Geistlicher zurückgetreten

Morddrohungen gegen Pfarrer - Bürgermeister: "Psychopathen"

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Olivier Ndjimbi-Tshiende geht im April.

Zorneding - Nach Morddrohungen ist ein Pfarrer aus Zorneding zurückgetreten. Die Polizei ermittelt. Jetzt meldet sich der Bürgermeister der Gemeinde zu Wort.

Der Rücktritt des katholischen Gemeindepfarrers in Zorneding (Kreis Ebersberg) schlägt hohe Wellen. Am Montag beschäftigte sich der Landtag mit dem Thema. Die Polizei ermittelt – und auch der Bürgermeister Zornedings, Piet Mayr (59, CSU), meldet sich zu Wort.

Der gebürtigen Kongolese Olivier Ndjimbi-Tshiende hat Morddrohungen erhalten – und daraufhin am Wochenende seinen Rückzug erklärt. Vorausgegangen war eine Kontroverse zwischen dem Seelsorger, seiner Gemeinde und der örtlichen CSU. Es ging um die Flüchtlingspolitik. In der Folge kam es zu rassistischen Äußerungen von Ortspolitikern. Nachdem das publik geworden war, mussten mehrere Lokalpolitiker zurücktreten.

Pastor Manfred Groß

Manfred Groß, 62, der evangelische Pfarrer in Zorneding, ist erschüttert: „Es macht mich sprachlos, was passiert ist“, sagt er. „Jetzt muss in der Gemeinde was passieren.“ Vielleicht rücken die Bürger zusammen, vielleicht gibt es ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. „Aber für Olivier“, sagt Groß, „ist es leider zu spät.“ Die Landtags-Fraktionschefin der Grünen, Margarete Bause, rief Ministerpräsident Seehofer am Montag auf, dem Geistlichen durch einen Besuch vor Ort öffentlich beizustehen. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer forderte unterdessen, die Vorfälle müssten mit aller Härte des Gesetzes aufgeklärt werden.

Bürgermeister: "Für mich sind das Psychopathen"

Bürgermeister Piet Mayr 

Zornedings Rathauschef betonte gegenüber dem Münchner Merkur seine Furcht, dass Zorneding auf eine Ebene gestellt werde mit Dörfern in Ostdeutschland oder Franken, in denen zuletzt Asylbewerberheime von Brandanschlägen heimgesucht wurden. „Für mich sind das Psychopathen und Verrückte“, sagt der Bürgermeister über die Menschen, die den Zornedinger Pfarrer bedroht haben. „Das sind keine Wutbürger, das sind Hassbürger. Ich verabscheue die Taten zutiefst. Es tut mir unendlich leid, dass der Pfarrer diese Konsequenzen gezogen hat.“ Mayr sagt aber auch: „Zorneding wird in eine Ecke gestellt, in die es nicht gehört.“ In die fremdenfeindliche Ecke. Der Bürgermeister sorgt sich, dass Zorneding schon bald in einem Atemzug mit Vorra und Clausnitz genannt wird. „Dabei“, sagt er, „haben wir den größten Asylhelferkreis im ganzen Landkreis.“ Die Einheimischen, sagt er, seien aufgeschlossen und tolerant.

Die Polizei stochert bei der Suche nach dem oder den Urheber(n) der Drohungen gegen den Pfarrer noch im Nebel.

tz

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