Polizei sucht ehemalige WG-Mitbewohner

Tötungsdelikt in Haar: Leiche lag wochenlang im Dachgeschoss

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Auf dem Grundstück wurde ein Plastiksack gefunden, in dem sich - wie es von außen aussieht - durchaus eine Leiche befinden könnte.

Haar - Eine Frau soll im Jahr 2010 ihren Freund getötet haben. In ihrem Garten in Haar wurde ein Plastiksack gefunden - darin liegen höchstwahrscheinlich die Überreste des Mannes. Die Polizei sucht ehemalige WG-Mitbewohner.

Den früheren Lebensgefährten der Pädagogik-Studentin Gabriele P. (31) fanden die Nachbarn eigentlich ganz nett. Alexander H. grüßte immer über den Gartenzaun und lächelte freundlich. Doch dann war der Student plötzlich verschwunden. Das war im Jahr 2010. Monate später erschien ein von den Eltern beauftragter Privatdetektiv in der Siedlung in der Zunftstraße in Haar und fragte nach dem jungen Mann. Doch niemand wusste, wo Alexander abgeblieben war. Bis Mittwoch.

Diese Hochzeitseinladung verteilte das Paar unter den Nachbarn – die Feier fand im Garten statt. Unter der Erde lag die Leiche.

Im Garten des Einfamilienhauses stießen Spezialisten nach stundenlanger Grabung auf einen Plastiksack. Darin liegen mit größter Wahrscheinlichkeit die sterblichen Überreste von Alexander H. (29). Gabriele P. und ihr Lebensgefährte Christian K. (33) sitzen bereits in U-Haft. Sie unter dem Verdacht des Mordes, er wegen Strafvereitelung. Die Nachbarn sind entsetzt. Denn die Umstände dieses mörderischen Dramas sind grauenerregend. Erst im Juli 2015 hatten Gabriele P. und Christian K. ihre nach buddhistischem Ritus geschlossene Hochzeit im Garten gefeiert – nur wenige Meter entfernt lag ihr Ex verscharrt unter der Erde.

Letztes Lebenszeichen: ein Telefonat im Januar 2010

Die Studentin hat das Haus vor Jahren von ihrer Großmutter geerbt. Seitdem verwilderte der Garten und im Hause etablierte sich eine etwas chaotische Studenten-WG, die zeitweise auch Hühner und Hasen im Hof hielt. Die Bewohner wechselten häufiger. Mit dem Studenten Alexander schien Gabriele ihr Glück gefunden zu haben – bis er plötzlich verschwand. „Das letzte Lebenszeichen von ihm war nach bisherigen Erkenntnissen ein Telefonat etwa im Januar 2010“, bestätigten am Mittwoch Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und der Chef der Münchner Mordkommission, Markus Kraus.

In den folgenden Jahren schaffte es Gabriele P., alle Nachfragen nach Alexander abzuwimmeln. Zuletzt kursierte die Version, Alexander sei zu seiner Freundin nach Rumänien gezogen. Tatsächlich jedoch war er da schon lange tot.

Leiche lag offenbar monatelang im Dachgeschoss

Christian K. (33) sitzt wegen Strafvereitelung in Untersuchungshaft

Wahrscheinlich bereits im Januar 2010 hat Gabriele P. ihren Freund im Dachgeschoss des Hauses im Streit umgebracht. An die Tat selbst kann sie sich angeblich nicht mehr erinnern. Nur noch, dass sie mit blutigen Händen im Flur stand. Sie schloss die Tür ab und ließ die Leiche einfach liegen – offenbar mehrere Wochen oder gar Monate lang. Dann trat ein neuer Mann in ihr Leben: Christian K. (33) – ein eigenwilliger Mann, der lange schwarze Röcke trug, im Garten Kampfsportübungen mit Ketten vollführte und auf Facebook politische Verschwörungstheorien und religiöse Sinnsprüche verbreitete. Die meisten Nachbarn fürchteten sich vor ihm. Er ist polizeibekannt – unter anderem wegen Körperverletzung. Er fand offenbar die Leiche seines Vorgängers und soll sie mit Gabriele zusammen im Garten neben der Thujenhecke vergraben haben.

Zum Jahreswechsel bekam die Münchner Mordkommission offenbar aus dem Umfeld des Paares einen Hinweis, dass Alexander ermordet wurde. Unter dem Druck der Vernehmung zeigten Gabriele P. und Christian K. den Beamten unabhängig voneinander die Grabstelle. Spezialisten des Bundeskriminalamtes gruben den Sack unter archäologischen Bedingungen aus. Er wird in der Rechtsmedizin im Computertomographen durchleuchtet und erst dann geöffnet. 

Polizei sucht ehemalige WG-Mitbewohner

Die Mordkommission (Tel.: 089/2910-0) sucht ehemalige WG-Mitbewohner, die Gabriele P. und Alexander H. kannten. Seine Eltern haben Mittwochfrüh erfahren, dass ihr Sohn wahrscheinlich gefunden worden ist.

Die Pressekonferenz der Polizei wurde mittels der App "Periscope" live übertragen.

Dorita Plange

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E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

Ramona Weise

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Johannes Heininger

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