Christian Eick

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