Schier unglaubliches Obduktions-Ergebnis

18-Jähriger stirbt plötzlich - an Glühwein und Plätzchen

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In der Erinnerung lebt er weiter: Maximilian Eicher aus Altenerding starb im Dezember 2015 an einer Narkose-Unverträglichkeit – und das, ohne operiert worden zu sein. 

Altenerding  - Vor einem dreiviertel Jahr ist Maximilian Eicher gestorben - mit 18 Jahren, einfach so. Das Ergebnis der Obduktion – schier unglaublich.

Mit dem Abi in der Tasche hatte Maximilian Eicher vor genau einem Jahr sein Studium der Japanologie und Informatik in München begonnen. Am 16. Dezember fand dort die Weihnachtsfeier statt. Seine Eltern, Renate und Peter Eicher, wissen noch genau, wie er sich verabschiedet hatte. Sie bräuchten nicht zu warten, bis 2 Uhr nachts sei er daheim.

Doch Max Eicher kam nicht mehr heim. Gegen 1 Uhr setzt er sich im U-Bahnhof Münchener Freiheit auf eine Bank. Die Videoüberwachung wird ein wichtiger Zeuge: Plötzlich fasst sich der junge, sportlich-durchtrainierte Mann an den Bauch und kippt zur Seite. Hilfe ist schnell da. Maximilian kommt in eine Münchner Klinik. Dort stirbt er wenig später. Aber warum? Erste Vermutungen klingen plausibel: Alkohol, Drogen oder vielleicht gar K.o.-Tropfen? Später werden im Blut von Max gut ein Promille Alkohol nachgewiesen. Daran stirbt ein junger Kerl nicht. Dieser Wert stammt von dem einen oder anderen Becher Glühwein an der Uni.

An Plätzchen und Glühwein gestorben?

Ärzte und Staatsanwaltschaft sind ratlos. Die Obduktion bringt kein schlüssiges Ergebnis. Papa Peter Eicher hat einen Verdacht: Seine Mutter litt an der Narkose-Unverträglichkeit Maligne Hyperthermie (MH), die in kürzester Zeit heftigste Fieberschübe auslöst. Peter Eicher hat das geerbt. „Bei Max konnten wir es nicht ausschließen“, erzählen die Eltern. Der Nachweis der MH ist kompliziert und teuer: Aus dem Oberschenkel muss ein Muskelstrang entfernt werden. Aber: Max hatte einen Notfallpass dabei. In der dramatischen Nacht schaute niemand in Max’ Geldbeutel.

Mysteriös: Der junge Mann hatte gar keine Narkose bekommen. Die medizinische Spurensuche begann. Sie sollte Monate dauern. Dann, vor ein paar Tagen, das Ergebnis. Es macht fassungslos.

Für MH-Patienten stellt Tyramin eine hohe Gefahr dar. Dieser Stoff entsteht bei der Zersetzung von Eiweißen und ist häufig natürlicher Begleitstoff von Nahrungsmitteln wie Rotwein, Bananen Schokolade und diversen Käsesorten.

Am Ende kommt das Gutachten zu dem Schluss: „In der Gesamtschau lässt sich der Eintritt des Todes von Maximilan Eicher als Folge einer fulminant verlaufenen Malignen Hyperthermie erklären.“ Erschreckend simpel gesprochen: Der junge Student ist an Glühwein und Weihnachtsplätzchen gestorben. Renate Eicher erzählt, dass sie erst eine Woche vorher zu Hause Nikolaus gefeiert hätten – auch mit Backwerk und Glühwein. Max sei es gut gegangen, wie immer.

Ihre Hartnäckigkeit – „Es war eine zermürbende Zeit.“ – hat Peter und Renate Eicher die Gewissheit gebracht, woran Max gestorben ist. Für den Gang an die Öffentlichkeit haben sie sich entschieden, nicht nur weil sie Gerüchte ausräumen wollen, Max sei an Alkohol oder Drogen gestorben. Vielmehr wollen sie andere Betroffene warnen. „Wenn man es weiß, kann man sich wappnen“, sagt die Mutter. Der Vater: „Wenn am 17. Dezember die Retter im Bilde gewesen wären, würde Max heute wahrscheinlich noch leben.“ Das haben auch Polizei und Staatsanwaltschaft geprüft. Den Einsatzkräften könne kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden. MH, schlussfolgert Peter Eicher, sei selten und für die Wissenschaft offensichtlich nicht sonderlich interessant.

Max’ Schwester Larissa hat sich mittlerweile dem Test unterzogen. Das 17 Jahre alte Eishockey-Talent ist von MH nicht betroffen. Die Narbe am Oberschenkel wird verheilen.

Aber verheilt auch die Trauer um Max? Seine Eltern sind erstaunlich gefasst, man merkt ihnen den entsetzlichen Verlust nicht an. In ihr Inneres kann niemand schauen. Renate Eicher sagt, Trauer sei jeden Tag vorhanden. Natürlich gebe es auch schöne Momente, doch in der Erinnerung ist Max immer da. Ihr Mann erklärt: „Es wird nie wieder gut.“

Jede Trauer sieht anders aus

Der Tod stellt für die Eichers einen nicht zu kittenden Bruch dar. „Wir fragen uns immer wieder, warum es unseren Max getroffen hat“, erzählt Renate Eicher. Ihr Gatte sagt: „Die bis dahin gefühlte Sicherheit ist weg. Wir haben erfahren, wie schnell alles reißen kann, wie brüchig das Leben ist. Bei uns hat jahrelang alles gepasst. Und dann ist von einer Sekunde auf die andere alles anders.“

Peter Eicher war heuer ein paar Tage auf einer Motorrad-Tour durch Schottland. Er musste mal raus. Familienurlaube hat es seither keine gegeben. „Das schaffen wir noch nicht“, sagt die Mutter. Früher seien sie drei, vier Mal pro Jahr weggefahren – immer alle zusammen.

Die Eichers, sie lassen sich nicht hängen. Regelmäßig treffen sie sich mit anderen Eltern, die auch ein Kind verloren haben. „Es tut gut, unter Gleichgesinnten zu sein“, sagt sie. „Da kann man auch mal lachen, ohne dass das jemand irritiert.“ Peter Eicher ergänzt: „Darüber zu reden, das tut immer gut.“ Bedauerlich findet er, dass es für trauernde junge Geschwister keine Angebote gebe.

Dennoch trauern Eltern und Schwester unterschiedlich. Sie wissen, dass jeder auf seine Weise mit dem Verlust umgehen muss. Renate Eicher hält sich regelmäßig in Max’ Zimmer auf. Peter Eicher kann das noch nicht. Auch der Weg zum Grab fällt ihm schwer. Dort steht nur das Kreuz mit Max’ Bild von der Beerdigung. „Ich habe es noch nicht fertiggebracht, Max’ Namen unter den seiner Oma in Stein meißeln zu lassen. Ich kann das noch nicht lesen.“

Am 20. April haben sie ein bisschen gefeiert, es wäre Max’ 19. Geburtstag gewesen. Larissa Eicher wird nächsten Mittwoch 18. Die Party wollte ihr eigentlich Max ausrichten. Er hatte schon große Pläne. Die junge Frau wird feiern – mit ihrer Familie, mit ihren Freundinnen. Und mit den Spezln von Max – eine Geschwisterliebe, die immer schon stark war, jetzt stärker als der Tod.

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