Zoff eskaliert

Müll-Streit: Anwohner baut Holzwand MITTEN auf Fußweg

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Jörg Koppen kann’s nicht glauben – auf seinem Spazierweg ist kein Durchkommen mehr.

Oberhaching - Ruhig ist es auf dem ­schmalen Fußweg zwischen der Karl- und Tisinstraße in Oberhaching. Keine Passanten mehr – sie sparen sich den Weg, weil sie Bescheid wissen: kein Durchkommen mehr!

Maximilian Müller ist der Bauherr der Holzwand.

Denn: Anwohner Maximilian Müller hat hier eine massive Holzwand gebaut. Jörg Koppen, Sprecher der Agenda 21 Oberhaching, ist sauer, seit er hier bei seinem Sonntagsspaziergang hängen geblieben ist. Er fordert, „dass diese öffentliche Wegverbindung schnellstmöglich wieder hergestellt wird“. Anwohner Müller kontert, fühlt sich im Recht. Er sagt dem "Münchner Merkur": „In der Summe ist jetzt einfach ein Punkt erreicht, an dem ich sage: Es reicht!“ Seit Anfang der Neunzigerjahre verläuft der Weg auf dem Grundstück des Oberhachingers von der Tisinstraße aus in westlicher Richtung zur Karlstraße. Über die Jahre hat sich dort einiges an Müll und Unrat angehäuft.

Dabei geht es nicht nur um ein paar Getränkedosen oder fallen gelassene Taschentücher. Auch Wildbiesler und Müll in den Briefkästen sorgen für Verärgerung bei den Anwohnern. Immer häufiger halten sich Jugendliche hier auf, rauchen, trinken, machen Lärm. Zurück bleiben leere Bierflaschen und Zigarettenkippen. Die landen auch gern mal im Garten des Mietshauses.

Es geht um das Beseitigen von Hinterlassenschaften

Für das Beseitigen der Hinterlassenschaften ist Müller nicht verantwortlich. „Mal etwas aufzuheben, ist eine Sache, aber auf dem Weg für Ordnung zu sorgen – und das seit 25 Jahren – eine andere“, sagt er. Die Gemeinde besitzt dort sogenanntes Gehrecht, ist daher auch dazu verpflichtet, den Weg sauber zu halten. Das tue sie auch, allerdings mehr schlecht als recht.

Immer wieder wies Müller die Gemeinde auf die Verschmutzung der Fläche hin. Die reagierte, aber offenbar ohne nachhaltigen Erfolg: „Nach meinen Beschwerden ging es dann zwei, drei Wochen, maximal einen Monat gut, dann wurde es wieder schlimmer“, sagt er. Zudem forderte das ehemalige Gemeinderatsmitglied eine Sperrung des Weges für Hundehalter, da diese immer häufiger zu sorglos mit der Notdurft ihres Vierbeiners umgingen. Drei Mal habe Müller der Gemeinde daher in Schreiben eine Frist gesetzt, seine Anliegen in die Tat umzusetzen. Ohne Erfolg.

Die Folge auf den Müll-Zoff ist eine zwei Meter hohe Wand

Die Konsequenz ist zwei Meter hoch, drei Meter breit und aus massivem Holz. Seit dem 29. Dezember steht die Holzwand nun. Die Gemeinde habe er vorab über sein Bauvorhaben informiert, erklärt Müller. Es sei eine „Alles-oder-Nichts-Lösung“, allerdings keine endgültige.

Der Mess- und Regelmechaniker hofft auf eine Übereinkunft, zeigt sich gesprächsbereit und stellt gar einen Abriss der Wand in Aussicht – allerdings unter gewissen Voraussetzungen. So müsse ihm die Gemeinde ein rechtlich bindendes und schlüssiges Konzept vorlegen, das ihm ermöglicht, den Bereich auf Kosten der Gemeinde sofort reinigen zu lassen – ohne auf die gemeindliche Säuberung warten zu müssen. Und auch die Hunde sollen demnächst einen Umweg machen müssen. Schließlich sei es die Gemeinde gewesen, die den Weg wollte, sagt Müller: „Dann sollen sie sich auch darum kümmern – und zwar auf Dauer.“

Florian Prommer

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