Olivier Ndjimbi-Tshiende

Nach Morddrohungen: Zornedings Pfarrer tritt zurück

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Er verlässt Zorneding nach Morddrohungen: Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende am Sonntag im Gottesdienst

Zorneding - Nach mehreren Morddrohungen gegen ihn tritt der katholische Pfarrer der Gemeinde Zorneding (Landkreis Ebersberg), Olivier Ndjimbi-Tshiende, zurück.

"Auf Wiedersehen. Ich wünsche ihnen einen schönen Sonntag“, sagte Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende am Ende des Gottesdienstes. Kurz zuvor hatte der aus dem Kongo stammende Geistliche erklärt, er werden die Gemeinde St. Martin in Zorneding zum 1. April verlassen. Als Grund nannte der Seelsorger „Erfahrungen in der letzten Zeit“.

Nach Informationen der Ebersberger Zeitung hatte der Seelsorger Morddrohungen erhalten, in mündlicher und schriftlicher Form. Nähere Auskünfte dazu wollte der Pfarrer am Sonntag nicht geben und verwies auf das Ordinariat des Erzbistums München-Freising. Gegenüber dem Münchner Merkur erklärte Ndjimbi-Tshiende, er werde künftig andere Aufgaben übernehmen. Wo genau, das wisse er noch nicht.

Die Kirchengemeinde reagierte teilweise geschockt auf die Ankündigung. Es gab auch Unmut darüber, dass einige Verantwortliche in der Pfarrei schon vorab über den Schritt des Pfarrers informiert waren, die Gemeinde aber erst im Gottesdienst unterrichtet wurde.

Kirchenpfleger Herbert Bauer erklärte, es gebe drei Gründe für den Weggang des Pfarrers. Er bestätigte auch, dass es Drohungen gegen Ndjimbi-Tshiende gegeben habe. Vom Ordinariat sei am Donnerstag eine E-Mail gekommen, die einen Besuch angekündigt habe. Am Freitag war dann eine Delegation des Ordinariats vor Ort in Zorneding.

Olivier Ndjimbi-Tshiende, der im Jahr 2012 in Zorneding die Pfarrei übernommen hatte, hatte fremdenfeindliche Äußerungen deutlich kritisiert, die die CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im örtlichen Parteiblatt „ZornedingReport“ veröffentlicht hatte. Boher ist inzwischen als CSU-Ortsvorsitzende zurück getreten, nicht jedoch als Gemeinderätin.

Bürgermeister: "Psychopathen" hinter Moddrohungen gegen Pfarrer

Konsequenter war CSU-Gemeinderat Johann Haindl, der auch Bohers Stellvertreter im Vorstand war. Von ihm kam der Satz in Richtung Pfarrer: „Der muss aufpassen, dass ihm der Brem (gemeint war Zornedings Altpfarrer, Anmerkung der Redaktion) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger.“ Diese Äußerung erregte deutschlandweit Aufsehen. Haindl entschuldigte sich und trat von seinen Ämtern zurück. Der Konflikt zog Kreise. Der Pfarrgemeinderat forderte die CSU auf, die Kirchtürme von Zorneding und Pöring nicht mehr im Logo des Parteiblatts zu verwenden.

„Ich bin extrem erschüttert“, reagierte Jutta Sirotek, kommissarische Ortsvorsitzende der CSU auf die Morddrohungen. „Ich bedaure zutiefst, dass er geht“, so Zornedings Bürgermeister Piet Mayr (CSU). Der Rathauschef sieht bei den Drohungen „irgendwelche Psychopathen“ am Werk.

Michael Seeholzer

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